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Papst spricht im Bundestag : „Politik muss Unrecht abwehren“

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Wulff wandte sich mit den Worten an den Papst, „angesichts ökologischer und wirtschaftlicher Krisen, angesichts von Unfrieden und Ungerechtigkeit in der Welt, angesichts von Erfahrungen persönlicher Unsicherheit und Entwurzelung“ wachse die „Sehnsucht nach Sinn“. Darin liege eine Chance und „eine große Verantwortung der Kirchen und Religionsgemeinschaften“. Seine persönliche Wertschätzung des Papstes kleidete der Bundespräsident in die Worte: „Ihre Aussagen zum Schutz der Schöpfung und des menschlichen Lebens, zum Umgang mit Fremden und Fremdem sind unendlich wertvoll als Mahnung zur Menschlichkeit in unserer Gesellschaft. Auch dafür danke ich Ihnen und allen engagierten Christen in unserem Land.“

Wulff stellt auch kritische Fragen

Kirche und Staat, so der Bundespräsident, seien in Deutschland zu Recht getrennt. Aber die Kirche sei keine Parallelgesellschaft, sie lebe mitten in dieser Gesellschaft. Daher sei es wichtig, dass Kirchen den Menschen nahe blieben und sich nicht auf sich selbst zurückzögen. „Was die christlichen Kirchen leisten in Diakonie und Caritas, in der Sorge um Arme und Schwache in unserem Land und überall auf der Welt, das ist einfach großartig und unverzichtbar für den Zusammenhalt,“ sagte Wulff.

Gleichwohl richtete er auch kritische Fragen an das Oberhaupt der katholischen Kirche: „Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden?“

Wie Bundestagspräsident Lammert zeigte sich auch der Bundespräsident erfreut, dass der Papst am Freitag das Gespräch mit den Vertretern der evangelischen Kirchen sucht. „Ich bin überzeugt: Das Trennende bedarf der Begründung, nicht das Gemeinsame. Deswegen haben wir noch sehr viel tun.“ Im Anschluss an die Begrüßung zogen sich der Bundespräsident und der Papst zu einem Gespräch unter vier Augen zurück. Am frühen Nachmittag hielten dies Bundeskanzlerin Merkel und Benedikt XVI. ebenso.

Messe im Olympiastadion

An die Rede im Deutschen Bundestag schloss sich am Abend ein Gottesdienst im Berliner Olympiastadion mit 70.000 Teilnehmern an. Zuvor kam es jedoch zu einer Begegnung des Papstes mit Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in Deutschland. Währenddessen bezeichnete Benedikt XVI. den „Weg des Dialogs, der Brüderlichkeit und der Freundschaft“ der katholischen Kirche mit dem jüdischen Volk als „unwiderruflich“. Dankbar zeigte sich der Papst auch für das „Aufblühen jüdischen Lebens“ in dem Land der Shoah. Den Theologen auf beiden Seiten stellte Benedikt die Aufgabe, nach Jahrhunderten des Gegeneinanders die christliche und die jüdische Lektüre der Bibel miteinander in Beziehung zu setzen. Für Christen könne es keinen Bruch im Heilsgeschehen geben. „Das Heil kommt nun einmal von den Juden.“ Wo der Konflikt Jesu mit dem Judentum als eine Loslösung vom Alten Bund gesehen werde, da gelte die Thora nur als sklavische Folge von Riten. Tatsächlich hebe aber die Bergpredigt das mosaische Gesetz nicht auf, sondern enthülle erst seine verborgenen Möglichkeiten.

Der Sprecher des Vatikan Fecerico Lombardi zog am Donnerstag ein erstes Resumée der Reise: „Der Papst ist sehr zufrieden mit den ersten Begegnungen in seiner Heimat. Dies ist ein guter Anfang.“

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