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70 Jahre Frauen-Union : Merkel sieht höheren Frauenanteil als „Existenzfrage“

Widmann-Mauz nutzt ihre Rede auch dafür, angesichts des Erreichten vor Rückschritten zu warnen. Sowohl beim Frauenanteil in der CDU als ganzer als auch beim Anteil der Frauen in den Spitzenpositionen und im Bundestag gehe es derzeit nicht voran. Das Quorum – jeder dritte Listenplatz für eine Frau und 30 Prozent Frauen in den Parteigremien – „sei ein stumpfes Schwert“ geworden. Zum einen, weil viele Mandate über Direktwahlkreise vergeben würden, wo die parteiinterne Quote für Listenplätze nicht greife, zum anderen, weil die bestehende Regelung immer wieder ausgehebelt würde, kritisiert die Frauenunionsvorsitzende.

Merkel mit der FU-Vorsitzenden Annette Widmann-Mauz (l., beide CDU) und der Vizepräsidentin des Bundestags Claudia Roth (Grüne)

Mit ihrer Kritik wendet sich Widmann-Mauz auch direkt an ihre Parteikollegen in ihrer Heimat Baden-Württemberg. Dort hat die CDU vor kurzem eine mit den Grünen vereinbarte Wahlrechtsreform platzen lassen und bei der Aufstellung der Liste für die Europawahl 2019 die ersten vier Plätze an Männer vergeben. Wo so mit den Frauen in der Partei verfahren werde, habe man „die Zeichen der Zeit immer noch nicht verstanden“. 

„Lange genug erfahren, was Respektlosigkeit bedeutet“

Die Frage, wie sich die Beteiligung von Frauen in der Politik noch weiter verbessern lässt, steht am Samstag aber auch nach den Reden von Merkel und Widmann-Mauz im Mittelpunkt. In einer Diskussionsrunde zwischen den Ehrenvorsitzenden der Frauenunion, Rita Süssmuth und Maria Böhmer, Widmann-Mauz, der Vorsitzenden der Frauenunion der CSU, Angelika Niebler, der Grünen-Politikerin Claudia Roth und FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sprechen sich alle Politikerinnen dafür aus, die überparteiliche Zusammenarbeit zu stärken, um die Themen und Anliegen von Frauen voranzubringen. Dabei gehe es auch darum, gemeinsam gegen „einen Backlash und den Anstieg sexistischer Gewalt“ vorzugehen, mahnt die 81 Jahre alte Rita Süßmuth.

„Wir Frauen haben lange genug erfahren, was Respektlosigkeit bedeutet“, ergänzt die ehemalige Staatsministerin Maria Böhmer und plädiert für eine starke Vernetzung bei der anstehenden Wahlrechtsreform des Bundestages. Mehr Frauen in politischen Ämtern und Mandaten fordert auch eine Resolution des Bundesvorstands der Frauenunion, die am Freitag einstimmig verabschiedet wurde. „Das Ziel der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft muss in dem neuen CDU-Grundsatzprogramm verankert sein“, heißt es darin. Am Samstagnachmittag wird allerdings durchaus kontrovers diskutiert, welche Schritte in Zukunft zur stärkeren Beteiligung von Frauen in der Politik hilfreich sind.

Doch je nachdem, wie die CDU in Zukunft mit der Frauenfrage umgeht, wird das, was der Kabarettist Lars Reichow den Anwesenden im Scherz mit auf den Weg gab, vielleicht Wirklichkeit. Ein Mann als Kanzler, das sei theoretisch möglich, habe er seiner Tochter auf ihre Frage nach einem Mann an der Spitze der Regierung geantwortet. „Aber praktisch werden wir das beide nicht mehr erleben, habe ich zu ihr gesagt.“ Schließlich warte da ja schon Annegret Kramp-Karrenbauer.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, die CDU habe erstmals 1986 ein Frauenquorum eingeführt. Das ist falsch, es war 1996. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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