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Gedenken im Bundestag : Gauck: „Keine deutsche Identität ohne Auschwitz“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Menschen in Deutschland 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor einem Schlussstrich unter den Holocaust gewarnt. Bundestagspräsident Norbert Lammert fordert von den Jüngeren, „Zeugen der Zeugen“ zu werden.

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          Mit einer Gedenkstunde hat der Bundestag am Dienstag an die Millionen Opfer des Nationalsozialismus erinnert. An der Veranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren und zum Holocaust-Gedenktag nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Joachim Gauck, die Spitzen der Verfassungsorgane sowie Überlebende teil.

          Bundespräsident Joachim Gauck warnte die Menschen vor einem Schlussstrich unter den Holocaust. „Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz“, sagte er. „Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben. Er gehört zur Geschichte dieses Landes.“

          Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte, es sei eine bleibende Aufgabe, die Erinnerungen an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachzuhalten. Die Nachgeborenen seien für die Vergangenheit nicht verantwortlich, wohl aber für den Umgang mit dieser Vergangenheit. Es gelte, staatlich angeordnete und organisierte Verbrechen „nirgendwo“ und „an keinem Platz der Welt“ wieder geschehen zu lassen. Die Deutschen müssten sich im Bewusstsein ihrer historischen Verantwortung den drängenden humanitären Herausforderungen der Gegenwart stellen.

          Auschwitz stehe als Synonym für den „historisch beispiellosen industrialisierten Völkermord“ und dafür, was Menschen Menschen antun könnten, sagte Lammert. Dem europaweiten Vernichtungskrieg der Nazis, den Ghettos und Lagern sei die Ausgrenzung eines Teils der Bevölkerung vorangegangen, „für alle sichtbar, die sehen wollten“, erinnerte er. Lammert schloss in das Gedenken an die Opfer auch diejenigen ein, die den Nazis Widerstand geleistet hatten sowie die Menschen, die „vom Trauma des Überlebens gezeichnet“ seien. Er forderte die Jüngeren auf, den noch Überlebenden zuzuhören und dadurch zu „Zeugen der Zeugen“ zu werden und die Erinnerung weiterzutragen.

          Der Bundestag während der Gedenkstunde.

          Der Holocaust-Gedenktag ist seit 1996 gesetzlich verankert. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz. Dort hatten die Nationalsozialisten rund 1,1 Millionen Menschen ermordet. Insgesamt kamen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis rund sechs Millionen Juden ums Leben. Ziel war die Vernichtung des europäischen Judentums. Zu den Verfolgten zählten aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle sowie Oppositionelle.

          Holocaust-Gedenktag

          Jeweils am 27. Januar wird weltweit des Holocaust gedacht. Das Datum erinnert an die Befreiung des größten Nazi-Konzentrationslagers Auschwitz durch russische Truppen am 27. Januar 1945. Seit 1996 gedenken die Deutschen jeweils an diesem Tag der Millionen Opfer des Völkermords. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den 27. Januar zum weltweiten Gedenktag macht.

          Das 1940 errichtete Konzentrationslager in der südpolnischen Stadt Auschwitz bei Krakau ist zum Inbegriff des Völkermords an den Juden geworden. Dort wurden rund 1,5 Millionen Menschen, die meisten davon Juden sowie viele Tausend Sinti und Roma und Polen ermordet. Insgesamt erfasste das nationalsozialistische Terrorsystem in Europa 24 Hauptlager und etwa 1.000 Außenlager.

          Holocaust ist die seit den 80er Jahren gebräuchliche Bezeichnung für die Massenvernichtung der sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Der Begriff stammt vom griechisch-lateinischen Wort „holocaustum“ ab. Es bedeutet „ganz verbrannt“ oder „Brandopfer“ und meinte ursprünglich ein Gott wohlgefälliges Opfer. Die Verwendung dieses Begriffs aus der sakralen Sprache für die NS-Verbrechen war deshalb nicht unumstritten. In Israel wird bis heute der eher säkulare hebräische Ausdruck „Schoah“ gebraucht. Er bedeutet „Zerstörung“ oder „Katastrophe“. (KNA)

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