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ADAC : Die magischen 19 Millionen

Ein einflussreicher Verein: Im Jahr 2012 erzielte der ADAC Gesamterträge von 1,03 Milliarden Euro Bild: dpa

Der ADAC tut so, als sei er die Stimme von einem Drittel aller deutschen Wähler. Darauf gründet sein politischer Einfluss. Genaugenommen vertritt er aber nur sich selbst.

          Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ist der gelbe Engel. Er hat den Ruf, Helfer in der Not zu sein. Und seriös. Das sagen selbst Politiker von SPD oder Grünen, die dem ADAC von Natur aus nicht gerade nahestehen. Seit fast zwei Wochen aber weht dem Verein der Wind ins Gesicht. Da kam heraus, dass der Club die Abstimmungsergebnisse für das „Lieblingsauto der Deutschen“ geschönt hat. Monatelang hatte er vor allem in der Zeitschrift „ADAC Motorwelt“ seine fast 19 Millionen Mitglieder aufgerufen, an der Wahl teilzunehmen. Das ging ganz einfach: entweder ein Kreuz auf einem Coupon machen und mit der Post schicken oder ein paar Klicks im Internet. Nur taten das kaum Mitglieder. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ reichten dem Golf in diesem Jahr 3409 Stimmen, um den „Auto-Oscar“ zu bekommen. 3409 Stimmen von 19 Millionen. Massenmobilisierung sieht anders aus.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Der Kommunikationschef Michael Ramstetter, gleichzeitig Chefredakteur der „Motorwelt“, machte daraufhin aus den wenigen Stimmen ein paar mehr. In früheren Jahren hatte er das auch schon praktiziert. So wurden aus 3409 sage und schreibe 34299. Angeblich bekam es im ADAC keiner mit – nicht das einzige Anzeichen dafür, dass in der Münchner Zentrale nicht alles so läuft, wie es laufen sollte.

          „Der ADAC ist sich seiner Macht sicherlich sehr bewusst“

          Dass Ramstetter, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe für den Präsidenten und den Geschäftsführer tagelang nicht greifbar war, bei der Fälschung schön proportional vorging, zeigt: Es ging nicht um die Bevorzugung einer Marke, sondern um die schiere Masse – die Grundlage für die Macht des Clubs. Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, sagt: „Warum hat der ADAC die Zahlen frisiert? Um nicht zugeben zu müssen, dass er weit weniger Rückhalt hat, als es scheint.“

          Die magischen 19 Millionen. Gerade im Gespräch mit Politikern erwähnen ADAC-Vertreter sie gerne mit dem Hinweis garniert, dass sich die Mitglieder in der Regel im wahlfähigen Alter befänden. Steffen Bilger, für die CDU im Verkehrsausschuss, sagt: „Der ADAC ist sich seiner Macht sicherlich sehr bewusst. Dass er 19 Millionen Mitglieder hat, wird da öfter durchaus selbstbewusst vorgetragen.“ Noch deutlicher bekam man es vom Club selbst. Bisher jedenfalls. Zitat des „Motorwelt“-Chefredakteurs: „Sie dürfen mir glauben, wenn ich einen Politiker im Blatt haben will, dann bekomme ich ihn. Und wenn ich die Bundeskanzlerin bitte, eine Gastkolumne zu schreiben, dann schreibt sie.“ Die SPD-Verkehrspolitikerin Kirsten Lühmann sagt: „Aufgrund der Mitgliederzahl des ADAC kann es zu einer Selbstkasteiung der Politik kommen, die sich ausmalt, was es bedeuten könnte, sich gegen so viele potentielle Wähler zu stellen.“

          Viele Politiker sitzen allerdings einer Täuschung auf. Denn der Club tut nur so, als handle er im Namen seiner Mitglieder, als gebe es im Verein einen demokratisch verfassten Meinungsbildungsprozess von unten nach oben. Den gibt es nämlich nicht, jedenfalls nicht so, wie man ihn etwa aus Parteien oder Gewerkschaften kennt. In der Selbstbeschreibung des ADAC heißt es zwar: „Ähnlich wie Deutschland ist auch der ADAC demokratisch und föderal aufgebaut.“ Allerdings bringt sich von den 19 Millionen nur ein Bruchteil aktiv ein, und die großen Leitlinien sowie die politische Positionierung – das sagt der Verein selbst – bedürfen der Entscheidung des Präsidiums und des Verwaltungsrats.

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