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Parteitag der AfD : Luckes wackeliger Sieg

In welche Richtung steuert die AfD? Bernd Lucke und Frauke Petry beim Bundesparteitag in Bremen Bild: Daniel Pilar

Die AfD wird bald nur noch einen Vorsitzenden haben. So hat es Bernd Lucke in Bremen durchgesetzt. Doch die Konflikte um die Führung gehen weiter.

          Als Bernd Lucke den größten Parteitag in der deutschen Nachkriegsgeschichte eröffnet, brandet der Beifall auf, bevor Lucke nur ein Wort gesagt hat. Ganz Deutschland schaue nach Bremen, sagt der beurlaubte Wirtschaftsprofessor und spricht artige Grußworte. Lucke hat eine schwierige Mission vor sich. Er will dem Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) eine Satzung schmackhaft machen, die ihm eine Zukunft als alleiniger Parteichef sichert. Zugleich soll das Treffen von 1645 Mitgliedern, die in zwei über Leinwand verbundenen Sälen tagen, nicht in Streit und Chaos versinken.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Nach Lucke ergreift Konrad Adam das Wort, ehemaliger Journalist und formal noch gleichberechtigter Vorsitzender. Man wolle den Altparteien hier den Marsch blasen, koffert er los. Der Kettenhund der Altparteien sei „die Antifa“, die linken Autonomen, die in Bremen gegen die AfD protestieren – schon vor Beginn des Parteitags sind Farbbeutel gegen das Congress Centrum geworfen worden, in dem der eine Teil des Mitglieder versammelt ist, während der andere im 1300 Meter entfernten Musical-Theater sitzt.

          Am Samstag ziehen nach Polizeiangaben rund 3700 Demonstranten durch die Bremer Innenstadt. „Unsere Gegner haben keine Argumente, sie greifen zu Eiern, Steinen und Flaschen, von denen haben sie ja genug“, sagt Adam. Beifall und Gejohle im Saal. Bürgerlich, anständig und immer sachlich argumentierend, so möchte Lucke die AfD vorzeigen. Konfrontativ, frech und mit markigen Sprüchen wollen es seine Gegenspieler tun.

          Die politische Volkshochschulbewegung

          Lucke hat vier wissenschaftliche Vorträge in das Programm des Parteitags aufgenommen, damit über Inhalte geredet wird. Viele Mitglieder hatten darauf vor der Veranstaltung keine Lust. Als in den vergangenen Wochen eine Umfrage im Internet unter den Mitgliedern darauf hinaus lief, die Vorträge kurzerhand aus dem Programm zu kippen, wurde sie abgebrochen.

          Man habe die Sache schlecht erklärt, deshalb sei eine Wiederholung notwendig gewesen, sagt Lucke auf dem Parteitag. In der zweiten Umfrage-Runde waren 68 Prozent der Mitglieder dafür. So hören die Mitglieder nun also anspruchsvolle Vorträge über die demographische Entwicklung, die Probleme der Sozialversicherungen oder die Versäumnisse der Familienpolitik. Mancher verlässt da lieber den Saal, sagt „Kinder muss man machen, nicht darüber reden“. Doch die große Mehrheit bleibt und hört zu, viele schreiben interessiert mit.

          Die AfD schafft es so zumindest über Stunden, sich als seriöseste Partei Deutschlands zu präsentieren, als große Volkshochschulbewegung. Die „eingefrorene Diskussionskultur“ der etablierten Parteien, wie sie die dritte Parteivorsitzende Frauke Petry beschreibt, ist allerdings nicht die Sache der „noch kleinen Volkspartei“.

          AfD macht Kompetenz-Ranking

          Schon am Freitagabend versuchen „Rebellen“, das Ruder an sich zu reißen. Das Parteitagspräsidium wird, nachdem es schon gewählt ist, mehrfach aufgefordert, wegen Unfähigkeit abzutreten. Der Versammlungsleiter, der Europaabgeordnete Bernd Kölmel, verwarnt mehrfach Redner, die unzulässige Anträge stellen. Im Saal steigt der Unmut über die Querulanten, unter einer lebendigen Streitkultur verstehen die meisten etwas anderes. Nach einer Stunde wird der Antrag gestellt, alle 45 Änderungsanträge zur Tagesordnung abzuschmettern. Die Mehrheit stimmt mit grünen Stimmzetteln dafür, doch die Minderheit verlangt eine elektronische Abstimmung.

          Als Testlauf, dass die Abstimmungsgeräte funktionieren, wird den Mitgliedern die Frage gestellt: Welches ist das inkompetenteste Mitglied der Bundesregierung? 15 Personen stehen zur Auswahl. Die Abstimmung gewinnt Angela Merkel mit deutlichem Abstand. Mehr als 24 Prozent votieren für die Kanzlerin, Sigmar Gabriel erhält nur 4,9 Prozent. Und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU ist in den Augen der AfD das kompetenteste Kabinettsmitglied. Zumindest halten ihn nur 0,2 Prozent für den inkompetentesten.

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