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ADAC : Die magischen 19 Millionen

„Präsidialbüro“ für die Kontaktpflege

In der zurückliegenden Legislaturperiode gab es mehr als vierzig offizielle Kontakte zwischen ADAC-Vertretern und Ministern beziehungsweise Staatssekretären. Präsident Peter Meyer traf die Kanzlerin mehrmals mit Vertretern der Automobilindustrie beim sogenannten Spitzengespräch Elektromobilität. Auch den damaligen Chef des Kanzleramts, Ronald Pofalla, sprach er, ebenso Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, Gesundheitsminister Rösler sowie Umweltminister Altmaier und natürlich auch Verkehrsminister Ramsauer. Das ist die Kragenweite des Vereins. Unter Ministerebene, so ist im Regierungsviertel zu hören, mache es zumindest Präsident Meyer nicht. Einfache Abgeordnete mussten daher mit dem ADAC-Vizepräsidenten als Gesprächspartner vorliebnehmen.

Um „Kontakte zur Politik und wichtigen Organisationen zu pflegen und auszubauen“, unterhält der ADAC in Berlin ein „Präsidialbüro“. Die ADAC-Veranstaltungen dort sind gut besucht. Anderswo auch. An der Oldtimer-Rallye ADAC Bavaria Historic 2012 nahm Ilse Aigner teil, zu der Preisverleihung des „Gelben Engels“ in den Jahren 2010, 2011 und 2012 kam Ramsauer. Sein Parlamentarischer Staatssekretär Andreas Scheuer, ein Fachmann für Oldtimer, kam 2011 zur Trentino Classic in Riva del Garda und fuhr dabei einen „Vorkriegs-Bentley der Autostadt Wolfsburg“. Der ADAC zitierte ihn mit den Worten: „In der heutigen Zeit ist es ja ein besonderes Privileg, sich für ein paar Stunden Muße zu nehmen. Das Motto ,Genuss braucht Zeit‘ trifft beim ADAC Oldtimer-Wandern vollkommen zu.“ Dass es beim ADAC auch rasanter zugehen kann, weiß man seit dem jüngsten „Stern“-Bericht über die zweckfremden Flüge des ADAC-Präsidenten im Rettungshubschrauber.

Neben den offiziell aufgeführten Kontakten zwischen Politik und ADAC gibt es noch eine Vielzahl inoffizieller Treffen, bei parlamentarischen Abenden zum Beispiel. Was Politiker dort von ADAC-Leuten zu hören bekommen, können sie sich zu eigen machen – aber sie können es auch lassen. Viel wirksamer ist es jedenfalls, wenn der Club mit der Boulevardpresse über Bande spielt und seine Fachleute zur Verfügung stellt, um Kampagnen zumindest den Anschein wissenschaftlicher Durchdringung zu verleihen. Klar ist: Beim ADAC sind Profis am Werk, die die Möglichkeiten des Lobbyismus voll ausschöpfen – im Rahmen des Erlaubten. Die SPD-Verkehrspolitikerin Lühmann sagt: „Der ADAC überschreitet in seiner Lobbyarbeit keine Grenze, er geht nur geschickt vor.“ Dazu gehört auch, dass der Verein in den vergangenen Jahren geschmeidiger geworden ist. Der Präsident mag da noch „total stur“ (Hofreiter) sein: Der ADAC selbst ist, wie der SPD-Verkehrsexperte Florian Pronold sagt, „nicht mehr dieser Hardcore-Player“. „Früher waren Radfahrer für den ADAC Spinner, die die Autofahrer gefährden. Das wird heute viel vernünftiger gesehen.“

Gegen Tempolimit, Pkw-Maut und Alkoholverbot am Steuer

Bestimmte Kernpositionen muss man aber verteidigen – sonst, so sagen es auch ADAC-Leute, drohe der Verein seine Identität zu verlieren. Der Klassiker: Tempolimit, ob innerstädtisch 30 oder 120 auf der Autobahn. Der ADAC ist natürlich dagegen. Das bekam der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel im vergangenen Mai zu spüren, als er es wagte, in der Sache laut nachzudenken. Im Fernsehen auf ein Tempolimit angesprochen, sagte Geschäftsführer Karl Obermair halbstark: „Ich mache Ihnen einen Gegenvorschlag: Wir verhängen Tempolimit null auf deutschen Autobahnen, und wir werden null Verletzte und null Tote haben.“

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