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20.000 Klima-Demonstranten : Arbeiten am Image der deutschen Ökohauptstadt

Ein Meer an Demonstranten steht auf dem Platz der alten Synagoge in Freiburg. Bild: dpa

Mit mindestens 20.000 Teilnehmern erlebt Freiburg am Freitag wahrscheinlich die größte Demonstration seit 1945. Obwohl die Stadt ihren grünen Oberbürgermeister 2018 abwählte, pflegt die Stadt ihr Image als Öko-Hochburg.

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          Falls es in jüngster Vergangenheit kurzfristig Zweifel gegeben haben sollte, ob Freiburg noch die sonnigste und – politisch gesehen – grünste deutsche Großstadt ist, dann dürften sie an diesem Freitag beseitigt worden sein: Mehr als 500 Organisationen hatten zum Klimastreik aufgerufen. Ziel war es, 20.000 Demonstranten auf die Straßen zwischen dem Platz der Alten Synagoge an der Universitätsbibliothek und dem Rathausplatz zu bringen. Das sollte gelingen: Es kamen 20.000 Demonstranten und hinterließen die Innenstadt sogar noch sauber. Wahrscheinlich erlebte Freiburg am Freitag sogar die größte Demonstration seit 1945.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          2018 hatte der grüne Oberbürgermeister Dieter Salomon die Oberbürgermeisterwahl gegen den bis dahin unbekannten parteilosen Herausforderer Martin Horn verloren, worin manche ein Ende der grünen Erfolgsstory im Südwesten sehen wollten. Aber diese Prognosen sollten sich nicht bewahrheiten. Die Grünen im Südwesten stehen, pünktlich zu ihrem 40. Geburtstag, besser da als jemals zuvor: Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage würden die Grünen, wenn jetzt Landtagswahlen wären, 38 Prozent bekommen, die CDU nur 26 Prozent. Bleibt es bei diesen Umfragewerten, könnte ohne die Grünen gar keine Regierung gebildet werden.

          Die Diskussion über die Klimaschutzpolitik und die Beliebtheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gibt den seit 2011 regierenden Grünen zusätzlich Auftrieb – in Baden-Württemberg und auch in Freiburg, denn der grüne Oberbürgermeister wurde auch deshalb abgewählt, weil vielen Freiburgern seine Politik zu konservativ und nicht ökologisch genug war.

          Freiburger Straßenbahnen mit „Warming-Stripes“ beklebt

          Die Klimaschutzbewegung, das zeigt das Freiburger Beispiel, entwickelt sich sehr dynamisch: Viele Unterstützerorganisationen der Demonstration gründeten sich erst vor wenigen Tagen; der Freiburger Klimastreik wird unterstützt von „Lehrern für Zukunft“, „Unternehmern für Zukunft“, einem Netzwerk „solidarisches Gesundheitswesen“, „Psychologists for Future“, die auch die psychologischen Folgen des Klimawandels untersuchen, sowie von Künstlern und Unternehmern, die alle von der Bundesregierung verlangen, mehr gegen den Klimawandel zu tun. Seit dem 10. September sind die Freiburger Straßenbahnlinien mit den sogenannten „Warming-Stripes“ beklebt, die über hundert Jahre hinweg die – aufsteigende – Durchschnittstemperatur in der Stadt im Breisgau zeigen. Freiburg arbeitet also auch selbst an seinem Image und tut viel für den Ruf, die deutsche Ökohauptstadt zu sein.

          Oberbürgermeister Martin Horn, der als SPD-nah gilt, nannte die Demonstration ein „starkes Signal der Bürger“. Die zunächst von Jugendlichen getragene Klima-Protestaktion „Fridays for Future“ werde mittlerweile von allen Generationen mitgetragen, die Beteiligung sei generationenübergreifend. Die Organisationen schätzten die Teilnehmerzahl sogar auf 30.000 Demonstranten, das ist durchaus realistisch, denn selbst in Stuttgart, der Stadt von Porsche und Daimler, demonstrierten 20.000 Bürger.

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