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Eurofighter-Absturz : Nur ein paar Meter vom Kindergarten entfernt

Beim Rasenmähen wurde das Trümmerteil in der Nähe eines Kindergartens entdeckt. Bild: dpa

Ein Schock für die Menschen in Nossentiner Hütte, ein Schock für die Luftwaffe: Was über den Absturz der Eurofighter bislang bekannt ist – und wie die Bevölkerung reagiert. Ein Besuch vor Ort.

          Als sie den ersten Knall hörte und die Fenster wackelten, hat sie sich noch nichts dabei gedacht. Kampflugzeug, Überschallknall, das kenne man hier, sagt sie. Dann knallte es ein zweites Mal und sie rannte hinunter auf den Hof und zu ihrem Cousin, der da schon stand und ihr erzählte von zwei hinunterstürzenden, hinuntertrudelnden Flugzeugen. Sie sah nur zwei weiße Punkte am Himmel, die Fallschirme, und dann eine Rauchsäulen aufsteigen hinter den Bäumen. Als sie die zweite Rauchsäule entdeckte, bekam sie einen Schreck und fuhr los – es war die Richtung, in der ihre Tochter in den Kindergarten geht. Mehrere Kinder hätten berichtet, dass sie gesehen hätten, wie das eine Flugzeug abgestürzt sei. Ein paar hundert Meter entfernt auf einem Feld.

          Lorenz Hemicker
          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Am Abend, als die 32 Jahre alte Nadine B. – die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte – das alles erzählt, herrscht ein gespannte Betriebsamkeit vor ihrem Haus in dem Dorf Nossentin. Mecklenburgische Seenplatte, viel blau und grün, wenige Einwohner, viele Touristen. Die Familie sitzt auf der Terrasse hinten, ein Bier auf den Schreck, und Nadine steht in der Auffahrt davor und schaut auf die Einsatzkräfte, die sich hier versammeln. Ein paar Meter weiter beginnt das Sperrgebiet, immer wieder fahren Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, Feldjäger, Polizei, hinein und hinaus, Polizisten marschieren still in Zweierreihen vorbei. Draußen auf der Wiese sichern Einsatzkräfte mit Absperrband den Fundort von Trümmerteilen ab. Ein paar Stunden zuvor stand die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) noch hier und hat in die vielen Kameras gesagt: „Heute ist ein schwerer Tag für die Bundeswehr.“

          Verteidigungsministerin von der Leyen vor Ort

          Sie sollten den Luftkampf üben

          Der Absturz der zwei Eurofighter über der mecklenburgischen Seenplatte hat einen Piloten das Leben gekostet, der andere wird im Krankenhaus behandelt. Die Kampfflugzeuge stießen gegen 14 Uhr am Montag, 20 Minuten nach dem Start, bei einem Übungsflug aneinander und stürzten ab. Den Schleudersitz konnten beide noch nutzen, den einen fanden die Rettungskräfte in einer Baumkrone, von dem anderen nach längerer Suche nur noch die sterblichen Überreste. Einen Tag nach dem Unglück gibt es noch viele Fragen zu dem Unglück. Und die Erleichterung vor Ort, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist.

          Wie es zu dem schwersten Unfall kommen konnte, der sich in den vergangenen Jahren in der Bundeswehr ereignet hat, war am Dienstag weiter unklar. Laut Angaben der Luftwaffe waren am Montagmittag drei Kampfflugzeuge des Typs „Eurofighter“ von der Basis in Laage bei Rostock zu einem Übungsflug aufgestiegen. Ihr Auftrag: Den Luftkampf zu üben. Das bedeutet zwar heutzutage nicht mehr zwangsläufig, dass sich die Piloten in ihren Kampfflug gefährlich nahe kommen. Der “eurofighter“ ist so konzipiert, dass er gegnerische Kampfflugzeuge mit manchen Raketen selbst dann bekämpfen kann, wenn die Ziele sich noch außer Sichtweite befinden. Zugleich üben die Piloten aber auch nach wie vor den Nahkampf. Ein Katz-und-Maus-Spiel, wie man es seit dem Ersten Weltkrieg und aus Hollywoodstreifen kennt: Die angreifende Seite versucht, zum Beispiel dicht hinter dem Gegner in eine günstige Schussposition zu gelangen. Der Gejagte versucht, genau diese Situation zu verhindern. Die Rollen können wechseln, und damit der Schwierigkeitsgrad: Jäger und Gejagter, zwei Gejagte und ein Jäger, ein Gejagter und zwei Jäger; letzteres war offenbar die Situation am Montag, unmittellbar vor dem Unfall. Während sich die beiden Angreifer in einer Höhe von rund 3000 Metern Höhe ablösten, ist offenkundig etwas schiefgelaufen.

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