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AfD-Parteitag : Alles eine Frage der Kultur

Mehr Einigkeit und Loyalität: Petry und Meuthen in Stuttgart Bild: Rainer Wohlfahrt

Die AfD diskutiert auf ihrem Parteitag darüber, wo sie steht und was sie will. Frei nach dem Motto: Bloß keine Mäßigung. Zentrale Themen bleiben dabei Einwanderung und der Islam.

          6 Min.

          Beatrix von Storch braucht kein Liedblatt. Am Sonntagmorgen sitzt die stellvertretende Bundesvorsitzende in Sitzungsraum C 7.3.1 der Stuttgarter Messe und singt aus dem Gedächtnis: „Halleluja, Halleluja, großer Gott, wir loben Dich, Herr, wir preisen Deine Stärke.“ Über einen Konferenztisch hat Bischof Frederik Haas ein Tischtuch gelegt, ein Metallkreuz darauf gestellt und zwei Kerzen angezündet. Haas ist Bischof von Malta, aber nicht der katholischen Kirche, sondern der „Anglican Catholic Diocese of Christ the Redeemer“, der Anglikanischen Katholischen Kirche von Christus dem Erlöser, was in seiner Ungewöhnlichkeit auch dem entspricht, was er in seiner Predigt sagen wird.

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist mittlerweile 8.20 Uhr und rund drei Dutzend AfD-Mitglieder haben sich in einen Konferenzraum oberhalb der Messehalle zurückgezogen, um einen Gottesdienst zu feiern. Nach dem gemeinsamen Aufsagen des Glaubensbekenntnisses betont Haas seine Unabhängigkeit: „Ich gehöre keiner Partei an, ich bin gestern aus Malta gekommen und ausschließlich dem Evangelium verpflichtet.“ Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner, der den Koran einst mit Adolf Hitlers „Mein Kampf“ verglichen hatte, sagt laut in die Stille des Raums: „Amen.“ Doch Haas ist noch nicht fertig. „Ich beobachte sehr interessiert die politische Szene und bin entsetzt, wie eine Marginalisierung derjenigen stattfindet, die nicht dem Mainstream entsprechen.“ Viele Köpfe im Raum nicken. Ein Mann trägt eine rote Jacke auf deren Hinterseite die Worte „Jesus sagt: Ich bin der Weg“ gedruckt sind. Jesus, da ist Haas sicher, steht auf der Seite der AfD.

          Zu Beginn seiner Predigt liest er die Präambel des Grundgesetzes vor, in dem von der „Verantwortung“ des deutschen Volkes „vor Gott und den Menschen“ die Rede ist. Haas senkt das Kinn und öffnet die Augen weit. Er will auf etwas hinaus. „Von welchem Gott wird denn hier gesprochen? Natürlich von dem dreifaltigen Gott!“, sagt er. Es ist ganz still im Raum, die AfD-Mitglieder lauschen aufmerksam. „Es gibt, wenn man dem Grundgesetz verpflichtet ist, keinen anderen Weg, als sich zum Christentum zu bekennen“, sagt Haas – offenbar in vollem Bewusstsein, dass er gerade die Trennung von Staat und Religion abgelehnt und sämtliche Anhänger anderer Religionen zu Verfassungsfeinden erklärt hat. In der letzten Stuhlreihe sagt einer: „So sieht‘s aus!“

          Nach dem Vaterunser ist noch Zeit für freie Gebete. „Gott, hilf uns, die Gender-Ideologie, die dämonischen Ursprungs ist, von unserem Volk fernzuhalten“, sagt einer. Die Gläubigen antworten: „Amen.“ Ein anderer sagt: „Gott, hilf uns, das Thema Lebensrecht in unserem Programm zu verankern, auch wenn wir in der Minderheit sind.“ Die anderen: „Amen.“ Zum Abschluss noch ein Lied. Dann erst beginnt der zweite Tag des Programmparteitags der AfD, wobei manchem Mitglied an diesem Sonntagmorgen eine gewisse Müdigkeit anzumerken ist.

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