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150 Jahre SPD : Alles, was Rang und Namen hat

  • -Aktualisiert am

Zwei für den Kandidaten: Steinbrück, Schatzmeisterin Hendricks und Gabriel Bild: Getty Images

Manch großes Jubiläen der Vergangenheit musste die SPD allein bestreiten, ohne die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane. Zum 150. Geburtstag sind alle gekommen: Der Präsident aus Frankreich, der Bundespräsident und die Kanzlerin.

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          Beim 150. Geburtstag lassen sich feuchte Augen nicht vermeiden. So oft ist an diesem Vormittag im Leipziger Gewandhaus an die großen Momente in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie erinnert worden, an Otto Wels’ Rede gegen das Ermächtigungsgesetz, an den Neuanfang nach 1945 unter dem von der KZ-Haft gezeichneten Kurt Schumacher, an den Warschauer Kniefall Willy Brandts, dass ein bereits bewegter Parteivorsitzender die Bühne betritt. Mit seiner nun folgenden Rede versetzt Sigmar Gabriel die Festgemeinde und sich selbst in einen Zustand noch tieferer Rührung. Das äußert sich zum Einen im donnernden Applaus des Publikums, zum Anderen darin, dass Gabriel immer wieder die Klatschsequenzen nutzen muss, um zum Taschentuch zu greifen. Die SPD habe gewiss nicht alles richtig gemacht in ihrer Geschichte, sagt Gabriel, „aber nie haben wir etwas getan, für was wir uns so sehr schämen mussten, dass wir unseren Namen SPD hätten ändern müssen“. Die SPD sei seit ihrer Gründung durch Ferdinand Lassalle in Leipzig „das Rückgrat der deutschen Demokratie“, „die demokratische Konstante in der deutschen Geschichte“.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Vier Monate vor der Bundestagswahl feiert die SPD sich selbst. Und es soll an diesem Ehrentag auch daran erinnert werden, dass es noch vor einiger Zeit nicht selbstverständlich gewesen sei, dass nicht nur befreundete Staats- und Regierungschefs aus dem Ausland, sondern auch die Vertreter der Bundesrepublik gekommen seien, um die Partei zu ehren. Als die SPD vor 50 Jahren ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert habe, hätten die Repräsentanten des Staates gefehlt, sagt Gabriel und blickt dabei in die erste Reihe des Publikums, wo die Vertreter der deutschen Verfassungsorgane sitzen. Auch heute gebe es noch harten Streit, aber keine Feindschaft mehr. Dann tappt er in eine selbstgestellte Falle, doch dazu später.

          Die Gegenwart der Bundeskanzlerin hat freilich zwiespältige Gefühle unter den Genossen hervorgerufen. Als Angela Merkel das Gewandhaus betritt, kommt es zu einer unvermeidlichen Begegnung: Die Amtsinhaberin schüttelt die Hand des Herausforderers, man blickt einander für den Bruchteil einer Sekunde in die Augen, dann schaut die Kanzlerin nach links, begrüßt Martin Schultz, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, sodann Gerhard Schröder, mit dem sie ein wenig plaudert. Peer Steinbrück setzt sich wieder auf seinen Platz.

          Ehrengäste: Angela Merkel und François Hollande

          Der SPD-Vorsitzende Gabriel versucht später dem Ganzen etwas Spielerisches zu verleihen: Vor seiner Rede ist die Urban Dance Company „Flying Steps“ leichtfüßig durch die Luft gewirbelt. Gabriel sagt nun, François Hollande, der französische Ehrengast, habe ihm gerade zugeflüstert, er solle jetzt das Gleiche machen. „Ich habe gesagt: Aber nur wenn Frau Merkel mitmacht.“ Wenig später begeht Gabriel eben jenen bereits erwähnten Freudschen Fehler: Der Vorsitzende der Partei, die im heraufziehenden Wahlkampf so sehr am präsidialen Regierungsstil der Kanzlerin verzweifelt, lobt gerade den Umstand, dass die Vertreter der Verfassungsorgane anders als 1963 der SPD ihre Ehre erwiesen: der Bundespräsident, der Präsident des Bundestages, die Frau Bundespräsidentin - wie bitte? Unruhe im Saal. Gabriel ist irritiert. Als er seien Fehler erfasst, reagiert er blitzschnell: Er sei wohl seiner Zeit voraus - „das jetzt aber keiner glaubt, dass sei bereits eine Verabredung“. Heiterkeit im Saal.

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