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„Dumm, pietätlos“ : AfD distanziert sich von hämischem Eurofighter-Tweet

Ein Wrackteile eines der beiden abgestürzten „Eurofighter“ am Montag in einem Kornfeld nahe der Ortschaft Jabel Bild: Reuters

Die AfD-Fraktion entschuldigt sich im Verteidigungsausschuss für einen irrlichternden Kommentar des Abgeordneten Udo Hemmelgarn. Dort informiert auch Luftwaffeninspekteur Gerhartz über die jüngsten Erkenntnisse zur Kollision.

          Die AfD musste in den vergangenen Tagen für einen irrlichternden Kommentar eines Bundestagsabgeordneten am Montag jede Menge Kritik einstecken. Der 60 Jahre alte Udo Hemmelgarn hatte kurz nach der Kollision zweier Eurofighter getwittert: „Jetzt haben wir noch ein taugliches Flugzeug! Das 'Gute' daran ist, das [sic] es in der Zukunft keine weiteren Zusammenstöße in der Luft geben wird!“ Kurz darauf wurde der Tweet gelöscht, Hemmelgarn rechtfertigte sich mit dem Hinweis, dass beide Piloten gerettet worden seien. Nachdem die Luftwaffe den Tod eines der beiden Piloten bestätigt hatte, entschuldigt er sich und sprach den Angehörigen sein Beileid aus.

          Der verteidigungspolitische Sprecher der AfD, Oberst a.D. Rüdiger Lucassen, distanzierte sich am Mittwoch bei der Sitzung des Verteidigungsausschusses für den Tweet seines Kollegen. In seiner Erklärung, die der F.A.Z. vorliegt. bezeichnete er den Tweet des namentlich nicht genannten Abgeordneten nach dem Absturz als „dumm, völlig unangemessen und pietätlos.“ Er habe dafür kein Verständnis und weise die „unpassende Kommentierung“ mit Nachdruck zurück. Sie sei unvereinbar mit dem politischen Selbstverständnis der AfD. Das habe Hemmelgarn offenbar nicht verstanden.

          Bei der letzten Sitzung des Ausschusses vor der Sommerpause waren auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn sowie der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz zugegen. Dabei informierte Gerhartz laut übereinstimmenden Angaben mehrerer Ausschussmitglieder über die jüngsten Erkenntnisse zur Kollision.

          Flugschreiber am Mittwoch geborgen

          Demnach seien die Flugdatenschreiber beider Flugzeuge nicht, die laut Luftwaffe am Vortag  gestern gefunden wurden, erst am Mittwochmorgen identifiziert worden. Einer sei direkt geborgen worden, bei dem anderen sei die Bergung schwieriger gewesen und erst am Mittag abgeschlossen gewesen.

          Ferner hätten sich die Piloten auch nicht in einer Luftkampfübung befunden. Vielmehr hätten sie die Identifizierung eines Flugobjektes geübt, das in den deutschen Luftraum eingedrungen sei. Allerdings gilt auch in diesem Fall, dass sich die Kampfflugzeuge so nah es geht an das unbekannte Flugzeug annähern. Erkenntnisse über einen technischen Defekt lägen bis dato nicht vor.

          Gerhartz trat dem Vernehmen nach auch dem Eindruck entgegen, dass es sich bei dem ums Leben gekommenen 27 Jahre alten Piloten um einen Anfänger gehandelt habe. Er habe über 100 Flugstunden im Eurofighter verbracht. Abgeordnete ergänzten, dass er ein sehr talentierter Pilot gewesen sei. Das dokumentiere der Lehrgang, an dem er zuletzt in Spanien teilgenommen habe. Dahin würden nur die aussichtsreichsten Bundeswehr-Piloten entsandt. Fluglehrer und Pilot hätten sich zudem gekannt und seien häufiger miteinander geflogen, zuletzt erst vergangenen Freitag. Der tödlich verunglückte Pilot werde nun obduziert. Der verletzte Fluglehrer sei aus dem Krankenhaus entlassen worden.

          Ob es dem Piloten nach der Kollision noch gelungen sei, den Schleudersitz auszulösen, ist noch Gegenstand der Ermittlungen des Generals Flugsicherheit, Brigadegeneral Peter Klement. Er hat am Montag die Ermittlungen übernommen. Die Abgeordneten äußerten sich in diesem Punkt über die Ausführungen des Luftwaffeninspekteurs widersprüchlich. Es scheint aber zunehmend unwahrscheinlich. Aus einer Quelle hieß es, er habe es nicht geschafft. Eine andere sagte, es gebe drei Möglichkeiten: Er könne ihn ausgelöst haben, der Schleudersitz könne automatisch ausgelöst worden sein. Das sehe das Kampfflugzeug in bestimmten Situationen vor. Oder eben: Er könne nicht ausgelöst worden sein.

          Laut Parlamentarierangaben war der Übungsbetrieb der „Eurofighter“ aller Luftwaffengeschwader vorübergehend eingestellt worden. Beim Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“, in Laage bei Rostock, von dem aus die beiden Piloten aufgestiegen waren, ruht der Betrieb vollständig. Gerhartz kündigte die Wiederaufnahm des regulären Flugbetriebs für kommenden Montag an. Piloten am Standort Laage, die mit dem getöteten Offizier persönlich verbunden waren, soll der Wiedereinstieg freigestellt sein, bis sie sich dazu wieder in der Lage sehen.

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