https://www.faz.net/-gpf-a39ph

Ost-West-Quiz : Die Mauer im Kopf bröckeln lassen

Die Online-Flatrate: F+
FAZ.NET komplett

Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

Es stimmt also, was der Präsident des Bundesamtes, Georg Thiel, sagt: „Heute erscheint es spannend, einzelne Städte oder strukturähnliche Regionen in ganz Deutschland miteinander zu vergleichen und nicht nur pauschal die Bundesländer in Ost und West gegenüberzustellen.“ Nehmen wir den Wald. Genauer gesagt, den Anteil des Waldes an der Gesamtfläche. Von Vorpommern-Greifswald wusste ich ungefähr, es dürfte so ein Viertel sein. Genau sind es 22,2 Prozent. Im Ranking aller Landkreise und kreisfreien Städte liegt mein Heimatkreis damit auf Platz 255. Und das Pendant im Westen? Mein Klick-Versuch: Rendsburg-Eckernförde, also wieder der Norden. Da hatte ich mich aber verschätzt, es sind dort nur 11,3 Prozent, Platz 342. Richtig wäre gewesen: Mühldorf am Inn. Bin ich eigentlich jemals am Inn gewesen?

Greifswald, schau auf Bayern

Dann wurde nach dem sogenannten Kita-Schlüssel gefragt. Wie viele Kita-Plätze kommen auf eine Erzieherin? In meiner früheren Heimat liegt der Betreuungsschlüssel ziemlich hoch, 12,4, was ja auch mit der DDR-Vergangenheit zu tun hat. Damit kommt Vorpommern-Greifswald auf Platz 17. Ich dachte, in Hamburg wird es ähnlich sein, Hamburg lobt sich für seine Kita-Landschaft. Aber das stolze Hamburg liegt nur auf Platz 264. Auch hier hätte ich besser nach Bayern schauen sollen, in den Landkreis Regen, die Gegend zwischen Niederbayern und der Pfalz. Immer wieder Bayern, das so weit entfernt von der Küste liegt; das Berge hat und nicht das Meer. Das aus norddeutscher Sicht reich und erfolgreich ist, also in jeder Hinsicht das Gegenteil von Mecklenburg-Vorpommern.

Bayern wäre auch die richtige Antwort gewesen bei der Zahl der Pflegekräfte auf 10.000 Einwohner. Bei mir im Nordosten sind es 101,62. Ich hatte gemeint, das Herzogtum Lauenburg in Holstein stünde ähnlich da. Was nicht so falsch war, dort sind es 111,08. Aber direkt vergleichbar mit Greifswald ist Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz. Ein ähnliches Bild bei der Zahl der Hausärzte. Ich hatte Greifswald mit Ostholstein vergleichen wollen. Kulmbach hätte besser gepasst. Aber darauf wäre ich nie gekommen. Darauf ein Kulmbacher, dachte ich, hatte aber nur eine andere Biersorte zur Hand, aber immerhin eine bayerische.

Weil Bayern also dauernd auftauchte, ließ ich es darauf ankommen. Beim Ausländeranteil auf die Gesamtbevölkerung bezogen liegt Vorpommern-Greifswald bei 4,35 Prozent. Ich tippte im Gegenzug auf Hof – und siehe, es gab sogar eine „Gold-Medaille“: 5,9 Prozent. Wirklich genau aber wäre die Antwort Tirschenreuth gewesen, wieder die Oberpfalz. Tirschenreuth ist noch in einem anderen Punkt mit Greifswald und Umgebung zu vergleichen: Die Bürger beider Kreise haben einen ähnlich langen Weg zum nächsten internationalen Flughafen: anderthalb Stunden. Für die Tirschenreuther geht es nach München, für die Greifswalder nach Berlin.

Auch bei der Bevölkerung insgesamt wählte ich das bayerische Modell und klickte Freyung-Grafenau an, den östlichsten bayerischen Landkreis. In Vorpommern-Greifswald sind es 236.697 Einwohner, in Freyung-Grafenau nur ein Drittel davon. Das war daneben. So wenig kenne ich Deutschland, so wenig kenne ich Bayern. Fast die gleiche Einwohnerzahl wie Greifswald und Umland hat aber Kassel. Manchmal im Spiel passte aber auch die norddeutsche Connection. Etwa beim Anteil der Minijobber an der Zahl der Erwerbstätigen. In Vorpommern-Greifswald sind es 8,25 Prozent, und das gilt auch für Hamburg, im von mir gewählten Bremerhaven sind es nur wenig mehr: 10,54 Prozent.

Weitere Themen

Topmeldungen

Hinter Glas: Ministerpräsident Reiner Haseloff am Dienstag im Landtag

Krach wegen Rundfunkbeitrag : Die CDU sitzt in der Klemme

Der Magdeburger Streit über den Rundfunkbeitrag wächst sich zu einem politischen Beben aus, das nicht nur das Kenia-Bündnis in Sachsen-Anhalt zerstören könnte. Auch der Koalitionsfrieden in Berlin ist in Gefahr.

EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März

Schwarze-Peter-Spiel : Wer ist schuld an den vielen toten Schweden?

Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.