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Werbeverbot : Werben oder informieren?

Bücher und Informationshefte zum Thema Abtreibung liegen in einem Raum der Familienberatungsstelle der Diakonie (Archivbild). Bild: dpa

Während die Parteien im Bundestag darüber streiten, ein Werbeverbot für Abtreibungen zu kippen, gehen die Länder eigene Wege.

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          Die Liste ist nach Bezirken geordnet, Altona, Bergedorf, Eimsbüttel, ein Blatt nach dem anderen, am Ende stehen Nord und Wandsbek. Auf fünf Seiten listet die Gesundheitsbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg auf, welche Krankenhäuser und niedergelassenen Ärzte Abtreibungen vornehmen. Es sind 42 Adressen samt Telefonnummern, öffentlich zugänglich auf der Internetseite der Verwaltung. Hinzu kommt nach Angaben der Behörde eine „erwähnenswerte Anzahl“ von Ärzten, die ebenfalls Schwangerschaftsabbrüche durchführen, aber nicht genannt werden möchten. Die Entscheidung, die Liste zu veröffentlichen, basiere, so sagt es ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, „auch auf der Erkenntnis, dass ungewollt schwanger gewordene Frauen sonst nur über teils erhebliche Umwege in Erfahrung bringen können, welche Einrichtungen Abbrüche durchführen und welche Methoden angewandt werden“. Alles andere, also die Liste unter Verschluss zu halten, würde Frauen „in ihrem Recht auf freie Arztwahl und in ihrem Selbstbestimmungsrecht“ einschränken.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Damit bezieht der Stadtstaat im Norden der Republik eine klare Position in einer aktuellen gesundheitspolitischen Kontroverse. Denn die Frage, wie sich Frauen darüber informieren können, welcher Arzt bei einer Abtreibung in Frage kommt, ist Gegenstand einer Auseinandersetzung im Deutschen Bundestag. Dort sind seit dem Ende des vergangenen Jahres mehrere Gesetzentwürfe eingebracht worden, um die gegenwärtige rechtliche Regelung zu reformieren. Anlass der Debatte ist ein Urteil des Gießener Amtsgerichts vom vergangenen November. In dem Fall wurde eine Allgemeinmedizinerin zu 6000 Euro Strafe verurteilt, da diese auf ihrer Internetseite ihr Leistungsspektrum wie folgt beschrieb: Unter dem Stichwort „Frauengesundheit“ stand neben den Einträgen „Familienplanung“ und „Schwangerschaftsfeststellung“ auch der Punkt „Schwangerschaftsabbruch“. Per E-Mail konnten Interessierte mehr Informationen dazu anfordern.

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