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F.A.Z. exklusiv : Bisher 43.000 Aufenthaltstitel für syrische Verwandte

Syrische Flüchtlinge kommen im April 2016 in das Grenzdurchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen. Bild: Swen Pfödpa

Bisher konnten nur relativ wenige Verwandte syrischer Flüchtlinge per Familiennachzug einreisen. Die Zahl dürfte bald aber deutlich steigen. Wohlfahrtsverbände warnen vor Überlastung.

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          Nach Angaben des Bundesinnenministeriums haben von Beginn 2016 bis zum Mai 2017 knapp 43.000 syrische Staatsangehörige einen Aufenthaltstitel aus familiären Gründen erhalten. Das sei in 26.500 Fällen der Nachzug von Kindern, in 13.900 der von Ehegatten und in rund 1600 der von Eltern gewesen, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z./Freitagsausgabe). Es sind nach Darstellung der Sprecherin vorläufige Zahlen aus dem Ausländerzentralregister zum Familiennachzug syrischer Flüchtlinge.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Das Auswärtige Amt gab an, Syrer erhielten 2016 und im ersten Halbjahr 2017 rund 65.000 Visa zum Familiennachzug. Erwartet wird, dass die Zahl der per Familiennachzug nach Deutschland einreisenden Syrer bald deutlich steigen könnte. Die Bundesregierung hatte mit dem Asylpaket II im März 2016 den Familiennachzug für Personen, die nur nachrangigen – sogenannten subsidiären – Schutz erhalten, für zwei Jahre ausgesetzt. Von Anfang 2016 bis Mitte 2017 hatten rund 165.500 Syrer nur subsidiären Schutz erhalten. Im März 2018 läuft die Aussetzung des Familiennachzugs aus.

          Das Auswärtige Amt geht in einer „groben Schätzung“ davon aus, dass insgesamt zwischen 200.000 und 300.000 Familienmitglieder zu Syrern und Irakern nachziehen könnten. In der Schätzung sind bereits die 102.000 zwischen 2015 und Mitte 2017 erteilten Visa enthalten sowie die 128.000 subsidiär schutzberechtigten Syrer und Iraker, die ab März 2018 Familiennachzug beantragen können.

          Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte der F.A.Z., es lasse sich nicht vorhersagen, wie viele Menschen von der Möglichkeit Gebrauch machen würden. „Aufgrund bisheriger Erfahrung nimmt das Auswärtige Amt einen Nachzugsfaktor von weniger als eins an“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts der F.A.Z.

          Es fehlen Wohnungen und Schulplätze

          Mitarbeiter deutscher Wohlfahrtsverbände hingegen warnten gegenüber der F.A.Z vor einer Überlastung angesichts des geringen Angebots an freien Wohnungen in westdeutschen Großstädten sowie angesichts mangelnder Kita- und Schulplätzen. „Eine Integration ist nicht möglich, wenn die Familie nicht da ist. Aber unter den Rahmenbedingungen, die momentan in Deutschland herrschen, ist eine Integration der Familie auch nicht möglich“, sagt eine Mitarbeiterin der Caritas Essen.

          Wenn der Familiennachzug nun für deutlich mehr Menschen erlaubt würde, drohe Chaos. Es gebe schon heute keinen Puffer mehr an Wohnungen. In einigen Fällen müssten nachziehende Familien in die Einzimmerwohnungen der schon in Deutschland als Flüchtlinge anerkannten Familienväter ziehen. Dort lebten sie zum Teil zu siebt auf 26 Quadratmetern.

          Die Zahl möglicher nachreisender Familienangehöriger hatte auch im Wahlkampf eine Rolle gespielt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) setzte sich kürzlich dafür ein, den Nachzug weiter auszusetzen und äußerte mit Bezug auf mögliche nachziehende Familienangehörige: „Dass die Zahlen gewaltig sind, ist so.“

          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte, den Familiennachzug generell auszusetzen. Die AfD sprach von weiteren zwei Millionen Migranten ab 2018. Flüchtlingsorganisationen, Kirchen, Sozialverbände, die Opposition und in Teilen auch die SPD hingegen setzen sich für den Nachzug ein.

          Den vollständigen Bericht zum Familiennachzug lesen Sie ab 20 Uhr im E-Paper und auf F.A.Z. Plus.

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