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Abitur : Niedersachsen kehrt zu G9 zurück

  • -Aktualisiert am

Der erste Jahrgang von G9-Gymnasiasten wird in Niedersachsen im Jahr 2023 das Abitur ablegen Bild: dpa

Niedersachsen will als erstes Bundesland das Turbo-Abitur abschaffen. Unterstützt wird die Initiative von Philologen und Elternräten. Sie nennen das G8-Modell einen „folgenschweren Irrweg“.

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          Niedersachsen will als erstes Bundesland das „Turbo-Abitur“ wieder abschaffen und zu neun Schuljahren in Gymnasien zurückkehren. Schon vor einem Jahr, kurz nach ihrem Regierungsantritt in Hannover, hatte die rot-grüne Koalition die geplante Einführung des Abiturs nach acht Schuljahren an Integrierten Gesamtschulen verhindert. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) erläuterte am Mittwoch erste Eckpunkte der Rückkehr und damit der Rücknahme einer erst 2004 verabschiedeten Schulreform.

          Sie stützte sich auf den Bericht einer Expertengruppe. Besonders begabten Schülern sollen die elfte Klasse überspringen können. Bis Herbst soll eine Schulnovelle eingebracht werden, die zum 1. August 2015 in Kraft tritt. Der erste Jahrgang mit neun Jahren kann die Reiferprüfung im Jahr 2023 ablegen. Heiligenstadt warnte vor einem überhasteten Wechsel.

          Zu den Anhängern der Änderung in Niedersachsen zählen der Philologenverband und der Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen. Damit gebe es wieder gründliches Lernen, bessere Förderung und mehr Zeit für außerschulische Aktivitäten - die Verkürzung sei ein „folgenschwerer Irrweg“ gewesen. Dagegen sagt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, das Rad werde zurückgedreht - eine Schulzeit von acht Jahren könne bei richtiger Organisation stressfrei ablaufen.

          Westliche Bundesländer bieten Rückkehr zu „G9“

          Der Vorsitzende des Niedersächsischen Landesschülerrats Helge Feußahrens sagte, viele Schüler hätten sich mit dem Turbo-Abitur arrangiert. Schulen bräuchten Ruhe und nicht mit jeder neuen Landesregierung ein neues Schulgesetz. Schon kurz nach der Einführung der verkürzten Schulzeit - 2011 wurde der erste Schülerjahrgang nach nur acht Jahren entlassen - mehrte sich Kritik wegen zu hohen Lernstresses. Es gebe weniger Auslandsaufenthalte und mehr Wissenslücken bei Berufsanfängern und Studenten.

          Mehrere westliche Bundesländer bieten bereits eine Rückkehrmöglichkeit zu „G9“ an, aber bisher nicht wie nun Niedersachsen eine völlige Umkehr. Die neuen Bundesländer planen keine Reform, zumal dort das Abitur nach acht Jahren eine Tradition hat. In Bayern steht die Landesregierung unter Druck, nachdem ein von den Freien Wählern vorgelegtes Volksbegehren Ende Februar die erste Hürde überwand. Auch in Hamburg gibt es eine anfangs erfolgreiche Volksinitiative. Hessen gibt Wahlfreiheit - viele Gymnasien kehrten dort zur neunjährigen Schulzeit zurück. Nur jedes fünfte hessische Gymnasium bleibe, so wird geschätzt, beim Turbo-Abitur. Baden-Württemberg hat 44 Gymnasien eine Rückkehr zur dreizehnten Klasse erlaubt, Nordrhein-Westfalen als Modellversuch dreizehn Gymnasien.

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