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2G-Optionsregel : Der Staat drückt sich

  • -Aktualisiert am

Nur mit Impfausweis oder genesen: Eine Bar in Hamburg Bild: dpa

Für Ungeimpfte wird das Leben schwerer. Immer mehr Länder führen die 2G-Optionsregel für Gastronomie und Veranstaltungen ein. Die Entscheidung darüber aber Privaten zu überlassen, ist halbherzig.

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          Markus Söder wusste es schon vor einem Monat. Mit seiner Voraussage nach einem für ihn nicht zum ersten Mal enttäuschend verlaufenen Corona-Gipfel der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin lag der selbst ernannte Chef des „Teams Vorsicht“ richtig: „2G wird so oder so ab einem bestimmten Zeitpunkt kommen.“ Der Beschluss der Länder für neue Corona-Maßnahmen war nicht nur Söder im Blick auf die anrollende „Pandemie der Ungeimpften“ viel zu lasch.

          Denn die auch vom Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet als NRW-Ministerpräsident durchgesetzte 3G-Regel sollte ausdrücklich auch Nichtgeimpften durch Testen dieselben Freiheiten in Restaurants, Cafés, Kinos, Konzertsälen und Theatern verschaffen wie Geimpften und von Covid-19 Genesenen. Der wirksamste Anreiz zum Impfen war mit dieser Gleichstellung aller drei Gruppen aber verschenkt.

          Vorbild Dänemark

          Weil die Impfquote stagniert und die Zahl der jetzt zumeist jüngeren Covid-Patienten in den Krankenhäusern wieder deutlich steigt, geht es plötzlich ganz schnell – aber wie schon oft in der Pandemie auch halbherzig. Es zeugt von Schwäche, dass Berlin und andere Länder es wie in Hamburg nun Gastwirten und Veranstaltern als Option überlassen, ob sie per Hausrecht die 2G-Regel anwenden oder weiter großzügig auch ungeimpfte Gäste hineinlassen. Der Staat wälzt eine schwierige Entscheidung auf Private ab, statt selbst zu handeln.

          Konsequent hat hingegen Baden-Württemberg entschieden. Bei einer zu hohen Belastung der Kliniken mit Covid-19-Patienten soll dort für die meisten Bereiche des öffentlichen Lebens die 2G-Regel gelten – aber nicht als freiwillige Option. Noch immer Zaudernden wird dadurch gezeigt, dass es ganz alltagspraktisch von großem Vorteil ist, sich impfen zu lassen. Wie die Rückkehr zur alten Normalität ohne Maske und Abstand zu neuer Lebensfreude führt, zeigen die Bilder aus Dänemark. Dort hat die Vernunft der Bürger über die Zweifler gesiegt und die Pandemie unter Kontrolle gebracht – mit einer Impfquote von mehr als 83 Prozent.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

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