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Plagiatsvorwürfe : Täuschungsvorwurf nicht geprüft

Bild: Georg Koester

Die Universität Bayreuth hat ein rechtliches Verfahren gefunden, den Doktortitel rasch zu entziehen. Die Prüfung auf vorsätzliche Täuschung durch die Universitätskommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ wird noch mehrere Wochen dauern.

          Niemand konnte damit rechnen, dass die Universität Bayreuth Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg den Doktorgrad so rasch entzieht. Nach der Bundestagsdebatte über die Plagiatvorwürfe in dessen Dissertation teilte die Promotionskommission der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät am Mittwochabend nach einer zwei Tage dauernden Sitzung mit, dass sie beschlossen habe, den Doktorgrad zurückzunehmen. „Die benutzte Literatur und sonstige Hilfsquellen sind vollständig anzugeben; wörtlich oder nahezu wörtlich dem Schrifttum entnommen Stellen sind kenntlich zu machen“, heißt es in der Promotionsordnung der Fakultät. Die Kommission habe sich davon überzeugt, dass „Guttenberg gegen diese wissenschaftlichen Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen hat“, heißt es in der Begründung. Die wörtliche oder sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstoße nach der Rechtsprechung gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens und schließe die Annahme einer Arbeit als Dissertation im Regelfall aus. Stellten sich solche Mängel, wie im vorliegenden Fall, erst nachträglich heraus, könne der Doktorgrad auf der Grundlage des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes (Artikel 48) zurückgenommen werden. So die Begründung der Prüfungskommission.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Präsident Bormann verteidigt die rasche Entscheidung im Gespräch mit dieser Zeitung mit der Begründung, dass erhebliche Irritationen in der Wissenschaft entstanden sei und man weiteren Schaden von ihr habe abwenden wollen. Die Kritik an der Halbherzigkeit der Bayreuther Entscheidung will er nicht gelten lassen. Bormann bestreitet auf Nachfrage auch, dass es Absprachen mit dem Minister über ein glimpfliches Vorgehen gegeben habe und dem Minister sogar die Möglichkeit eines brieflichen Schuldeingeständnisses unterbreitet wurde.

          „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ prüft Täuschung

          Schließlich hatte der Minister in einem Brief, der pikanterweise mit dem Briefkopf des Verteidigungsministeriums an die Universität Bayreuth gerichtet wurde, darum gebeten, die Verleihung des Doktorgrades zurückzunehmen, weil ihm „bei der Erarbeitung gravierende handwerkliche Fehler unterlaufen sind, die ordnungsgemäßem wissenschaftlichen Arbeiten widersprechen“. Eine abschließende Stellungnahme - so der vielbeschäftigte Minister - könne er noch nicht abgeben, aber er habe zu keinem Zeitpunkt vorsätzlich oder absichtlich getäuscht. So weit die schriftliche Stellungnahme, die er nur auf seinem privaten Briefpapier hätte abgeben können.

          Die Frage, ob Guttenberg vorsätzlich getäuscht hat, beschäftigt die Universität Bayreuth weiter - und wohl noch über einige Wochen. Die Universitätskommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, die ihre Arbeit schon am Mittwoch vergangener Woche aufgenommen hat, wird prüfen, ob es möglich ist, Guttenberg vorsätzliche Täuschung nachzuweisen. Sie werde sich mit Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens und der Weiterentwicklung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis befassen und Guttenberg wohl auch anhören, falls ihr die schriftliche Stellungnahme noch nicht genüge, kündigte Präsident Bormann an. Die Annahme einer Dissertation sei ein Verwaltungsvorgang, der zurückgenommen werden könne, wenn der Verwaltungsakt durch Angaben erwirkt wurde, die „in wesentlicher Beziehung unrichtig oder unvollständig waren“ (Artikel 48, Bayerisches Verwaltungsverfahrensgesetz). Die Dissertation zu Guttenbergs hätte nie angenommen werden dürfen, deshalb sei es auch möglich, die Annahme zurückzunehmen.

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