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Mit Guttenberg in Afghanistan : An zwei Fronten

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Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (rechts) während seines Besuches der Bundeswehrtruppen in Afghanistan bei einem Scharfschützen Bild: Berthold Kohler, F.A.Z.

Reisen in Kriegsgebiete sind nie ganz ohne Risiko, das weiß auch der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg. In Afghanistan aber erfasst ihn die Druckwelle eines Sprengsatzes, auf den er nicht vorbereitet war. Er hatte ihn selbst gelegt. Eine Reportage von Berthold Kohler.

          Ein Bauer pflügt mit einem Ochsengespann sein Feld, Meter um Meter, Furche um Furche. Ein Mopedfahrer knattert mit flatterndem Gewand vorbei. Von Osten her tippelt eine Gruppe verschleierter Frauen heran. In der Luft liegt ein Hauch von Frühling. Wo, bitte, ist hier der Krieg?

          Er ist hier, nur verleugnet er sich gerade. Der Bauer könnte in der nächsten Sekunde die Gerte wegwerfen und eine Panzerfaust aus dem Graben holen. Der Mann auf dem Zweitakter könnte eine selbstgebaute Bombe unter der Straße zünden, wenn der nächste Konvoi vorbeifährt. Unter die Verschleierten könnte sich ein Selbstmordattentäter gemischt haben, der sich mit dem nächstbesten Bundeswehrsoldaten in die Luft sprengt. Alles hier und anderswo schon unzählige Male geschehen in Afghanistan.

          Noch am selben Tag geht in der Gegend wieder eine versteckte Bombe hoch und tötet zwei Afghanen. Der Krieg hat nur pausiert im Winter, um Luft zu holen für das Frühjahr und den Sommer. Auf den staubigen Hügeln zeigt sich schon ein erster Schimmer von Grün.

          Blick von der Höhe 432, einem vorgeschobenen Stützpunkt der Bundeswehr bei Kundus: Der Verteidigungsminister besichtigt die Stellung und spricht mit den Soldaten

          Die afghanische Ruhe vor dem Sturm

          Das ist die afghanische Ruhe vor dem Sturm, die Verteidigungsminister zu Guttenberg nutzen will, um nach seiner Truppe auf Höhe 432 zu sehen. Dort verteidigen fünfzehn Mann in einer schwer befestigten Stellung, die an Ernst Jüngers Beschreibungen der Gräben und Unterstände im Ersten Weltkrieg erinnert, Deutschland am Hindukusch. Der vorgeschobene Posten, nur eine Handvoll Kilometer vom Feldlager Kundus entfernt, ist Sandsack gewordener Zeuge des Strategiewechsels der Bundeswehr, den Aufständischen Gebiete nicht nur abzunehmen, sondern sie zusammen mit den Afghanen auch zu halten.

          Im vergangenen Jahr gab es hier und in der Umgebung noch schwere Gefechte mit den Insurgenten. An diesem sonnigen Februartag aber herrscht tiefster Frieden rund um die Anhöhe, gestört nur von dem Moped und anfliegenden Hubschraubern.

          Für den Minister ist die Hauptkampflinie viereinhalbtausend Kilometer entfernt

          An diesem Tag ist die Hauptkampflinie weit weg, vor allem für den Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt. Für ihn verläuft sie in viereinhalbtausend Kilometern Entfernung. Eine unter den gegebenen Umständen unheimlich große Distanz, im doppelten Sinn des Wortes. Keines der Echtzeit-Aufklärungsmittel, das der Bundeswehr am Hindukusch zur Verfügung steht, kann ihm sagen, was gerade hinter dem Horizont im Westen vorgeht. Nur über das Mobiltelefon erfährt der Minister von der stündlich fortschreitenden Eskalation an der Heimatfront.

          Als Guttenberg am Mittwochmittag nach der Kabinettssitzung in den Luftwaffen-Airbus steigt, der ihn ins usbekische Termes bringen soll, ist auf dem Schlachtfeld Berlin, das manchmal noch unüberschaubarer erscheint als das in Afghanistan, die erste Bombe schon geplatzt. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte in ihrer Mittwochausgabe berichtet, Guttenberg habe in seiner Dissertation Textteile von anderen Autoren übernommen, ohne sie im Anmerkungsapparat als solche auszuweisen. Das nennt man Plagiat. Ein Vorwurf, der für einen Vorzeigepolitiker wie Guttenberg, den viele als ein Musterbeispiel von Korrektheit und Anstand verehr(t)en, sehr gefährlich werden kann.

          Es ist ein Sprengsatz aus der Vergangenheit, mit dem der zuletzt schon mehrfach, wie man bei der Truppe sagen würde, „angesprengte“ Minister wohl am wenigsten gerechnet hatte. Er hat ihn, nach allem was bekannt wurde, selbst gelegt. Ein Sprengsatz, der sich nicht durch die Entlassung oder Suspendierung von Untergebenen entschärfen lässt. Noch weiß Guttenberg nicht, dass eine ganze Serie von Sekundärexplosionen folgen wird.

          Andere bekämen in dieser Lage Angst vorm Fliegen

          Mancher seiner Berufsgenossen bekäme in dieser Lage Angst vorm Fliegen. Der Verteidigungsminister aber hält an seiner schon vor Wochen geplanten Afghanistan-Reise fest, schon seiner zehnten; alle zwei Monate, so hat er es sich vorgenommen, will er dort sein. Dennoch ist am nächsten Tag in der deutschen Presse von einer „Flucht“ die Rede. Er ist in einer Lage, in der man als Politiker kaum noch gewinnen kann. Mit einer Absage der Reise hätte er der Affäre ein Gewicht gegeben, das jedenfalls er ihr nicht geben wollte. Der Vorwurf, wegen des Skandals vernachlässige er nun auch noch seine Dienstpflichten, wäre schnell zur Hand gewesen.

          Tatsächlich ist es wohl eine Mischung aus seinem an Sturheit grenzenden Amts- wie Pflichtverständnis und seiner Empörung über den Vorwurf, er sei ein (mit Vorsatz handelnder) Plagiator, die ihn die Explosivität der Sache unterschätzen lässt. Es könne sein, dass er die eine oder andere Fußnote nicht korrekt gesetzt habe, sagt Guttenberg im Flieger, was er auch seinen Sprecher in Berlin erklären lässt. Unter den Akten, die sein Adjutant ihm reicht, ist die Doktorarbeit nicht. Nie habe er sich so auf eine Reise an den Hindukusch gefreut wie dieses Mal, scherzt Guttenberg noch über die ihm nachjagenden Schlagzeilen, als das Flugzeug das Schwarze Meer überfliegt.

          „Ehefrau und Talkmaster waren wohl des Guten zu viel“

          Dabei wollte er dieses Mal gar keine machen. Das extrem zwiespältige Echo auf seine Reise in der Vorweihnachtszeit, als er seine Ehefrau, den Talkmaster Kerner und einen ganzen Tross von Kameraleuten mit an den Hindukusch nahm, hat er nicht vergessen. Man muss lange nach einem Soldaten in Afghanistan suchen, der den Besuch von Frau zu Guttenberg nicht gut fand. Allerdings bemerkte auch kaum einer, dass in Guttenbergs Gefolge noch zwei leibhaftige Ministerpräsidenten waren, die im Trubel völlig untergingen.

          In Deutschland jedoch sahen Feinde und Parteifreunde, aber auch ihm Wohlgesinnte in diesem Auftritt den Gipfel der Selbstinszenierung, der vor dem Fall kommt. Das war der Moment, in dem die Bahn seines raketenhaften Aufstiegs brach, weil in diesen Sphären die Luft zu dünn ist zum dauerhaften Überleben. Guttenberg sagt, die Kombination Ehefrau und Talkmaster sei wohl des Guten zu viel gewesen; er sagt, er hätte besser daran getan, bei dieser Gelegenheit auf die Talkshow zu verzichten.

          Gegenentwurf zur Guttenberg-Show vom Dezember

          Die zehnte Reise sieht denn auch wie ein Gegenentwurf zur Guttenberg-Show vom Dezember aus. Diesmal begleiten ihn, mit einer Ausnahme, keine Journalisten. Selbst sein Sprecher Moritz bleibt in Berlin zurück. Dabei gäbe es diesmal für die Fernsehleute „Atmo“ mit Guttenberg im Felde ohne Ende. Er fliegt zu einem vorgeschobenen Stützpunkt südlich vom Feldlager Kundus, den selbst er noch nicht besucht hat. Dort draußen, wo der Krieg in Afghanistan auch den Deutschen sein wahres Gesicht zeigt, war noch kein Minister.

          Er muss dafür auf dem nächtlichen Flugfeld von Mazar-i-Sharif in amerikanische „Black Hawk“-Hubschrauber umsteigen, die ihn zum OP North in den umkämpften Bezirk Baghlan bringen sollen. Mit den abgedunkelten „Black Hawks“, in denen nur die Instrumentenbeleuchtung und das fahle grüne Licht der Nachtsichtgeräte die Konturen von Helmen und Maschinenwaffen erkennen lassen, werden sonst die Kommandoeinheiten, auch deutsche, zu ihren Spezialeinsätzen geflogen. Die Maschinen sind schneller und leiser als die deutschen Transporthubschrauber, die nachts ohnehin nicht fliegen dürfen. Sie huschen über ein schwarzes Land, von dem man glaubt, es irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Das Schild im Lager, das die Aufschrift „Helms Klamm“ trägt, verrät einem später, wo.

          Ein großes rotes Licht, das über der Festung regelmäßig in der Finsternis aufflammt, verwischt weiter die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Taliban-Country und Tolkien. Das Licht gehört, wie sich am Morgen herausstellt, zu einem Fesselballon, von dem aus, so falsch war die erste Assoziation nicht, ein großes und vor allem scharfes Auge alles sieht, was sich im Umkreis von zehn Kilometern bewegt. Sind „böse Jungs“ dabei, wie der amerikanische Operator in seinem Container sagt, dann schickt er ihnen eine „Hellfire“-Rakete. „And no more bad guys“, sagt der Mann trocken, unter Vorführung des entsprechenden Bildmaterials.

          Er lässt sich nichts anmerken, er macht seinen Job

          Als Guttenberg kurz vor Mitternacht in dieser Festung landet, deren weitläufige Ausläufer sich auf die umliegenden Hügel schmiegen wie die israelischen Stellungen im Westjordanland, weiß er schon, dass die Affäre in Deutschland eine noch größere Dimension angenommen hat. Es sind weitere Stellen in seiner Dissertation gefunden worden, die von anderen stammen, als solche aber nicht gekennzeichnet worden sind. Wittert er jetzt, im wahren Kriegsgebiet angekommen, Brandgeruch?

          Er lässt sich jedenfalls nichts anmerken. Er macht, wie man so sagt, seinen Job: Der Minister besucht seine Soldaten. Bis kurz vor zwei Uhr morgens redet er mit Feldwebeln und Offizieren des Feldlagers, anderthalb Stunden länger als vorgesehen. Fragt, was fehlt, was besser gemacht werden könnte, wo Gefahren liegen. Lässt sich eine Abstumpfung im Umgang mit der Waffe feststellen, hier draußen, wo die Soldaten tatsächlich mit dem Sturmgewehr ins Bett gehen? Gesprächsstoff gibt es mehr, als allen lieb ist. Es war im OP North, wo kurz vor Weihnachten ein Soldat durch die Kugel eines Kameraden ums Leben kam. Auf Patrouille hielt später ein anderer Soldat dem Nebenmann seine Waffe an den Kopf.

          Es ist noch nicht sicher, dass Baghlan gehalten werden kann

          Guttenberg spricht sich auch hier, im Kreise seiner Soldaten, für eine rückhaltlose Aufklärung der Vorfälle aus. Er sagt aber auch, dass er das Bild, das aufgrund dieser Ereignisse mitunter in Deutschland von der betroffenen Truppe gezeichnet werde, nicht für angemessen halte. Er bescheinigt den Soldaten, unter schwersten Bedingungen hervorragende Arbeit zu leisten.

          Schon die nachfolgenden paar Stunden auf dem Feldbett in einem nur mäßig beheizten Zelt, das Guttenberg mit einem General teilt, vermitteln einen ersten Eindruck davon, dass vier bis sechs Monate in dieser Wagenburg, in der im Sommer über vierzig Grad herrschen, alles andere als ein Camping-Urlaub sind. Die Bundeswehrsoldaten sind wie Amerikaner, Ungarn und andere hier, um Aufständische nachhaltig aus dem „Highway Triangle“ zu vertreiben, in dem wichtige Fern- und Nachschubstraßen zusammenlaufen. Im Zuge des neuen „Partnering“-Konzepts suchen sie, wie die anderen Verbündeten, zusammen mit der afghanischen Armee den Taliban einen Gebietsstreifen nach dem anderen abzunehmen und zu halten. Es ist noch nicht ausgemacht, ob das in hart umkämpften Regionen wie Baghlan auch gelingt. Die Kommandeure im unter deutscher Führung stehenden Nordsektor Afghanistans befürchten, dass die Aufständischen zu einer Frühjahrsoffensive antreten werden, der sie zuvorkommen wollen.

          Die Panzerhaubitze thront über allem

          Seit den Karfreitagsgefechten im vergangenen Jahr hat die Bundeswehr ein halbes Dutzend Soldaten im früher einmal „ruhigen Norden“ durch Feindeinwirkung verloren. Obwohl mehr und besser gepanzerte Fahrzeuge nach Afghanistan gebracht worden sind, Maschinenwaffen mit größeren Kaliber angeschafft wurden und auch im OP North eine Panzerhaubitze über allem thront, die den Soldaten noch in vierzig Kilometern Entfernung Feuerschutz gibt, ist der Tod ein ständiger Begleiter der Soldaten. Am wenigsten fürchten sie die offene Feldschlacht, für die sie ausgebildet sind und aus der sie, auch der besseren Bewaffnung halber, regelmäßig als Sieger hervorgehen. Unberechenbar aber bleibt der hinterhältige Anschlag.

          Ihm fiel in Baghlan zuletzt - wie schnell und dramatisch sich das ändern wird, weiß an diesem Tag noch keiner - der 26 Jahre alte Sanitäts-Oberfeldwebel Pauli zum Opfer. Ein als Bauer verkleideter Selbstmordattentäter riss ihn im Herbst mit in den Tod. Vierzehn weitere Soldaten wurden verletzt. Für Pauli meißelten seine Kameraden eine Gedenkstätte aus dem afghanischen Lehm, der oft genug selbst ihren Maschinengewehrgarben trotzt: ein Memento mori in der Steppe Afghanistans. Als Guttenberg zu ihr hinaufgeht, wird sie auch noch zu einem Symbol für die Vergänglichkeit alles Politischen, jedenfalls für jene, die wissen, was gerade in Berlin los ist.

          Es zählen Großwildtrophäen - wie der Kopf Guttenbergs

          Auf dem Rückflug dorthin ist klar, dass Guttenberg nicht mehr in das Deutschland zurückkehrt, das er nur knapp dreißig Stunden vorher verließ. Das Land, das ihn - er hat sich nicht dagegen gewehrt - als Helden adoptiert hatte, scheint plötzlich seiner überdrüssig geworden zu sein. Kommentatoren, die vor kurzem dem nächsten Kanzler noch „Hosianna!“ zuriefen, fordern jetzt seine Kreuzigung - nein, nur seinen Rücktritt, so weit reicht der Mut dann doch noch nicht.

          Diesen Verlauf des Guttenberg-Epos hatte ihm mancher vorhergesagt. Kometen verlieren bei jedem Umlauf um die Sonne Substanz. Vielversprechende Politiker werden, auch von den Medien, gerne in den Himmel gehoben, damit die Fallhöhe umso größer ist, wenn sie gestürzt werden können. Auch im friedliebenden Deutschland zählen Großwildtrophäen noch etwas, nur die von Köhler wollte sich keiner an die Wand hängen. Vom beruflichen wie vom privaten Glück verwöhnte Menschen haben gewöhnlich noch mehr Neider als Verehrer, gemeint sind die echten. Das alles wusste er. Warum also hat der Freiherr den Ballon, an dem er hing, hin und wieder mit ein paar Feuerstößen sogar noch weiter nach oben gejagt, statt sich Bleigewichte an die Füße zu binden?

          Der Schlag trifft ihn tief und unvorbereitet

          Guttenberg sagt, er habe stets versucht, er selbst zu bleiben. In diesem Satz steckt bei näherer Betrachtung mehr Erklärkraft als in ellenlangen Versuchen, dem „Phänomen“ auf die Spur zu kommen. Guttenberg hält schon den Begriff für falsch. Er habe die Hoffnung gehabt, dass sich die Ausschläge in der Bewertung seiner Person eines Tages auf ein normales Maß einpendeln würden. Der Schlag jetzt traf ihn tief und unvorbereitet. An Zufall glauben Politiker in solchen Situationen nicht. Die Linien in seinem Gesicht sind dunkler geworden, nicht nur der kurzen Nacht im Feldlager halber. Im Flugzeug telefoniert er mit seiner Frau, die ihm berichtet, dass auch die Kinder schon wüssten, was los ist. Das bedrückt ihn. Er sieht in diesem Moment aus wie ein Mann, der sich fragt, ob und wie lange er sich und seiner Familie das alles noch antun muss.

          Doch warum ist der dann an die Front nach Afghanistan geflogen, statt auf dem Dachboden der Burg nach seinen Promotionsunterlagen zu suchen? Weil er, wie er am Tag nach seiner Rückkehr erklärt, eine „historische Bundeswehrreform“ eingeleitet hat und „die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz (trägt), wie ein Ereignis an dem heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt“.

          Dort, wo Guttenberg am Donnerstag noch den Sanitätsbereich mit zwei Operationstischen und die Hühnerzucht eines weiblichen Oberfeldwebels besichtigte, schießt am Freitag ein Mann in afghanischer Armeeuniform um sich. Er tötet drei Bundeswehrsoldaten und verletzt sechs weitere. Noch am Vortag sagt der Adjutant des Ministers, er fürchte, die häufigen Reisen seines Chefs nach Afghanistan seien schon zu berechenbar geworden. Der Gegner, das hört man am Hindukusch überall, sei über vieles ziemlich gut informiert.

          Blut ist im Wasser

          Schmeißt ein Minister, der in der Truppe nach wie vor hohes Ansehen genießt, in solchen Zeiten und unter solchen Umständen hin, wenn er selbst unter Feuer gerät, wenn auch nur innenpolitisches, aber doch aufgrund eigenen Verschuldens? Das entspricht nicht Guttenbergs Amtsverständnis und Pflichtbewusstsein. Die Zeiten, in denen er das offen sagen konnte und danach für solch „edle“ Gesinnung gelobt wurde, sind jedoch vorbei. Der überirdische Edelmann hat sich als fehlbar erwiesen. Blut ist im Wasser, das lässt in deutschen Gewässern sogar noch Rotaugen zu Haien anwachsen. Wie bei der Verehrung wird jetzt auch bei der Verfolgung keine Gnade gewährt werden.

          Guttenberg will aber selbst noch bei der Landung nicht ganz vor dem Ausnahmezustand kapitulieren, der ihn unter der geschlossenen Wolkendecke Berlins erwartet. Bis zum Aussteigen hält er daran fest, den für den Abend eingeplanten Wahlkampfauftritt in Sachsen-Anhalt auch wahrzunehmen. Doch dann erreicht ihn ein Anruf der Kanzlerin, die ihn sprechen will. Er hat, als er ins Kanzleramt eilt, noch die Montur an, die er im Feldlager trug. Der Schlamm Afghanistans, der an den Stiefeln hängt, ist zäh, aber einer deutschen Wurzelbürste nicht gewachsen. Guttenberg jedoch haftet jetzt etwas an, das zeit seiner politischen Laufbahn an ihm kleben bleiben wird.

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