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Internetstrategie : Das Bauchgefühl der AfD

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„Wir sind die Mitte“

König blickt auf den Monitor, er durchforstet die Beiträge, die Nutzer auf der Seite gepostet haben. 26 Stück sind in den vergangenen zwei Stunden eingegangen. Königs Augen fliegen über die Zeilen, er sucht nach Signalwörtern, ob er sich den Text genauer anschauen muss. „Völkisch“, murmelt er, „da gehen die Alarmglocken an.“ Also Wort für Wort: Von einer Invasion der Muslime ist die Rede, von Kreuzzügen, Oktober 1507. Am Ende des Textes ist ein Link zur Internetseite „PI News“. Das macht es leicht für König, er klickt auf „Löschen“. Die Medien der neuen Rechten, dazu zählen „PI News“, der Kopp Verlag oder das Magazin „Compact“, lässt er grundsätzlich nicht zu. „Das ist nicht die AfD“, sagt er. „Wir sind Mitte.“

Ein typischer Post der AfD auf ihrer Facebook-Seite.
Ein typischer Post der AfD auf ihrer Facebook-Seite. : Bild: Screenshot von facebook.com/alternativefuerde

König ist nicht nur der Internetstratege der Partei, er identifiziert sich mit den Inhalten und der Art, Politik zu machen. Fragt man ihn, was er über Flüchtlingskrise, Tierschutz oder Schießbefehl denkt, sagt er: „Schauen Sie auf die Facebook-Seite der AfD. Das bin ich.“ König kreiert das Image der AfD mit, indem er Themen setzt, die Fühler ausstreckt nach neuen Trends. Wenn Wahlerfolge heute also im Netz entschieden werden, dann ist König für die AfD derjenige, der viele Stimmen bringt. Die Parteispitze vertraut ihm, er kann frei agieren. Inzwischen betreut er auch die Facebook-Seiten von Frauke Petry und Jörg Meuthen.

Emotionen auslösen

Nächster Beitrag. Ein Nutzer ärgert sich über die Rundfunkgebühren. „Gut, dass Sie dagegen etwas tun“, schreibt er. König lächelt. Die „GEZ“ ist eines seiner Themen. Er hat es für die AfD erkannt und vor zweieinhalb Jahren Bernd Lucke, dem damaligen Parteivorsitzenden, davon erzählt. Die Kritik am Rundfunkbeitrag kommt jetzt ins Parteiprogramm. Es ist ein gutes Thema für die AfD – ein gutes Thema für Facebook, sagt König. Es impliziert grundsätzliches Misstrauen zu den Medien und den Ärger über eine „Zwangsabgabe“. Zwei Affekte, die beim AfD-Publikum Emotionen auslösen.

König steuert diese Emotionen. Er lässt Testballons fliegen, veröffentlicht Beiträge zu Themen wie Umweltplaketten und blickt dann auf die Statistik-Seite bei Facebook. Anhand der Zahlen, Graphen und Kurven sieht er, wie viele kommentieren, liken, teilen. Er sieht, wie sehr sie ein Thema bewegt. Mit Hilfe der Zahlen und seines eigenen Gespürs ist König vielleicht so etwas wie das Bauchgefühl der AfD. Dazu gehört auch, dass er sehr genau weiß, was richtig und was falsch ist. Dass der Grünen-Politiker Volker Beck, der mit einer geringen Menge Crystal Meth aufgegriffen wurde, nun eine Geldstrafe von 7000 Euro zahlen muss, findet König falsch. „Andere müssen dafür viel mehr büßen“, sagt er. Annette Schavan schrieb in ihrer Doktorarbeit ab und verlor den Titel. Als Ministerin trat sie zurück. Kurz darauf wurde sie zur Vatikan-Botschafterin ernannt. „Wie soll ich da meinen vier Kindern klarmachen, dass sie in der Schule nicht abschreiben dürfen?“, fragt König. Er wirkt ehrlich empört.

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