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Corona-Ansteckung : Was Sie über Aerosole wissen müssen

Unbedingt querlüften: Klassenzimmer in Düsseldorf Bild: dpa

Ein Drittel der Deutschen kennt auch im zweiten Corona-Jahr nicht die Ansteckungsgefahr durch Aerosole. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat nun alle Fakten zusammengestellt.

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          Nur etwa 70 Prozent der Deutschen wissen ausreichend über die Ansteckungsgefahr durch infektiöse Aerosole Bescheid. Angesichts dieses Befundes und einer erlahmenden Impfbereitschaft hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am Dienstag ein interdisziplinäres Positionspapier veröffentlicht, das eine Kombination von Schutzmaßnahmen vorschlägt, um der vierten Welle vorzubeugen. Unterschieden wird darin zwischen direkten und indirekten Infektionen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die direkte Infektion meint eine Übertragung durch Aerosolpartikel beim Atmen, Sprechen, Husten und Niesen in großer Zahl bei geringem Abstand. Mit indirekten Infektionen sind Übertragungen durch infektiöse Aerosolpartikel in damit über mehrere Stunden angereicherten Innenräumen gemeint. Außerhalb geschlossener Räume im Freien könne es nur zu einer direkten Infektion kommen, da indirekte Übertragungen durch eine starke Verdünnung der Virenlast unwahrscheinlich seien.

          Gefahr von „Superspreaderevents“

          In Innenräumen dagegen finden direkte und indirekte Infektionen statt. Direkte Infektionen werden begünstigt, wenn Menschen über kurze Zeit länger miteinander sprechen, ohne sich zu bewegen (an Kassen, Hotelrezeptionen, beim Friseur, im Büro, in der Schule oder im Restaurant). Indirekte Infektionen finden bei langer Verweildauer in einem Raum statt: in der Schule, in der Kita, im Restaurant, Büro, in Geschäften oder im öffentlichen Nahverkehr, sofern der Raum nicht ausreichend belüftet ist und ein Luftaustausch stattfindet. In schlecht belüfteten Innenräumen kann auch dann eine Ansteckung stattfinden, wenn sich vorher eine infektiöse Person länger aufgehalten hat.

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          Daher könne es in Innenräumen zu Clusterinfektionen oder „Superspreading Events“ kommen wie in Altenheimen, Wohnheimen, Betreuungseinrichtungen, Sammelunterkünften, Schulen oder Aufzügen. Auch bei einer starken Atemaktivität wie bei Chor- und Orchesterproben, schwerer körperlicher Arbeit und Sport im Fitnessstudio steige das Risiko einer indirekten Infektion, heißt es in dem Positionspapier, an dem Aerosolforscher, Immunologen, Aerodynamiker, Infektiologen, Virologen und Gesundheitsforscher mitgewirkt haben.

          Masken müssen dicht sitzen

          Gegen indirekte Infektionsgefahr in Räumen empfehlen die Forscher, einen möglichst kurzen Aufenthalt. Bei unvermeidlicher längerer Verweildauer muss der Luftwechsel durch Querlüften, feste oder mobile raumlufttechnische Anlagen gewährleistet sein. Sie müssen mit maximalem Volumenstrom und möglichst mit 100 Prozent Außenluft betrieben werden. Aber auch die beste Raumlüftung kann keinen Schutz vor direkten Infektionen bieten. Raumluftreiniger seien deshalb kein „Ersatz für Masken jeglicher Art“. Die Forscher empfehlen deshalb zusätzlich das Tragen partikelfilternder Masken, also FFP2 (KN95, N95). Sie weisen eigens darauf hin, dass die Maske dicht sitzen muss.

          Einfache OP-Masken oder Mund-Nasen-Bedeckungen bieten „keinen Selbstschutz vor indirekten Infektionen, weil die Aerosolpartikel am Maskenrand ungehindert ein- und ausströmen“, heißt es im Papier. Solche Masken böten nur einen gewissen Fremdschutz vor direkten Infektionen, weil die schnelle Aerosolausbreitung nach vorne behindert werde. Für alle Zusammenkünfte in Innenräumen – auch für Schulen und Universitäten – müsste deshalb weiterhin an der Pflicht zum Tragen medizinischer Masken festgehalten werden. Um direkte Infektionen im Freien zu vermeiden gilt es nach Auffassung der DFG, mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen zu halten und an der Bushaltestelle, in der Warteschlange, bei Open-Air-Veranstaltung, sowie Demonstrationen eine Maske zu tragen. Das muss keine medizinische sein, hier reicht auch ein einfacher OP-Mundschutz. Entscheidend ist, dass verschiedene Schutzmaßnahmen sinnvoll kombiniert werden.

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