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Online-Petitionen gestartet : Schweres Mathe-Abi bringt Schüler auf die Barrikaden

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Die Abi Banner übersät mit Glückwünschen haben Tradition. Ob sie den Schülern auch beim diesjährigen Mathe-Abitur Glück gebracht haben? Bild: Rainer Wohlfahrt

Dass Schüler über angeblich zu schwere Aufgaben klagen, kommt nicht selten vor. Doch jetzt gehen sie auf die Barrikaden - von Bayern bis Hamburg. Das Mathe-Abitur sei in diesem Jahr zu schwierig gewesen.

          Bis zum Sonntagnachmittag hatten mehr als 60.000 Schüler die Online-Petition unterschrieben. Wegen einer angeblich zu schweren Abiturprüfung im Fach Mathematik gehen in mehreren Bundesländern Zehntausende auf die Barrikaden. In einer an das bayerische Kultusministerium gerichteten Online-Petition heißt es: „Wir Abiturienten bitten darum, den Notenschlüssel des Mathematik Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen.“

          Begründet wird dies mit Aufgabenstellungen, die in der Vorbereitung auf das Abitur kaum gelehrt wurden, dies betreffe vor allem Geometrie und Stochastik. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kündigte eine Überprüfung der Aufgaben an. Unterstützung für die Schüler kam auch vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und der SPD-Opposition im Landtag.

          Piazolo sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir nehmen das natürlich ernst und werden das sorgfältig prüfen.“ Dies werde „zeitnah“ geschehen. Bereits an diesem Montag wolle er sich mit den Experten in seinem Ministerium besprechen. Einbezogen werden sollen auch Lehrkräfte und Fachberater.

          Nach Ansicht des BLLV hatten die Schüler zu wenig Zeit bei der Bewältigung der Prüfungen in Mathematik. Diesen Eindruck hätten mehrere Lehrer gehabt, sagte Verbandspräsidentin Simone Fleischmann der Deutschen Presse-Agentur. So habe es in einem Teil der Prüfung sehr viel – teils auch unnötigen – Text gegeben. „Eklatant viele“ Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden.

          Unterstützung aus dem Landtag

          Fleischmann erklärte, dass es außerdem mehr Hürden in den Rechenaufgaben gegeben habe als in den Jahren zuvor. Selbst Mathelehrer hätten keine einzige Aufgabe im Kopf rechnen können, was bisher teilweise immer möglich gewesen sei. „Ich will diskutieren“, sagte sie mit Blick auf die Debatte um den Schwierigkeitsgrad des Abiturs. „Aber nicht während der Prüfungen.“ Erst wenn die Ergebnisse vorlägen, fordere sie eine Debatte über das Abitur-Niveau.

          Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), Michael Schwägerl, riet den Abiturienten, nicht mit der Matheprüfung zu hadern. „Konzentriert Euch jetzt voll auf die anstehenden Aufgaben und weiteren drei Prüfungen und wartet dann das Ergebnis ab.“ Florian Borges, Fachgruppenleiter Mathematik im bpv, widersprach den Schülern. Er sagte, es habe in der Prüfung keine lehrplanfremden Inhalte gegeben. „Viele Kollegen vor Ort teilen die Einschätzung, dass es insgesamt eine sehr faire Aufgabenstellung war. Insofern sind wir überrascht, dass es jetzt eine solche Reaktion gibt.“

          Die SPD im Landtag solidarisierte sich mit den Schülern. Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Simone Strohmayr, appellierte an das Kultusministerium, die Beschwerden der Schülerschaft ernst zu nehmen und die Aufgaben noch einmal gewissenhaft zu prüfen. Falls die Mathematik-Aufgaben tatsächlich deutlich schwerer gewesen seien als in den vergangenen Jahren, müsse das Ministerium die entsprechenden Konsequenzen ziehen, sagte Strohmayr laut Mitteilung. Der Notenschlüssel müsse dann gesenkt und an den Schwierigkeitsgrad angepasst werden.

          Die Schüler aus Bayern waren mit den harten Mathe-Prüfungen nicht allein. Auch Schüler in Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern starteten Online-Petitionen. In einer Petition Hamburger Schüler an die Schulbehörde heißt es, die Anforderungen seien nicht erfüllbar gewesen. Dort unterstützten bis Sonntagnachmittag etwa 1800 Menschen die Initiative auf der Plattform OpenPetition. Der Sprecher der Schulbehörde, Peter Albrecht, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Abiturprüfung sei erst am Freitag gewesen. Die Behörde habe noch keine Rückmeldung bekommen.

          Und auch im benachbarten Niedersachsen machten Schüler mit einer Online-Petition auf angeblich zu schwierige Abiturprüfungen im Fach Mathematik aufmerksam. „Wegen den nicht erfüllbaren und zu hoch angesetzten Anforderungen der Mathe Abitur Klausur fordern wir eine sofortige Stellungnahme und eine gerechte Lösung“, heißt es in der Beschwerde an das Niedersächsische Kultusministerium. Bis Sonntagnachmittag hatten mehr als 9.200 Menschen die Petition unterstützt.

          Im Vergleich zu den Aufgaben der vergangenen Abiturjahrgänge seien die Anforderungen in diesem Jahr „in Anbetracht unseres Lernniveaus und Lernstoffes nicht angemessen“ gewesen, kritisieren die Initiatoren. So sei eine hohe Anzahl an Aufgaben gestellt worden, die nicht schülergerecht konzipiert gewesen sein sollen.

          In Mecklenburg-Vorpommern gab es bei Change.org ebenfalls eine Petition. Hier wurden bis Sonntagnachmittag über 2000 Unterstützer gezählt.

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