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Tweet nach Amoklauf in Münster : Schneller als die AfD erlaubt

„Wir schaffen das“, twitterte Beatrix von Storch (AfD) am Samstag unmittelbar nach der Amokfahrt von Münster und löste damit Empörung aus Bild: dpa

Mit einem Tweet stellte die AfD-Politikerin Beatrix von Storch fälschlicherweise eine Verbindung zwischen der Amokfahrt von Münster und der Flüchtlingspolitik her. Dafür wird sie sich wohl im Bundesvorstand ihrer Partei rechtfertigen müssen.

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          Zwischen einer Anschlagsmeldung und einer Schuldzuschreibung liegen bei Beatrix von Storch manchmal nur 13 Minuten. Um 16:26 Uhr vermeldete eine Nachrichtenagentur am Samstag, dass in Münster ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren sei. Ohne die Herkunft oder das Motiv des Täters zu kennen, schrieb Storch um 16:39 Uhr auf Twitter den Satz: „Wir schaffen das!“ Das sollte wohl heißen: Der Anschlag steht in Verbindung mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, ein Fehlurteil, das all jene vermieden, die abwarteten, bis der Täter identifiziert war. Als dieser sich als Deutscher erwies, schlug Storch dennoch einen Bogen zum Islam. Der Täter sei einfach ein „Nachahmer islamischen Terrors“. Ihre Kritiker verhöhnte sie als „Verharmlosungs- und Islam-ist-Viefaltsapologeten“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Von Parteifreunden wird Storch als jemand beschrieben, der im Internet gerne die Dinge raushaut. Ohne Zögern, ohne Zweifel. „Die Intensität der hysterischen Reaktionen auf meinen Tweet“, sagte Storch dieser Zeitung am Montag, seien eine „panikartige Ablenkungsreaktion von der Tatsache, dass es in Deutschland inzwischen rund 1560 ,Gefährder‘ oder ,relevante Personen‘ gibt.“ Diese seien „tickende Zeitbomben“ – „das ist hier der Skandal“. Und nicht ihr Tweet. Wieder: kein Zögern, kein Zweifel.

          Nicht allen in der AfD gefällt das. Am kommenden Freitag wird sich Storch nach Informationen dieser Zeitung im Bundesvorstand ihrer Partei rechtfertigen müssen. Der Vorwurf lautet, Storch habe der Partei geschadet, indem sie der Konkurrenz einen Punktsieg ermöglichte. So wurde Storch von CSU-Generalsekretär Markus Blume zum Rücktritt aufgefordert, von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) als „unverantwortlich“ gescholten und von der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer wurde die AfD-Führung gefragt, wie sie so jemanden wie Storch in ihren Reihen dulden könne.

          „Ich bin kein Freund von Schnellschüssen in solchen Fällen“, sagte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen dieser Zeitung. „Die Gefahr ist, dass man so nachvollziehbaren und vermeidbaren Zorn auf sich zieht.“ Möglicherweise könnte Storch ihre Schnelligkeit auch auf andere Weise zum Verhängnis werden. Am Montag gratulierten die AfD-Vorsitzenden dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zur Wiederwahl. Zitiert wurde von einer Zeitung aber Beatrix von Storch. Sie war wieder flinker gewesen. Noch ein Schnellschuss, der registriert wurde. Nur diesmal zulasten derer, die den anderen Schnellschuss zu bewerten haben.

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