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Machtkampf : AfD-Spitze vereinbart Krisensitzung

  • Aktualisiert am

Im AfD-Vorstand weiß Bernd Lucke zumindest Hans-Olaf Henkel an seiner Seite Bild: dpa

Die AfD-Führung hat in einer Telefonkonferenz vereinbart, sich noch vor dem Parteitag Ende Januar zu einer Krisensitzung zu treffen. Damit soll der offen ausgebrochene Machtkampf beendet werden.

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          Die AfD-Spitze will in einer Krisensitzung den offen ausgebrochenen Machtkampf beenden und einen Burgfrieden bis zum Parteitag Ende Januar schließen. Bei einer Telefonkonferenz hätten sich die drei Parteichefs Bernd Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam sowie der stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland am Montag darauf verständigt, zeitnah zu einem klärenden Gespräch zusammenzukommen, hieß es in Parteikreisen. Auf persönliche Angriffe solle künftig verzichtet werden. Parteisprecher Christian Lüth bestätigte, dass ein Treffen der Parteispitze geplant sei. „Man spricht wieder vernünftig miteinander“, sagte der Sprecher.

          In der Parteispitze hieß es weiter, Lucke habe ein mögliches Einlenken bei der Frage nach der Struktur des künftigen Vorstandes signalisiert. Bislang strebt Lucke an, dass die AfD künftig durch einen Parteichef - ihn selbst - anstatt des derzeitigen Führungstrios geleitet wird. Dies lehnen unter anderem Petry und Adam ab. „Er hat gesagt, er geht völlig offen in die Gespräche rein, und er verschließt sich nicht“, sagte nun ein Mitglied der Parteispitze nach der Telefonkonferenz. Lucke selbst möchte zu internen Streitigkeiten bislang nicht Stellung nehmen. Eine endgültige Entscheidung über die künftige Führungsstruktur der AfD soll Ende Januar beim Parteitag in Bremen fallen.

          Konrad Adam hofft auf einen Kompromiss

          Der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte in Interviews gesagt, dass der erbitterte Machtkampf innerhalb der AfD-Führung eine brisante Stimmung in der Partei verursache. „Wir sind als neue Partei an dem Punkt, den man bei der Weinzubereitung Sauser-Stadium nennt. Das ist riskant, das kann das Fass auseinanderreißen“, sagte Adam den Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“

          Gegenüber der „Tageszeitung“ schloss Adam aber aus, dass die Partei auseinanderfällt. Zum eskalierten Konflikt sagte der Konservative, er „bedauere, dass verschiedene Leute einen Beitrag geleistet haben, mich selbst eingeschlossen“. Eine Spaltung der AfD drohe aber „ganz gewiss nicht“.

          Adam hofft auf Kompromiss

          Der Machtkampf konzentriert sich auf den Versuch von Bernd Lucke, alleiniger Vorsitzender der eurokritischen Alternative für Deutschland zu werden. Das versuchen dessen gleichberechtigte Ko-Vorsitzende Adam und Frauke Petry aus Sachsen zu verhindern. In einem Schreiben an Lucke beschwerten sich Petry, Adam und andere Unterzeichner über Luckes Führungsstil „nach Gutsherrenart“ sowie dessen Versuche, Parteifreunde „auf Linie zu bringen“.

          Adam sagte, Lucke habe den mit Abstand größten Beitrag zum Aufbau der Partei geleistet. „Ich hoffe, dass die Partei auf dem Parteitag einen Kompromiss in der Führungsfrage findet“, so Adam gegenüber der Zeitung „Die Welt“.

          Abdriften nach rechts

          Auch Frauke Petry hält eine Zusammenarbeit mit Lucke weiter für möglich. Petry sagte der „Saarbrücker Zeitung“, sie hoffe, dass Lucke er weiterhin dabei sei. „Das möchte ich. Ich wünsche mir umgekehrt, dass er auch diejenigen, die die Partei ebenso mitgeprägt haben, mehr respektiert.“ Lucke neige mehr als andere dazu, Dinge persönlich zu nehmen. „Ich fände es gut, wenn er die Sache entspannter sehen würde.“

          Liberale AfD-Mitglieder befürchten, dass die Partei ohne Lucke weiter nach rechts abdriften könnte. Das zeichne sich vor allem in Ostdeutschland ab. So war der Brandenburger AfD-Landesvorsitzende Alexander Gauland am Rande einer Demonstration der Anti-Islam-Bewegung Pegida in Dresden aufgetreten Petry, Fraktionsvorsitzende der AfD im sächsischen Landtag, hat für Mittwoch die Pegida-Organisatoren zu einem Gedankenaustausch in ihr Büro im Dresdner Landtag eingeladen.

          Der stellvertretende Bundesvorsitzende, Brandenburgs Landeschef Alexander Gauland, glaubt nicht an einen Rücktritt Luckes im Zuge des Machtkampfes in der rechtskonservativen Partei. „Das sind so Drohgebärden, von denen ich gar nicht viel halte - wir alle halten nicht viel davon. Wir wollen ja mit ihm weiterarbeiten“, sagte Gauland am Montag im ZDF-“Morgenmagazin“.

          „Wir halten es für falsch, dass Bernd Lucke die Spitze verengen will, während wir die Themen an der Basis verbreitert haben“, sagte Gauland, der zu den Unterzeichnern des Schreibens gehört. Auf die Aufforderung zum Gespräch in Frankfurt am 18. Januar habe Lucke noch nicht reagiert. „Mir hat er noch nicht geantwortet, den anderen Kollegen auch nicht“, sagte Gauland.

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