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AfD-Chef in Thüringen : Höcke bricht Interview ab

  • Aktualisiert am

Björn Höcke kann sich vorstellen, eine „interessante persönliche, politische Person in diesem Land“ zu werden. Bild: dpa

Bei einem ZDF-Interview wird der thüringische AfD-Chef Höcke zu seinem Sprachgebrauch befragt. Der ist mit dem Verlauf nicht einverstanden und will das Gespräch neu beginnen – und spricht eine Drohung aus.

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          Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke hat ein ZDF-Interview abgebrochen, in dem es um seinen Sprachgebrauch und NS-Begriffe ging. „Wir beenden das Interview“, sagte Höcke in dem am Sonntagabend in der Sendung „Berlin Direkt“ ausgestrahlten Interview, das bereits am Mittwoch geführt wurde.

          Zuvor waren Höcke im Rahmen des Interviews Aussagen von Parteikollegen gezeigt worden. Diesen hatte der Redakteur Aussagen von Höcke vorgelegt und sie gefragt: „Ist das aus ’Mein Kampf’ oder von Herrn Höcke?“ Bei einem Beispiel antwortete der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier: „Wenn, eher aus ’Mein Kampf’ würde ich sagen, aber nicht von Herrn Höcke.“

          Dass die eigenen Parteikollegen den Sprachduktus des thüringischen AfD-Chefs nicht von dem Adolf Hitlers unterscheiden können, schien Höcke nicht zu überzeugen. Er sagte in dem Interview: „Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was eine NS-Diktion, was NS-Sprache ist.“ Kritiker, die ihm eine sprachliche Nähe zum Nationalsozialismus vorwerfen, seien „Stellenmarkierer“. Diese wollten „kontaminieren, was angeblich nicht mehr sagbar ist“, fügte Höcke hinzu.

          „Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat“

          Höckes Sprecher stellte wegen der unliebsamen Fragen die Forderung, das Interview zu wiederholen – wohl mit dem Ziel, bereits getätigte Aussagen wieder zurückzuziehen: „Ich würde sagen, das sollten wir einfach wiederholen. Das geht so nicht. Das geht so nicht. Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben. Diese Emotionen, glaube ich, sollte man so nicht im Fernsehen bringen.“ Höcke war nach eigenen Aussagen davon ausgegangen, dass es in erster Linie um den Landtagswahlkampf gehen würde. Das ZDF betont, dass es laut Absprache nicht um Thüringen, sondern die bundespolitische Bedeutung Höckes gehen sollte.

          Eine Wiederholung des Interviews lehnte der zuständige Redakteur jedenfalls ab. In diesem Zusammenhang sprach Höcke eine unmissverständliche Drohung aus: „Passen Sie auf, dann haben wir ein manifestes Problem und dann wird das entsprechende Konsequenzen haben. Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat.“

          Für die Zukunft könne sich Höcke nach eigener Aussage vorstellen, eine „interessante persönliche, politische Person in diesem Land“ zu werden. „Könnte doch sein.“ Für diesen Fall hat er eine weitere Drohung für den ZDF-Redakteur parat: „Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird.“

          Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch in Erfurt geführt. Das ZDF hat das komplette Interview und den Wortlaut online gestellt.

          Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, reagiert in einer Pressemitteilung mit klaren Worten auf den Eklat. „Björn Höcke hat ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im besonderen aufgeschlagen.“ Es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinn weichzuspülen. „Der Abbruch des Gesprächs durch den Interviewten zeigt, dass er auf kritische Fragen keine intelligenten Antworten hat.“ Überall schlussfolgert: „Herr Höcke hat die Schwelle von der Demokratie zu faschistischen Fantasien überschritten.“

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