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Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ : Für etwas sein – nicht immer dagegen

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Die Kleinen ganz groß dabei: Amelie, Greta, Carolin und Philipp. „Ich finds gut, dass wir hier sind, weil man nicht nur zuguckt, sondern selbst aktiv wird und was tut“, sagt Greta (Mitte), die Tochter der Initiatoren Sabine und Daniel Röder.
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Pulse of Europe : Wer geht für Europa auf die Straße?

Die Bewegung hat sich rasant in ganz Deutschland ausgebreitet und ist sogar in andere europäische Länder übergeschwappt. Auf der Bühne präsentiert Sabine Röder gerade die aktuellen Zahlen: „In genau diesem Moment sind wir in 60 Städten und mittlerweile acht Ländern in Europa unterwegs, und für das nächste Wochenende haben sich schon weitere Städte und Länder angekündigt, das ist großartig!“

„60 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg. Wollen wir das nochmal?“

Die Menge jubelt. Viele Eltern sind gekommen, die Kinder auf den Schultern oder an der Hand. Doch auch die ältere Generation ist gut vertreten – bei der Frage danach, wer die Gründung der Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1957 miterlebt hat, gehen zahlreiche Hände nach oben. Auch die von Michael von Zitzewitz. Er war lange Zeit Vorsitzender der Frankfurter Messe und ist kein unbekanntes Gesicht in der Stadt. Er ist heute zum ersten Mal hier, aber sicher nicht zum letzten Mal, wie er sagt. „Ich finde es gut, mal für etwas zu demonstrieren. Dagegen kann ja jeder“, erklärt er. Die europäische Idee liegt ihm am Herzen: „Ich bin 1945 geboren und habe mein ganzes Leben lang Europa erlebt.“ Für von Zitzewitz bedeutet Europa wie für viele der Anwesenden neben Privilegien wie Meinungsfreiheit und Freizügigkeit vor allem Sicherheit und Frieden. „Wenn ich daran denke, gegen wie viele Europäer allein mein Vater Krieg geführt hat“, erinnert er sich. „Die jungen Leute wissen so etwas ja gar nicht mehr, aber daran sollten wir uns wirklich erinnern. Zehn Millionen Tote im Ersten Weltkrieg, 60 Millionen im Zweiten. Wollen wir das nochmal?“

Ein Danke an die Niederlanden: Die Frankfurter freuen sich über das Wahlergebnis.
Ein Danke an die Niederlanden: Die Frankfurter freuen sich über das Wahlergebnis. : Bild: Maximilian von Lachner

Wenn man sich in der Menge nach jungen Gesichtern umsieht, scheint die Europäische Union für die Generation der 15- bis 25-Jährigen tatsächlich kein großes Thema zu sein. Warum sind so wenige junge Leute hier? „Wir verstehen es auch nicht so recht“, sagt die 19-jährige Antonia Waßmund. „Wir animieren unsere Freunde jedes Mal, dass sie mitkommen, aber viele sagen nur: ‚Nee, keine Lust, Sonntag hab ich was Besseres zu tun. Aber ‚was Besseres‘ bedeutet dann nur auf dem Sofa liegen.“ Ihre Freundin Lilli Bohne hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Meine Freunde sagen immer nur, ‚Ist doch alles gut mit Europa‘ und bleiben zuhause. Aber wir bearbeiten sie einfach so lange weiter, bis sie irgendwann mitkommen.“ Den jungen Frauen ist bewusst, dass Europa für sie einige Vorteile bietet. Vor allem Schüler und Studenten profitieren von Auslandsprogrammen wie Erasmus. Für sie ist es selbstverständlich, eine Weile ins Ausland zu gehen.

Dass junge Teilnehmer fehlen, haben auch die Organisatoren bemerkt. Bei einer Kundgebung vor drei Wochen haben sie Fragebögen ausfüllen lassen, um herauszufinden, wie ihr Publikum die Zukunft der Bewegung sieht. Die Antworten: Die Menschen wollen mehr Inhalte, mehr Kommunikation – und die Jugend mit im Boot. Für mehr Inhalt wird es wohl bald eine Petition geben, für mehr Kommunikation wird an der Website gefeilt, aber wie bekommt man „die Jugend“ mit an Bord? Organisatorin Stephanie Hartung hat darauf eine Antwort: Man müsse an die Schulen und Universitäten gehen. Dazu ruft sie anwesende Lehrer auf, die Idee an ihre Schüler weiterzutragen. Die anwesende „Jugend“ spricht sie nicht an.  Dafür resümiert sie: Die drei häufigsten Wörter, die bei der Beantwortung der Fragebögen gefallen seien, seien „Wir“, „Hoffnung“ und „Weitermachen“ gewesen. Inzwischen ist tatsächlich die Sonne hinter den Wolken hervorgekommen – man ist optimistisch.

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