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Schulschließung in Hamburg : Gottes Verwaltungschef auf Erden

Bestürzung: Mit Andachten vor dem Mariendom protestierten Eltern und Kinder gegen die Schulschließungen. Bild: dpa

Acht von Hamburgs 21 katholischen Schulen müssen schließen, weil Pensionslasten über Jahrzehnte ignoriert wurden. Auch der Bischof spielte keine rühmliche Rolle.

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          Bis vor wenigen Wochen war die Welt rund um den Mariendom unweit des Hamburger Hauptbahnhofs noch in Ordnung – zumindest nicht weniger in Unordnung als andernorts in der katholischen Kirche in Deutschland auch. Gegen den allgemeinen Trend werden die Katholiken in Hamburg seit Jahren mehr und nicht weniger, die Kirchensteuereinnahmen lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig, und der seit 2015 amtierende Erzbischof Stefan Heße berät mit seinen Mitarbeitern über einen neuen „pastoralen Orientierungsrahmen“ für die rund 400.000 Mitglieder zählende Kirche im Norden. Priestermangel, Zusammenlegung von Gemeinden – keine schönen Themen. Aber warum sollte es ausgerechnet in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg anders zugehen als im Rheinland oder in Oberschwaben?

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Was im Herbst manche ahnten, aber erst wenige wussten: Die Zeitbombe in Gestalt der Pensionsverpflichtungen für die verbeamteten Lehrer an den 21 katholischen Schulen in der Hansestadt war kurz davor, kontrolliert gezündet zu werden. Der aus Köln stammende Erzbischof und sein Generalvikar Ansgar Thim, ein Mecklenburger, hatten sich entschlossen, endlich reinen Tisch zu machen. Was war geschehen? Als das Erzbistum Hamburg zum 1. Januar 1995 als letztes nach der Wiedervereinigung aus Teilen der Bistümer Osnabrück (darunter Mecklenburg) und Hildesheim Gestalt annahm, wurde es über Nacht zum größten freien Schulträger in der Hansestadt. Und wie die katholische Kirche in Hamburg seit dem 19. Jahrhundert durch die und mit den Schulen gewachsen war, so sollte sie auch künftig wachsen. Es wurde investiert, es wurde gebaut, und es wurde darauf geachtet, dass die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft der Stadtgesellschaft entspricht. Hier das traditionsreiche Mädchengymnasium unweit der Alster, südlich der Elbe ein neues Gymnasium, dazwischen viele kleine Stadtteil- und Grundschulen.

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