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Mit Guttenberg in Afghanistan : An zwei Fronten

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Er muss dafür auf dem nächtlichen Flugfeld von Mazar-i-Sharif in amerikanische „Black Hawk“-Hubschrauber umsteigen, die ihn zum OP North in den umkämpften Bezirk Baghlan bringen sollen. Mit den abgedunkelten „Black Hawks“, in denen nur die Instrumentenbeleuchtung und das fahle grüne Licht der Nachtsichtgeräte die Konturen von Helmen und Maschinenwaffen erkennen lassen, werden sonst die Kommandoeinheiten, auch deutsche, zu ihren Spezialeinsätzen geflogen. Die Maschinen sind schneller und leiser als die deutschen Transporthubschrauber, die nachts ohnehin nicht fliegen dürfen. Sie huschen über ein schwarzes Land, von dem man glaubt, es irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Das Schild im Lager, das die Aufschrift „Helms Klamm“ trägt, verrät einem später, wo.

Ein großes rotes Licht, das über der Festung regelmäßig in der Finsternis aufflammt, verwischt weiter die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Taliban-Country und Tolkien. Das Licht gehört, wie sich am Morgen herausstellt, zu einem Fesselballon, von dem aus, so falsch war die erste Assoziation nicht, ein großes und vor allem scharfes Auge alles sieht, was sich im Umkreis von zehn Kilometern bewegt. Sind „böse Jungs“ dabei, wie der amerikanische Operator in seinem Container sagt, dann schickt er ihnen eine „Hellfire“-Rakete. „And no more bad guys“, sagt der Mann trocken, unter Vorführung des entsprechenden Bildmaterials.

Er lässt sich nichts anmerken, er macht seinen Job

Als Guttenberg kurz vor Mitternacht in dieser Festung landet, deren weitläufige Ausläufer sich auf die umliegenden Hügel schmiegen wie die israelischen Stellungen im Westjordanland, weiß er schon, dass die Affäre in Deutschland eine noch größere Dimension angenommen hat. Es sind weitere Stellen in seiner Dissertation gefunden worden, die von anderen stammen, als solche aber nicht gekennzeichnet worden sind. Wittert er jetzt, im wahren Kriegsgebiet angekommen, Brandgeruch?

Er lässt sich jedenfalls nichts anmerken. Er macht, wie man so sagt, seinen Job: Der Minister besucht seine Soldaten. Bis kurz vor zwei Uhr morgens redet er mit Feldwebeln und Offizieren des Feldlagers, anderthalb Stunden länger als vorgesehen. Fragt, was fehlt, was besser gemacht werden könnte, wo Gefahren liegen. Lässt sich eine Abstumpfung im Umgang mit der Waffe feststellen, hier draußen, wo die Soldaten tatsächlich mit dem Sturmgewehr ins Bett gehen? Gesprächsstoff gibt es mehr, als allen lieb ist. Es war im OP North, wo kurz vor Weihnachten ein Soldat durch die Kugel eines Kameraden ums Leben kam. Auf Patrouille hielt später ein anderer Soldat dem Nebenmann seine Waffe an den Kopf.

Es ist noch nicht sicher, dass Baghlan gehalten werden kann

Guttenberg spricht sich auch hier, im Kreise seiner Soldaten, für eine rückhaltlose Aufklärung der Vorfälle aus. Er sagt aber auch, dass er das Bild, das aufgrund dieser Ereignisse mitunter in Deutschland von der betroffenen Truppe gezeichnet werde, nicht für angemessen halte. Er bescheinigt den Soldaten, unter schwersten Bedingungen hervorragende Arbeit zu leisten.

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