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500 Jahre Reformation : Luther der Große

Luther-Denkmal in Wittenberg (Sachsen-Anhalt): Wenn jemand groß war in seiner Wirkung – dann er. Bild: dpa

Martin Luther erschütterte als einzelner, abtrünniger Mönch die Welt. Er war ein Mann des Wortes, aber auch der Tat, dessen Mut heute kaum mehr zu fassen ist. Auch die katholische Kirche verdankt ihm viel. Ein Kommentar.

          Heldenverehrung passt nicht so recht zur modernen Demokratie – auch wenn nicht nur der Boulevard voll von allerlei merkwürdigen Stars ist. Im Fall Martin Luthers ging es in der vergangenen Dekade vor allem darum, den Reformator zwar irgendwie aus seiner Zeit heraus zu verstehen, aber ihn nach heutigen Maßstäben zu messen. 

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Doch wenn jemand groß war in seiner Wirkung – dann er. Luther erschütterte als einzelner, abtrünniger Mönch die Welt. Er ordnete bei weitem nicht nur die Christenheit neu. Und wenn man bedenkt, wie sehr unser Denken und unsere Geschichtsbücher voll von „Helden“ sind, die ihre Macht ererbt hatten und mit Eisen und Blut verwalteten und ausbauten, dann strahlt Luther umso heller. 

          Er war ein Schöpfer des Deutschen, das wir heute noch sprechen, und der bis heute größte Publizist des Landes. Gewiss: Vieles von dem, das nach ihm kam, hatte er so weder voraussehen können noch beabsichtigt. Aber die Folgen seines Wirkens für Freiheit und Verfassung, für Staat und Säkularität, für die Fürsorge und (gegen) die Obrigkeit sind gewaltig.

          Er war ein Mann des Wortes, aber auch der Tat, dessen Mut heute kaum mehr zu fassen ist. Er verfasste Hetzschriften, aber er führte nicht das Schwert, er war radikal und stellte eine Weltmacht in Frage. Und vor allem wegen dieser Radikalität wirkt Luther heute fremd. Deshalb spricht man lieber unpersönlich von „der Reformation“ als vom Kirchengründer.

          Auch die katholische Kirche verdankt ihm viel. Bis er heiliggesprochen wird, dürfte es noch dauern. Wer aber Luther heute noch nur als Ketzer sieht, müsste Nelson Mandela als Terrorist und Stauffenberg als Hochverräter bezeichnen.

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