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Plagiats-Affäre : Guttenberg brauchte Sondergenehmigung für Promotion

  • Aktualisiert am

Guttenberg kommt am Montag zur CSU-Vorstandssitzung Bild: dapd

Zu Guttenberg konnte nur mit einer Ausnahmegenehmigung promovieren, weil er in seinem Examen nur die Note „befriedigend“ erreichte. Guttenbergs Doktorvater bezeichnete die Aberkennung des Doktortitels als notwendige Folge einer Promotionsschrift mit „unvorstellbaren Mängeln“.

          Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) konnte nur mit einer Ausnahmegenehmigung promovieren. Da er in seinem Examen die Note „befriedigend“ und nicht „vollbefriedigend“ erreichte, brauchte er eine Genehmigung des damaligen Dekans Karl-Georg Loritz, der Vorsitzender der JU der CSU der bayerischen Kreisstadt Schwandorf war und erst im Januar dieses Jahres beim Neujahrsempfang der Schwandorfer CSU als Festredner sprach. Loritz hat den Lehrstuhl für Bürgerliches, Steuer- und Arbeitsrecht inne und ist Leiter der Forschungsstelle für deutsches und internationales Unternehmenssteuer- und Kapitalanlagerecht an der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Bayreuth.

          Die Sondergenehmigung für eine Promotion wurde in Bayreuth offensichtlich nicht selten dann erteilt, wenn der Examenskandidat mindestens zwei Seminarscheine mit der Note „gut“ vorweisen konnte. Nach Informationen der Zeitung „Der Tagesspiegel“ soll Guttenberg die dazu nötigen Scheine gehabt haben. Der amtierende Dekan der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät verweigert die Auskunft zum Zulassungsverfahren aus Datenschutzgründen.

          Nach Angaben der im Jahre 2006 gültigen Promotionsordnung mussten noch zwei weitere Professoren zustimmen; das waren zu Guttenbergs Doktorvater, der Staatsrechtler Peter Häberle und der Zweitgutachter der Arbeit der Europarechtler Rudolf Streinz. Streinz sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, er habe zugestimmt, weil die dazu erforderlichen Seminarscheine vorgelegen hätten. Streinz, der seit 2005 Vertrauensdozent der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung ist, lehrt inzwischen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zuvor war er 13 Jahre lang in Bayreuth tätig.

          Häberle: Promotionsschrift mit „unvorstellbaren Mängeln“

          In einer schriftlichen Stellungnahme bezeichnete Häberle am Montag die Aberkennung des Doktortitels als notwendige Folge einer Promotionsschrift mit „unvorstellbaren Mängeln“. Er habe den Werdegang der Arbeit wie bei all seinen Doktoranden ohne jede äußere Beeinflussung nach besten Kräften betreut und werde als Wissenschaftler alles ihm Mögliche zur Aufklärung beitragen.

          Wörtlich schreibt Häberle: „Mit sehr großem Bedauern habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände der von mir betreuten Promotion von Herrn K.-T. zu Guttenberg den Ruf der Universität Bayreuth in der öffentlichen Diskussion in Misskredit zu bringen geeignet sind. Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel. Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war. Die Aberkennung des Doktortitels war die notwendige Folge. In meiner ersten spontanen und letztlich zu vorschnellen Reaktion konnte ich - ohne Detailkenntnis der konkreten Vorwürfe - das Ausmaß nicht absehen. Im Blick auf die Originalität der Fragestellung und die Intensität der inhaltlichen Ausarbeitung hielt ich jede Form eines Vorwurfs für ausgeschlossen - zumal Herr zu Guttenberg stets zu meinen besten Seminarstudenten gehörte. Ich habe den Werdegang seiner Arbeit wie bei all meinen Doktoranden ohne jede äußere Beeinflussung nach besten Kräften betreut. Ich werde auch weiterhin als Wissenschaftler alles mir Mögliche zur erforderlichen Aufklärung der Umstände durch die Gremien der Universität beitragen.“

          Guttenberg: Debatte beeinträchtigt nicht meine Amtsführung

          Guttenberg versicherte derweil, im Amt bleiben zu wollen. Die Debatten über die Plagiatsaffäre beeinträchtigten ihn nicht in seiner Amtsführung, sagte er am Montag in München. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Äußerungen von Regierungssprecher Seibert der Auffassung, Guttenberg solle und könne sein Amt „weiterhin uneingeschränkt“ ausüben. „Daran hat sich nichts geändert in den letzten Tagen.“ Doch sagte Seibert auch, Frau Merkel könne „durchaus“ Erregungen und verletzte Gefühle in der Wissenschaft über Guttenbergs Doktorarbeit verstehen. Sie komme aber zu einem anderen politischen Schluss.

          In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU): „Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. Und das wird Karl-Theodor zu Guttenberg nicht anders gehen.“ Doch sagte Frau Schavan auch: „Er hat eine zweite Chance verdient.“

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