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AfD-Chef unter Druck : Ein Stuntman namens Meuthen

  • -Aktualisiert am

Meuthen am Samstag bei einem AfD-Konvent in Sachsen Bild: dpa

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen erlebt ein Desaster für seine Karriere. Der Partei aber werden die Querelen nicht schaden. Sie lebt von solchen Spektakeln.

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          Die AfD lebt vom Drama. Bei ihrer Gründung hatte die Partei nichts. Sie hatte kein Geld, keinen Apparat, nur die Chuzpe ihrer Mitglieder, ein Spektakel zu veranstalten. Also legten die Mitglieder los, sprachen in jedes Mikrofon, über Ausländer, über Asylbewerber, über Merkel. Sie tänzelten auf der Linie des Erlaubten, stolperten von Skandal zu Skandal und droschen ohne Hemmung auf sogenannte Parteifreunde ein. Die Lage glich einem Verkehrsunfall auf der Gegenspur: Man schaute beinahe zwanghaft hin. Es war nicht gut, was mit der AfD passierte, aber es passierte etwas. Bis heute funktionieren ihre Politiker wie Stuntmen in den amerikanischen „Jackass“-Filmen. Sie brechen sich vor laufender Kamera die Knochen und erreichen damit ein Millionenpublikum. Ihr eigener Schaden ist ihr Geschäftsmodell.

          Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen ist dabei, Folge 354 dieser Seifenoper aufzuführen. Das bedeutet nicht, dass seine Karambolage geschauspielert wäre. Meuthen nimmt wirklich Schaden. Am Freitag hat das Landgericht Berlin entschieden, dass der Rechtsextreme Andreas Kalbitz vorerst wieder Parteimitglied sein darf. Das ist eine Blamage für Meuthen, der stets getönt hatte, der von ihm veranlasste Rauswurf von Kalbitz sei völlig rechtssicher. Es ist auch ein Desaster für seine Karriere. Meuthen hätte für den Bundestag kandidieren können, möglicherweise als Spitzenkandidat. Indem er einen Rechtsstreit produziert, der die Partei bis in den Wahlkampf beschäftigen wird, hat er seine Chancen nicht erhöht. Vielleicht will Alexander Gauland ihn jetzt stürzen. Der Rechtsextreme Björn Höcke träumt von einem Mitgliederentscheid, um Meuthen zu verjagen. Die Episode könnte als großes Unglück für die AfD bezeichnet werden, aber das ist es ja gerade: Ein Unglück ist keine Bedrohung für ihr Geschäftsmodell.

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