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5G-Mobilfunkstandard : Todesschalter im Netz?

Könnten chinesische Konzerne wie Huawei uns in Zukunft das 5G-Netz einfach abdrehen? (Symbolfoto) Bild: AP

Der neue Mobilfunkstandard soll die Welt bequemer machen und deutlich mehr vernetzen. Dabei birgt die Welt des 5G-Netzes neue Gefahren, die Hersteller und Konsumenten verunsichern.

          Wenn Digitalenthusiasten über die Zukunft sprechen, entwerfen sie manchmal Bilder der Harmonie. Der kommende superschnelle Mobilfunkstandard 5G schafft dann die Grundlage für eine vollkommen vernetzte Welt: Im Internet der Dinge steht alles mit allem in Verbindung, die Rolltreppe mit dem Getränkeautomaten, die Mülltonne mit dem Müllwagen. Das bietet Möglichkeiten, die man bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kannte. Angenommen, auf einer Bahnstrecke geschieht morgens ein Unfall. Züge kommen zu spät oder fallen aus. Die Deutsche Bahn sendet dann ein elektronisches Signal an die Wecker aller Pendler, bei denen klingelt es automatisch eine Stunde später. Sie stehen ausgeruht auf, und der Kaffee dampft schon auf der Küchenanrichte. Wenn sie schließlich in die S-Bahn einsteigen, ist die Strecke längst wieder frei.

          Gefahren des „Kill Switch“

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Dagegen reden amerikanische Regierungsbeamte vor allem von Katastrophen, die sich ereignen könnten, wenn die schnellen Netze von morgen in falsche Hände geraten. Dann ist zum Beispiel vom „Kill Switch“ die Rede, vom Todesschalter. Erst am Mittwoch hat Robert Strayer, ein hoher Beamter des Außenministeriums in Washington, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten von der Fähigkeit zum Abschalten gesprochen. Was aber weiß man darüber?

          Die Amerikaner malen einen Albtraum aus: Wenn eines Tages immer mehr Fabrikroboter über das superschnelle 5G-Netz gesteuert werden und miteinander kommunizieren, wenn Nierenoperationen in Bayern von Chirurgen in Kalifornien ausgeführt werden, dann können die Chinesen alles stilllegen. Ihre Konzerne, allen voran der Elektronikriese Huawei, müssten dafür nur jene Bauteile aus der Ferne manipulieren, die im digitalen Nervensystem der künftigen Welt sitzen. So könnten sie in den kritischen Infrastrukturen von morgen Deutschland, Frankreich oder Japan den Stecker ziehen.

          Martin Schallbruch, Informatiker an der Berliner Privatuniversität ESMT (European School of Management and Technology) und bis vor kurzem Abteilungsleiter im Bundesinnenministerium, hält solche Szenarien im Prinzip für real. Wenn er versucht, den theoretisch möglichen Kollaps der vernetzten Zukunftswelt so zu beschreiben, dass auch Laien etwas verstehen, weist er ins Vergangene.

          Die Folgen eines „Flottenangriffs“, das heißt einer von feindlichen Mächten gesteuerten Großattacke auf das kommende Netz, vergleicht Schallbruch mit den Zuständen nach dem totalen Stromausfall in New York am 14. August 2003. U-Bahnen, Ampeln, Bankautomaten fielen damals aus. An den Flughäfen mussten Passagiere auf Notleitern aus den Flugzeugen klettern, in den Terminals irrten sie durch tiefe Finsternis, während das Personal versuchte, mit Taschenlampen den Weg zu weisen. Zigtausende machten sich zu Fuß auf den Heimweg, am Broadway bildeten sich endlose Karawanen stadtauswärts. In den Kühlschränken verdarb das Essen. Wenn die Menschen dann versuchten, sich neue Lebensmittel oder Wasser zu verschaffen, kamen sie oft nicht weit, weil in den Läden die Kassen streikten.

          The Day of Tomorrow

          So könnte der Tag aussehen, an dem eine fremde Macht den „Kill Switch“ betätigt. Das also ist 5G, wenn man es als Albtraum inszeniert, und die Amerikaner sagen: Das wird 5G auch in Wirklichkeit sein, wenn ein Land so dumm ist, bei den Chinesen einzukaufen. In China müssten alle Unternehmen mit dem Geheimdienst kollaborieren, und der chinesische Geheimdienst werde in den möglichen Machtkämpfen der Zukunft auf das Erpressungspotential nicht verzichten, das er durch die Präsenz von Huawei in fremden Netzen an die Hand bekäme.

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