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5G-Mobilfunkstandard : Todesschalter im Netz?

Allerdings ist es möglich, die Risiken so weit zu verringern, dass nicht die Lichter ausgehen wie in New York 2003 oder ausländische Mächte unbegrenzt Wirtschaftsspionage treiben können. Eine Möglichkeit wäre, auch im 5G-Netz sensible Daten konsequent zu verschlüsseln. Außerdem könnte ein heimischer Techniker dabei zuschauen, wenn ein ausländischer Wartungsdienst aus der Ferne auf Geräte zugreift. Manche Netzbetreiber, zum Beispiel die Telekom, machen das jetzt schon so, andere sind da laxer. In Großbritannien ist diese Methode Pflicht. Die deutsche Politik könnte hier nachziehen.

Ein anderer Sicherheitsgrundsatz heißt: Kauf nicht nur bei einem Hersteller allein. Kaufe nicht nur Bauteile von Huawei, sondern zum Beispiel auch solche von den europäischen Anbietern wie Ericsson oder Nokia. Viele Netzbetreiber tun das ohnehin, denn Wettbewerb drückt die Preise. Nebenbei stärkt das die Sicherheit, denn wenn eine ausländische Macht auf den Gedanken käme, den Stecker zu ziehen, könnten Netzkomponenten aus anderen Ländern einspringen.

Je diverser die Bauteile sind, desto weniger dramatisch wären die Folgen eines Angriffs. Um ganz sicherzugehen, könnten Netzbetreiber verpflichtet werden, doppelte Netze aufzubauen. Neben jeder Antenne von Huawei stünde dann eine weitere aus Europa. Das könnte allerdings teuer werden. Selbst die Telekom könnte so etwas kaum leisten.

Kriterien zur Sicherheit

Eine weitere Methode ist in einem Eckpunktepapier beschrieben, das die Bundesnetzagentur im März veröffentlicht hat. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll künftig Sicherheitskriterien für relevante Bauteile festlegen und ihre Einhaltung überprüfen. Hersteller sollen außerdem selbst nachweisen müssen, dass ihre Produkte alle Sicherheitsanforderungen erfüllen. Nur dann bekommen sie ein Zertifikat. Stellt sich dann heraus, dass sie Regeln verletzen, erlischt das Zertifikat wieder, und die Netzbetreiber müssen haften. Das erhöht den Druck auf die Unternehmen, nur Hardware von verlässlichen Firmen einzusetzen.

Die deutsche Regierung geht aber noch einen Schritt weiter. Sie verlangt, dass künftige „Systeme“ nur noch von „vertrauenswürdigen Lieferanten“ stammen dürfen. Wer als solcher einzustufen ist, das entscheidet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Aus dem Innenministerium heißt es, zu den Prüfmethoden sollten auch Inspektionen von Herstellerfabriken gehören. Vor allem aber könnte auch die Rechtslage im Heimatland des Produzenten in die Prüfung einfließen. Das ist wichtiger, als es zunächst scheint, denn in China sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, mit den Geheimdiensten zusammenzuarbeiten. Wenn die Regierung etwa von Huawei verlangen sollte, Daten aus Deutschland auszuleiten, könnte das Unternehmen nicht dagegen klagen. In Amerika ist das anders. Vor einigen Jahren etwa wehrte sich die Firma Apple vor Gericht, als das FBI von ihr verlangt hatte, beim Knacken eines Mobiltelefons zu helfen. Die Sicherheit der digitalisierten Welt von morgen ist deshalb keine rein technische Angelegenheit, sondern auch eine politische. Das Kernkriterium bei der Bewertung von Firmen wie Huawei ist das Vertrauen in China und sein politisches System.

In Berlin denkt trotzdem kaum jemand daran, Huawei von vornherein vom Ausbau des 5G-Netzes auszuschließen. Einige sagen, durch eine zu schnelle Festlegung gäbe man eine Spielkarte aus der Hand, die in Verhandlungen mit China über besseren Marktzugang noch sehr nützlich werden könnte. Amerika allerdings sieht Huawei unverändert kritisch. Erst unlängst wiederholte Außenminister Mike Pompeo eine Drohung, die schon der amerikanische Botschafter Richard Grenell im März an die Deutschen gerichtet hatte. Es könnte schwierig werden, sagte Pompeo, mit Nato-Partnern sensible Geheimdienstinformationen zu teilen, wenn sie auf Huawei setzten. „Das ist eine Firma, die der chinesischen Regierung sehr nahe steht und tun wird, was sie von ihr verlangt.“

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