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75 Jahre Nordrhein-Westfalen : Operation „Freundship“

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet am Rande des Festaktes in Düsseldorf Bild: AFP

Nordrhein-Westfalen feiert seine Gründung durch die britischen Besatzer vor 75 Jahren. Zum Jubiläum gibt es beim coronakonformen Festakt warme Worte von der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel – ganz zur Freude von Armin Laschet.

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          Kurz bevor der Festakt zum 75. Jahrestag der Gründung Nordrhein-Westfalens beginnt, reißt am Montagabend der Himmel über Düsseldorf noch einmal auf, und die Abendsonne taucht die Galopprennbahn in mildes Licht. Weil noch immer Corona die Regeln des Beisammenseins bestimmt, muss auch der Geburtstag Nordrhein-Westfalens auf Nummer sicher unter freiem Himmel stattfinden. Aber die Galopprennbahn des Düsseldorfer Reit- und Rennvereins von 1844 ist mehr als nur eine Verlegenheitslösung, sondern very british. Das passt perfekt, schließlich wurde Nordrhein-Westfalen am 23. August 1946 in der „operation marriage“ auf Anordnung der britischen Militärregierung aus dem Nordteil der preußischen Rheinprovinz und der ebenfalls ehemals zu Preußen zählenden Provinz Westfalen gebildet. Düsseldorf wurde Hauptstadt, weil die britische Besatzungsbehörde im dortigen Stahlhof schon ihren Sitz hatte. Die Lipper kamen 1947 aus eigenem Entschluss dazu.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          „Von Jahr zu Jahr ist deutlich, dass den Briten mit dem neuen Land eine kluge Bündelung gelungen ist“, lobt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in seiner Festansprache. „Sie haben die Vielfalt zu einer Einheit verbunden, in dem sie für eine gute Balance gesorgt haben von Metropolen, Industrieräumen und ländlichen Regionen.“ Seit 75 Jahren sei NRW durch Offenheit geprägt, sagt Laschet. „Kamen zunächst deutsche Heimatvertriebene zu Hundertausenden nach Nordrhein-Westfalen, dann die sogenannten Gastarbeiter, dann die Spätaussiedler, dann die Flüchtlinge. Fremde, die als Fremde kamen und in unserer Mitte aufgenommen wurden.“ Heute haben 30 Prozent der Menschen in NRW eine Zuwanderungsgeschichte.

          Wie vor fünf Jahren ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder zum Festakt gekommen. Diesen Gefallen ist sie nicht nur Nordrhein-Westfalen, sondern auch ihrem Parteifreund Armin Laschet schuldig, der ja nicht nur Ministerpräsident, sondern zugleich Kanzlerkandidat der Union ist. Auch wenn der gemeinsam von der Landesregierung und dem Landtag ausgerichtete Festakt selbstverständlich nichts mit dem Wahlkampf zu tun hat, freut sich der zuletzt so sehr in die Defensive geratene Kanzlerkandidat am Montag doch sichtlich darüber, dass an diesem Abend viele schönen Bilder entstehen, die ihn an der Seite der populären, scheidenden Kanzlerin zeigen, die Deutschland – wie er formuliert – „mit glücklicher Hand“ seit 2005 durch so viele Krisen geführt habe.

          Freundlichkeiten von der Kanzlerin

          Merkel bedankt sich in ihrer Festansprache mit Freundlichkeiten für Nordrhein-Westfalen. Sie komme gern in das Land, in dem sie als junge Abgeordnete seit 1990 im Bonner Bundestag und als Ministerin viel Zeit verbracht habe. Vor 75 Jahren sei das neue Land Nordrhein-Westfalen mit seinen unterschiedlichen Landesteilen als etwas künstlich wahrgenommen worden. „Doch ohne Zweifel wird heute der Bindestrich genau als solcher und nicht mehr als Trennstrich wahrgenommen“, sagt die Kanzlerin und schlägt dann ohne größere Umschweife den Bogen zur Gegenwart. Dass sich NRW durch Zusammenhalt auszeichne, habe sich wieder bei der Bewältigung der Flutkatastrophe gezeigt. Der Bund werde die Opfer des verheerenden Hochwassers weiter unterstützen. Die Menschen könnten sich darauf verlassen, „dass wir sie bei dieser Herkules-Aufgabe nicht allein lassen“, verspricht die Kanzlerin.

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