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AfD und Christentum : Auf der Suche nach dem Abendland

Milliardengeschäfte „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“

Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, entdeckte „menschliche Kälte“ bei der AfD. Der evangelische Bischof in Berlin, Markus Dröge, stellte die Frage, ob AfD-Mitglieder in Gemeinderäten mitarbeiten dürften, wenn die Partei sich weiter nach rechts bewegen sollte. Die AfD zahlte in gleicher Münze heim. Gauland sagt, er finde die evangelische Kirche „höchst unsympathisch“, sie sei „feministisch-ökologisch“ und „links-grün“. AfD-Rechtsaußen [...]* aus Thüringen [...] , eine Qualifikation, die Gauland ausdrücklich als „zulässig“ bezeichnet. Dass die katholische Kirche die AfD-Politiker nicht zum Katholikentag in Leipzig eingeladen hatte, hat den Konflikt weiter zugespitzt – sie hatte das damit begründet, menschenverachtende Positionen hätten dort keinen Platz.

Der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron warf den Kirchen am Mittwoch vor, „unter dem Deckmantel der Nächstenliebe“ Milliardengeschäfte mit der Flüchtlingshilfe zu machen. Kirchliche Organisationen nutzten „zur Gewinnmaximierung oft die Hilfsbereitschaft unbezahlter Ehrenamtlicher über Monate aus“ und schrieben dem Staat dann „saftige Rechnungen“ – ein Angriff, den der Sprecher der katholischen Bischöfe als „Gequatsche“ abtat.

Leipzig : De Maizière verteidigt Flüchtlingspolitik

Der derzeitige Streit der AfD mit der Kirche anlässlich des Katholikentages zeigt nur besonders deutlich das wahre Gesicht der Partei. Deren Vordenker verschleiern das keineswegs. Gauland äußerte kürzlich in einem Interview, dass die AfD „keine christliche Partei“ sei. Spricht man ihn darauf an, so sagt er: „Wir wollen nicht das Christentum im religiösen Sinne verteidigen.“ Die Wähler der AfD wollten, dass man für „ihr SoSein“ kämpfe. Für alles, „was man von den Vätern ererbt“ habe. Das schließt zwar das materiell Ererbte nicht aus, zielt aber eher am Rande darauf. Gemeint sind vor allem Lebensformen und Traditionen. „Das Christentum ist dafür dann eine Metapher“, sagt Gauland.

Gauland: Große Zahl der Fremden das eigentliche Problem

Er analysiert, dass dem Christentum die geistige Kraft in Deutschland abhandengekommen sei, der Islam jedoch noch eine solche geistige Kraft besitze. Die Menschen in Deutschland empfänden sehr wohl den Verlust von Werten wie etwa des familiären Zusammenhalts. Muslimische Flüchtlinge bringen solche Werte nach Deutschland mit. Doch das macht den Deutschen nach Gaulands Analyse keineswegs Hoffnung auf die Wiederbelebung solcher Werte, so als kämen Brüder im Geiste zu ihnen. Vielmehr sieht der vor 75 Jahren in Chemnitz geborene AfD-Mann die Sache genau andersherum. Es gebe unter den AfD-Anhängern die Sorge, „dass eine uns fremde Religion sehr viel prägender ist als unsere abendländische Tradition“.

Die große Zahl der Fremden sei das eigentliche Problem. Und diese große Zahl komme nun einmal aus Regionen, in denen vor allem Muslime lebten. Gauland geht sehr weit in seiner Auslegung des Fremden. Sicher werde der in Berlin geborene Fußballspieler Jerome Boateng, der einen ghanaischen Vater und eine deutsche Mutter hat, als Spieler in der deutschen Nationalmannschaft geschätzt. „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“, sagt Gauland.

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