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Ziele nicht erreicht : Die AfD bleibt bei den Landratswahlen in Sachsen erfolglos

  • -Aktualisiert am

„Jetzt in der zweiten Runde noch die Nase nach vorn zu kriegen, wird nicht leicht“: Jörg Urban, Vorsitzender der AfD in Sachsen Bild: dpa

Die AfD kann abermals nicht punkten, die CDU wird in Sachsens Landkreisen stärkste Kraft. Erstmals jedoch könnte ein parteiloser Bewerber Landrat werden.

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          Mit gelöster Miene trat Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks am Montag vor die Medien in Dresden. Nach den Landrats- und Bürgermeisterwahlen am Sonntag ist die Union, die seit 1990 stets alle Landräte im Freistaat stellte, in keiner schlechten Ausgangsposition. Drei ihrer neun Landratskandidaten gewannen im ersten Wahlgang, vor sieben Jahren hatten das gleichwohl noch alle CDU-Kandidaten geschafft. „Für den zweiten Wahlgang sehen wir sehr, sehr gute Chancen“, sagte Dierks. Für einen Wahlkreis trifft das allerdings nicht zu.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          In Mittelsachsen, einem ländlich geprägten Großkreis, in dem die AfD einen als moderat geltenden Ingenieur aufgestellt und sich ihren deutschlandweit ersten Landrat erhofft hatte, holte der parteilose Dirk Neubauer, den Grüne, SPD und Linke unterstützen, mit gut 41 Prozent die meisten Stimmen. Sein CDU-Konkurrent erhielt 30, der AfD-Bewerber 28,7 Prozent. Vier Jahre zuvor war die CDU hier noch mit 65 Prozent durchmarschiert. Nun gebe es die Chance, „die CDU-Phalanx zu brechen“, sagte Neubauer, der sein Ergebnis kaum fassen konnte.

          Protest gegen Berlin ist leichter

          Weit weniger euphorisch zeigte sich zwangsläufig Sachsens AfD-Vorsitzender Jörg Urban. „Wir haben unser Ziel, Deutschlands ersten AfD-Landrat zu stellen, nicht erreicht“, sagte er. „Jetzt in der zweiten Runde noch die Nase nach vorn zu kriegen, wird nicht leicht.“ Ihr bestes Ergebnis erzielte die Partei im Landkreis Görlitz, wo ihr Kandidat 35,5 Prozent erreichte, damit jedoch knapp elf Prozentpunkte hinter dem CDU-Bewerber landete.

          Erleichtert: Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks
          Erleichtert: Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks : Bild: dpa

          Zwar konnte die AfD nach wie vor im Durchschnitt knapp ein Viertel aller Stimmen auf sich vereinen, doch reichte das, anders als noch bei der Bundestagswahl im September, wo sie fast alle Wahlkreise gewann, nicht zum Sieg. Abermals zeigt sich ein bereits bei vergangenen Wahlen zu beobachtender Effekt: Geht es um Brüssel oder Berlin, lässt sich Protest leichter adressieren als bei einem Kandidaten vor der eigenen Haustür. Den schlechten Ruf, den ein Landkreis oder eine Gemeinde mit einem AfD-Repräsentanten wohl hätten, scheuen offenbar viele.

          „In der Kommunalpolitik gerät der Populismus an Grenzen“, sagt CDU-Mann Dierks. „Wenn es um konkrete Dinge vor Ort geht, erringen diejenigen Vertrauen, die konstruktiv Politik machen, mit einem zuversichtlichen Ansatz, und nicht jene, die alles in Grund und Boden reden.“ AfD-Chef Urban sieht die Hauptursachen dagegen in der Wahlbeteiligung – nicht mal die Hälfte aller Wahlberechtigten ging am Sonntag zur Abstimmung – sowie in der zu geringen Bekanntheit der eigenen Bewerber, da Landrats- und Bürgermeisterwahlen eher Abstimmungen über Personen als über Parteien seien. „Wir müssen jetzt intern auswerten, warum unsere Personen nicht so durchzünden.“

          Das galt auch dem AfD-Bewerber um das Oberbürgermeisteramt in Dresden, Maximilian Krah, der mit 14,2 Prozent Platz 4 belegte. In der Landeshauptstadt gewann Amtsinhaber Dirk Hilbert, der von FDP und CDU unterstützt wird, zwar mit 32,5 Prozent deutlich den ersten Wahlgang vor den Grünen (18,9) und der SPD (15,2). Doch gibt es beim zweiten Wahlgang Mitte Juli erstmals seit 1990 eine realistische Chance auf einen Oberbürgermeister jenseits von CDU und FDP: Grüne, Linke und SPD, die gemeinsam rund 45 Prozent der Stimmen holten, haben angekündigt, dann die Bewerberin der Grünen, Eva Jähnigen, zu unterstützen.

          In Sachsen gibt es, wie in Baden-Württemberg, keine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten, im zweiten Wahlgang kann jeder Bewerber noch einmal antreten. Mit Spannung wird deshalb erwartet, wie sich AfD-Mann Krah entscheidet. Sollte er im Rennen bleiben, stehen die Chancen für eine künftig grüne Oberbürgermeisterin gut, sollte er zurückziehen, könnte Amtsinhaber Hilbert im Vorteil sein.

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