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30 Jahre Umzug : Auf nach Berlin!

  • -Aktualisiert am

Ein Passant geht vor dem Reichstagsgebäude, welches sich in einer Scheibe des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses spiegelt. Bild: dpa

Auch 30 Jahre nach dem Bonn-Berlin-Beschluss haben noch mehrere Ministerien ihren Hauptsitz am Rhein. Dabei spielt die Musik längst nicht mehr dort.

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          Mittlerweile kommt das einer ganzen Generation wie eine skurrile Erzählung vor: Bonn war einmal Bundeshauptstadt. Dass Bonn vor 30 Jahren um Haaresbreite Hauptstadt geblieben wäre, können heute auch die meisten Älteren kaum noch glauben. Doch die Mehrzahl der Abgeordneten und Minister hatte sich damals behaglich in der „Bonner Republik“ eingerichtet. Sie wollten aus dem ausdrücklich als Provisorium für den westdeutschen Teilstaat gedachten Bonn die Dauerlösung für das gerade glücklich wiedervereinte Land machen. Dabei hatte der erste Deutsche Bundestag 1949 unmissverständlich festgelegt: „Die leitenden Bundesorgane verlegen ihren Sitz in die Hauptstadt Berlin, sobald allgemeine, freie, gleiche, geheime und direkte Wahlen in Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone durchgeführt sind. Der Bundestag versammelt sich alsdann in Berlin.“ Jahr um Jahr beteuerten seither alle: Dereinst wird selbstverständlich Berlin Sitz von Parlament und Regierung.

          Ein Votum für Bonn wäre geschichtsvergessen gewesen, ein übler Affront gegen die ostdeutschen Bundesländer und schlicht Wortbruch. Fortan hätte ein Schatten auf der Wiedervereinigung gelegen, die es ohne Berlin – die Stadt der Luftbrücke, des Mauerbaus und des Mauerfalls – nie gegeben hätte. Es ist Persönlichkeiten mit epochenübergreifender Erfahrung wie dem einstigen Regierenden Bürgermeister und Bundeskanzler Willy Brandt und dem damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zu verdanken, dass sich am 20. Juni 1991 nach beinahe zwölf Stunden Debatte im Bonner Wasserwerk mit einer hauchdünnen Mehrheit von 18 Stimmen Berlin durchsetzte und Deutschland vor einer großen Torheit bewahrt wurde.

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