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Verfassungsschutz : „Deutsche Dschihadisten werden vom IS verheizt“

  • Aktualisiert am

Kämpfer der Terrorgruppe IS in einem Propagandafoto von 2014 Bild: Picture-Alliance

75 deutsche Dschihadisten sind laut Informationen des Verfassungsschutzes bereits für die Terrorgruppe IS gestorben. Mit der Verehrung als Märtyrer können sie nicht mehr rechnen. Sie sind Teil einer namenlosen Kriegsmasse.

          Die Zahl der Islamisten aus Deutschland, die in Syrien und im Irak ums Leben gekommen sind, ist abermals gestiegen. „Wir haben Hinweise, dass bereits 75 aus Deutschland ausgereiste Dschihadisten dort umgekommen sind“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Vor einem Jahr seien es noch rund 20 gewesen. Der Anstieg sei bemerkenswert. „Das zeigt die brutale Realität des sogenannten ’Islamischen Staates’ (IS)“, sagte Maaßen. „Deutsche Dschihadisten werden von der Terrorgruppe IS regelrecht verheizt.“ Der Verfassungsschutzchef betonte: „Anders als früher in Waziristan wird der einzelne Tote auch nicht mehr unbedingt als ’Märtyrer’ gefeiert, sondern ist nur noch Teil einer namenlosen Kriegsmasse.“ Waziristan ist eine Bergregion im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan - und ein früheres Ziel von gewaltbereiten Islamisten aus Deutschland.

          Nach Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz und des Bundeskriminalamts sind seit Beginn der Kämpfe in Syrien 2011 insgesamt mindestens 650 Islamisten aus Deutschland in das Krisengebiet ausgereist. Gerade in den vergangenen Monaten - mit dem Vormarsch der IS-Miliz im Irak - hatte sich die Entwicklung sehr beschleunigt. Ende 2013 hatte der Verfassungsschutz noch etwa 240 Ausgereiste gezählt. Ende 2014 waren es schon mehr als 550.

          Beteiligte des gemeinsamen Terrorzentrums schauen sich ein Video mit dem deutschen Islamisten Abu Osama aus Syrien an.

          Inzwischen seien es schon wieder etwa 50 Ausreisen mehr als noch Mitte Januar, sagte Maaßen. „Der Strom der Ausreisen in Richtung Syrien und Irak hält auch 2015 ungebremst an.“ Etwa ein Drittel der Ausgereisten sind nach Angaben der Sicherheitsbehörden inzwischen wieder in Deutschland. Zu etwa 40 der Rückkehrer liegen Erkenntnisse vor, dass sie aktiv an Kämpfen in Syrien und im Irak beteiligt waren.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ mit Blick auf die gestiegenen Ausreisezahlen, Deutschland verzeichne damit einen ähnlichen Trend wie etwa Frankreich und Belgien. Lediglich in Großbritannien gehe die Zahl derer, die sich dem Dschihad anschließen, etwas zurück. Die deutschen Sicherheitsbehörden wissen nach den Worten de Maizières „sehr viel“ über die islamistische Szene in Deutschland. Auch die rund 1000 sogenannten Gefährder seien „ziemlich genau“ bekannt.

          Unterdessen hat die belgische Polizei zwei Männer festgenommen, die Kämpfer für den IS in Syrien und Irak rekrutiert haben sollen. Der jüngere von ihnen, ein 24 Jahre alter Mann aus Brüssel, kam unter Auflagen wieder auf freien Fuß, ein 45 Jahre alter Mann blieb in Haft. Einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung „La Dernière Heure“ habe die Staatsanwaltschaft bestätigt, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Freitag.

          Die Männer waren demnach bereits in der vergangenen Woche festgenommen worden. Die Polizei fand keine Waffen. Einen Zusammenhang mit der im Januar aufgedeckten Terrorzelle sehen die Ermittler bisher nicht. Zu Jahresbeginn hatten Spezialeinheiten der belgischen Sicherheitsbehörden in Verviers zwei mutmaßliche Dschihadisten erschossen.

          Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden stammen über 300 Kämpfer in den Krisengebieten im Nahen Osten aus Belgien. In dem Königreich kam es mehrfach zu islamistischen Vorfällen. Im Mai 2014 tötete ein Islamist bei einem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel vier Menschen.

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