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Hambacher Forst : Polizei räumt erste Baumhäuser

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Das nordrhein-westfälische Landesbauministerium hatte die Stadt Kerpen und den Kreis Düren, auf deren Gebiet der Hambacher Forst liegt, am Dienstag mit der Räumung beauftragt. Sie haben bei der Aachener Polizei dafür um Vollzugshilfe gebeten. Mitarbeiter der Stadt Kerpen informierten die Baumbesetzer am Donnerstag per Lautsprecher über den Räumungsbeschluss und forderten sie zuvor erfolglos auf, die Baumhäuser innerhalb von 30 Minuten zu verlassen.

Einige Waldbesetzer kündigen weiterhin gewaltlosen Widerstand an. „Die Zerstörung des Hambacher Forsts ist untragbar. Wir werden deshalb ab diesem Wochenende mit Aktionen massenhaften zivilen Ungehorsams die Räumungen und Rodungen von Polizei und RWE verhindern. Durch diese Aktionsform nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand“, sagt Jan Pütz von der Aktion Unterholz. Das Bündnis „Ende Gelände„ kündigte an, dass mit der Räumung eine bundesweite Mobilisierung beginne. Tausende Menschen würden sich in den nächsten Tagen mit Demonstrationen, Sitzblockaden und Waldspaziergängen für den Erhalt des Waldes einsetzen. Am Donnerstagmorgen hatten mehr als 20 evangelische Pfarrer und Gemeindemitglieder eine Menschenkette im Wald gebildet, um die Umweltaktivisten zu unterstützen.

In den sozialen Netzwerken riefen Umwelt- und Klimaschützer dazu auf, den Protest im Hambacher Forst zu verstärken. „Für viele ist das ihr Zuhause. Es gibt Menschen, die hier seit sechs Jahren wohnen“, sagte Baumbesetzer Freddy.

Im Hambacher Forst stehen Jahrhunderte alte Buchen und Eichen. Zudem leben dort geschützte Arten wie etwa die Bechsteinfledermaus. Mehrere Organisationen wollen seine Rodung unter anderem aus diesen Gründen verhindern. Aus Sicht von RWE ist die Abholzung unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Frühestens im Oktober darf der Konzern mit der Rodung beginnen.

Immer wieder hat die Polizei von Angriffen auf Polizisten an dem Waldstück berichtet. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte, dass man es mit „extrem gewaltbereiten Linksextremen“ zu tun habe, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland anreisten. Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte unlängst eine Gewalteskalation innerhalb kürzester Zeit befürchtet. Einsätze seien nur noch unter Körperschutz und mit massiven Kräften verantwortlich.

Großeinsatz im Hambacher Forst: Per Megafon wurden die Aktivisten am Donnerstag aufgefordert, ihre Baumhäuser zu verlassen.

Der Streit um den Hambacher Forst könnte auch die Arbeit der sogenannten Kohlekommission stören, obwohl das Thema dort offiziell nicht auf der Tagesordnung steht. Wirtschaft, Klimaschützer, Politik und Betroffene sollen bis Ende des Jahres gemeinsam einen Weg aus der Kohlestrom-Produktion vereinbaren. Die beteiligten Umweltverbände fordern einen Aufschub der Rodung mindestens für die Zeit, in der die Kohlekommission noch tagt – ihrer Ansicht nach könnte der Wald vielleicht stehenbleiben, wenn ältere Kraftwerke abgeschaltet werden.

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