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Fraktionsführung der Linken : Abschied vom großen Gregor

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Von Mittwoch an wird Gregor Gysi einfaches Mitglied des Bundestags sein. Bild: dpa

Gregor Gysi geht. Die Fraktion muss nun wie die Linkspartei ohne Führungsfiguren aus der Gründerzeit auskommen. Bartsch und Wagenknecht treten die Nachfolge des sprachmächtigen und witzigen Ostdeutschen an.

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          Heute endet die fulminante politische Karriere von Gregor Gysi - vorläufig. Die Fraktion der Linkspartei im Bundestag tritt um 13 Uhr zusammen, um zwei Vorsitzende zu wählen, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Es ist möglich, aber unwahrscheinlich, dass etwas dazwischenkommt. Am Mittwoch um 18 Uhr richtet die Fraktion ihrem langjährigen Vorsitzenden einen Abschiedsempfang unter der Reichstagskuppel aus.

          Von Mittwoch an wird Gysi einfaches Mitglied des Bundestags sein. In der Linkspartei hat er schon lange - seit 1993 - keine Funktion mehr inne. Er will stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss werden - gelernte Ostdeutsche, die in der DDR eingesperrt waren, lieben das Reisen -, er wird versuchen, nicht von der Hinterbank aus die Fraktion zu lenken, wird seine Matinee-Gespräche mit anderen Prominenten im Berliner Deutschen Theater intensivieren, und er wird seine Memoiren schreiben, an denen er wohl schon geraume Zeit arbeitet.

          Gysi wird Gysi bleiben, einer der unterhaltsamsten Typen also, die es in der Politik der Nachwendezeit gab. Er wird nicht aufhören, für die Öffentlichkeit interessant zu sein, nur weil er nicht mehr Fraktionsvorsitzender ist. Vielleicht wird er erst richtig loslegen, jetzt, wo nicht jeder seiner Sätze mit der Realität seiner Partei und Fraktion verglichen werden kann. Vielleicht tut ihm der Wechsel von der Politik ins Unterhaltungsfach gut.

          Am Schluss hat er im Amt das getan, was er oft tat: Den gesamten Sommer über schaute er dem Treiben um den Euro und die Schulden Griechenlands zu. Er sah zu, wie sich der Finanzpolitiker der Fraktion, Axel Troost, der Sahra Wagenknecht nur allzu gut verstanden hatte, bei ihr entschuldigen musste. Dabei hatte sie, zunächst nur implizit, dann aber so ausdrücklich, dass es auch Gysi hörte, durchaus von Grexit und einem Ende des Euros gesprochen. Kurz vorm Ende seiner Dienstzeit reichte es ihm dann doch, und er legte der Fraktion ein Papier zur Abstimmung vor, in dem er sich in Ton und Inhalt gegen seiner Nachfolgerin wandte: „Statt für den Austritt Deutschlands aus der Gemeinschaftswährung und/oder der EU oder für ihre Auflösung zu kämpfen, ist es Aufgabe der linken Kräfte, in der gesamten Bevölkerung der Union, Mehrheiten für eine andere Politik der EU zu gewinnen.“

          Wie bei ihm üblich, zögerte er lange, die linken Verbalradikalismen zurückzuweisen. Als kurz vor der Vorsitzendenwahl unvorteilhafte, drei Jahre alte Informationen über Dietmar Bartsch’ lockere Sprüche aus der Fraktion an die Presse gereicht wurden, ließ Gysi es mit allgemeinen Ermahnungen in alle Richtungen bewenden: „Das Misstrauen“ müsse abgebaut werden.

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          Gysi weiß, dass er keine Tiger in seiner Truppe hat

          Bei der Gelegenheit seines letzten Hintergrundgesprächs mit der Presse zeigte Gysi, wie wenig er die schätzt, die beruflich mit ihm seit 1989/90 zu tun haben. Er ließ zur Feier des Tages um halb zehn morgens billigen Schaumwein ausschenken. Als Gastgeber wird man Gysi keine große Zukunft prognostizieren. Er ähnelt dem Zirkusdirektor, der glaubt, die Leute seien gekommen, ihn anzustaunen, nicht seine Tiger. Gysi weiß, dass er keine Tiger in seiner Truppe hat, und er hat sich und das Publikum daran gewöhnt, sich für die Hauptattraktion seines Ladens zu halten.

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