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Ärzte, Apotheken, Grenzgebiete : Was beim Impfgipfel beschlossen wurde

Die Hausärztin Birgitt Luca verabreicht ihrer Patientin in Naila die erste Impfung gegen Covid-19. Bild: dpa

Ab April sollen die Hausärzte in die Impfkampagne eingebunden werden, und es wird mehr Impfstoff an die Grenzen geliefert. Dazu bekommen die Apotheken eine entscheidende Rolle. Die Beschlüsse im Überblick.

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          Ausgerechnet der Kontaktkiller Corona bringt sie so häufig zusammen wie selten zuvor, wenn auch virtuell: Am Freitagnachmittag trafen sich die Regierungschefs der Bundesländer mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum „Impfgipfel“ per Telefonschalte. Am Montag soll es dann mit der Ministerpräsidentenkonferenz weitergehen. Dort will man über den Lockdown sprechen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Das Impftreffen war verschoben worden, weil Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Anraten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) die Verabreichung des Präparats von Astra-Zeneca vorübergehend ausgesetzt hatte. Grund dafür war eine Häufung von Blutgerinnseln in den Gehirnen einiger Geimpfter. Seit Freitag wird aber wieder mit Astra-Zeneca geimpft, nachdem die Europäische Arzneimittelbehörde Ema am Donnerstag den Nutzen des Impfstoffs höher eingeschätzt hatte als die Risiken. Daraufhin kündigten das PEI und Spahn an, die Impfkampagne fortzusetzen. Für die Ärzteschaft hat das Institut am Freitag entsprechende Handreichungen veröffentlicht.

          Für die Impflinge hatten Spahn und die Gesundheitsminister der Länder zuvor beschlossen, die Aufklärungsbögen mit Warnhinweisen zu versehen – notfalls handschriftlich. Aus den Kommunen kamen Meldungen, dass die Impfzentren die Injektionen mit Astra-Zeneca am Freitag tatsächlich wiederaufgenommen hatten. Die verabredeten Termine würden eingehalten. Die ausgesetzten Impfungen seien zwischen Montag und Donnerstag zumeist durch andere Vakzinen ersetzt worden. Wo es sich um Zweitimpfungen mit Astra-Zeneca handelte, würden diese jetzt nachgeholt.

          Nachdem dieser Teil der Dauerbaustelle Astra-Zeneca erst einmal abgeschlossen scheint, wollen sich die Verantwortlichen beim Impfen auf zweierlei konzentrieren: auf die Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte in die Kampagne und die Lage in den Grenzregionen im Westen und Osten, wo die Infektionsrate besonders hoch ist. Der Impfgipfel beschloss am Freitag, die Hausärzte schon vom 5. April an miteinzubeziehen, also ab Ostermontag, und damit zwei Wochen früher als zunächst anvisiert.

          Dem stand bisher im Wege, dass es zu wenig Impfstoff gab, Anfang April wären es regulär drei Millionen Dosen in der Woche. Davon haben sich die Länder für ihre Impfzentren aber bereits 2,25 Millionen gesichert. Der Rest reicht nicht aus, um flächendeckend die Praxen zu versorgen. Zur Entschärfung dieser Situation sieht der Beschluss nun vor, einen Teil der erwarteten zusätzlichen Liefermengen des Herstellers Biontech/Pfizer in den Praxen zu nutzen, genauer gesagt 250.000 von 580.000 Dosen.

          20 Termine in der Woche

          Damit könnte man zwar nicht überall, jederzeit und jedermann impfen, aber immerhin in jeder der 50.000 Praxen etwa 20 mal in der Woche; zusammen sind das eine Million Einheiten. Die Ärzte sollen dazu gezielt die besonders „vulnerablen“ Patienten einladen. Sobald die Vakzinmengen zunehmen, werden auch Fach- und Betriebsärzte herangezogen.

          Die Priorisierung gilt auch in den Praxen als „Grundlage, die flexibel anzuwenden ist“. Das ist ein Kompromiss, um Bayern entgegenzukommen, das die Priorisierung zunächst nur als „Empfehlung“ verstanden haben wollte. Bei der Vorstellung der Ergebnisse sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mittels dieser Regelung sei es zum Beispiel einfacher, nicht genutzte Dosen am Abend flexibel weiterzuverimpfen.

          Der Impfstoff soll ab April über den Großhandel und die Apotheken den Weg in die Arztpraxen finden. Laut dem Beschluss können einzelne Länder gegenüber dem Gesundheitsministerium aber bis Montag ein sogenanntes „Opt-out“ erklären, wenn sie das nicht wollen.

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