https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/20-jahre-zif-deutschlands-friedensarmee-im-einsatz-18123635.html

Von Afrika bis zur Ukraine : 20 Jahre Einsätze für den Frieden

Auszubildende Polizisten der nigrischen Grenzschutzkompanie stehen nach einer Vorführung bei der zivile EU-Unterstützungsmission EUCAP Sahel Niger 2020. Bild: dpa

Das Deutsche Zentrum für Friedenseinsätze hat sich von einer politischen Schaufensterinstitution zu einem zentralen Koordinator der zivilen außenpolitischen Wirkungsmacht Deutschlands entwickelt. Nun wird es 20 Jahre alt.

          2 Min.

          Auch in einer Zeit, in der die Bundesregierung außenpolitische Tatkraft mit der Unterstützungslieferung von Panzern, mit Munitionshilfe und Ausbildungsangeboten für ukrainische Soldaten illustriert, gibt es noch andere Zahlen zum außenpolitischen Wirken. Etwa die Schar von fast 200 deutschen Einsatzkräften, die in rund 40 internationalen Friedenseinsätzen aktiv sind – von Afrika über den Irak bis in die Ukraine. Sie verkörpern die zivile Komponente des deutschen Engagements zur Eindämmung von internationalen Konflikten und werden von einem Hauptquartier geführt, das am Donnerstag den 20. Jahrestag seiner Gründung beging.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das „Zentrum für Internationale Friedenseinsätze“ (ZIF) wurde zu Zeiten der rot-grünen Koalition begründet und sollte nach dem Willen des damaligen Außenministers Joschka Fischer als ein bewusstes Gegenmodell zum seinerzeit von Washington geführten „Krieg gegen den Terror“ wirken. Damals fiel es der deutschen Außenpolitik leicht, sich mit eigenen, auch innovativen Methoden von militärisch-interventionistischen Aktionen anderer westlicher Staaten abzuheben.

          Das Zentrum hat sich innerhalb von zwei Jahrzehnten von einer politischen Schaufensterinstitution zu einem zentralen Koordinator der zivilen außenpolitischen Wirkungsmacht Deutschlands entwickelt. Mehr als 80 Mitarbeiter betreuen einen Pool von 1400 erfahrenen Fachkräften, die für alle Arten von Einsätzen mobilisiert werden können, als Wahlbeobachter in OSZE-Missionen, Aufbauhelfer für Justiz in afrikanischen UN-Einsätzen oder als zivile Sicherheitsberater in EU-Mandaten. Während in anderen westlichen Ländern die Rekrutierung, Ausbildung und Betreuung ziviler Stabilisierungskräfte meist von den Außenministerien besorgt wird, hat die deutsche Variante des ZIF vor allem in den skandinavischen Ländern Vorbilder und Mitstreiter.

          Die Leiterin der Koordinierungsstelle, Almut Wieland-Karimi, berichtet, anfangs sei man häufig auf der Suche nach „Politikwissenschaftlern mit Englischkenntnissen“ gewesen, heute rekrutiere das Zentrum etwa „französischsprachige Juristen, die fragile Staaten zu neuer Gesetzgebung beraten, oder Datenauswer­terinnen für Drohnenaufnahmen oder russischsprachige Beobachtende, die die Arbeit des Internationalen Strafgerichtshofs zu möglichen Kriegsverbrechen in der Ukraine unterstützen“.

          Zu ihnen zählt beispielsweise die Hamburger Staatsanwältin Sabine Arnold, die gegenwärtig für die UN in Südsudan unterwegs ist und dort mit mobilen Spezialgerichten über Land zieht, in denen traditionelles Stammesrecht und westliches Strafrecht verbunden wird, um ein stärkeres Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen zu erzeugen.

          Auch der Richter am Speziellen Strafgerichtshof in der Zentralafrikanischen Republik Volker Nerlich gehört dazu. Der ist eigentlich am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu Hause. Nerlich war vor vielen Jahren schon einmal in einer ähnlichen Funktion nach Kambodscha entsandt worden, nun soll er in dem afrikanischen Land durch seine Arbeit das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen stärken.

          Besonders beansprucht ist das ZIF in den vergangenen Jahren durch die OSZE-Sonderbeobachtungsmission in der Ukraine gewesen; viele deutsche Beobachter sind über das Zentrum dorthin vermittelt worden und haben dessen Arbeit mit ermöglicht. Die Mission war entlang der Trennlinie zwischen Separatisten und ukrainischen Soldaten die einzige transparente Quelle, die von 2014 bis zur Evakuierung im Februar dieses Jahres Tausende Verstöße gegen das Minsker Abkommen dokumentierte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tanzvideo von Sanna Marin : Darf eine Politikerin feiern?

          Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin tanzt ausgelassen mit Freunden, ein Video landet im Netz. Warum glauben manche, ihr Freizeitverhalten sage etwas über ihre Kompetenz?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.