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Indien/Pakistan : Es wäre der vierte Krieg

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Traditionell bewacht: die indisch-pakistanische Grenze im umstrittenen Kaschmir. Bild: dpa

Seit der schmerzhaften Spaltung 1947 in das von Hindus dominierte Indien und das islamische Pakistan führten die beiden Staaten drei Mal Krieg gegeneinander.

          Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan um die Kaschmir-Region könnte zu einem Krieg führen, der über die beiden Länder hinaus Auswirkungen hätte. Dabei haben Indien und Pakistan eine lange gemeinsame Geschichte: viele Familien sind durch die 1800 Kilometer lange Grenze getrennt.

          Seit der schmerzhaften Spaltung 1947 in das von Hindus dominierte Indien und das islamische Pakistan wurden drei Kriege geführt und derzeit stehen die beiden Atommächte an der Schwelle zu einem vierten.

          Nach den Briten kam das Chaos

          Als die Briten die Region nach fast 200 Jahren Kolonialherrschaft verließen, herrschte Chaos. Die Moslems bekamen ihren eigenen Staat Pakistan, doch der bestand aus einem West- und einem Ostteil, zwischen denen 1600 Kilometer indisches Gebiet lagen. Diese Trennung entpuppte sich als Pulverfass - ebenso wie der Status der Region Kaschmir, die von Indien regiert, doch von Pakistan beansprucht wurde.

          Gandhi war gegen Teilung

          Mahatma Gandhi, der Führer der Unabhängigkeitsbewegung in der Region, hatte sich zunächst gegen die Idee von zwei Nationen gesträubt. Er willigte später ein, weil er hoffte, so Blutvergießen zu verhindern.

          Das Ende des Nebeneinanders von Moslems und Hindus bedeutete einen massiven gesellschaftlichen Umbruch. Millionen von Menschen zogen von einem neuen Land in das andere. Auch die Familie des derzeitigen pakistanischen Militärmachthabers General Pervez Musharraf zog von Neu-Delhi nach Pakistan.

          Tiefes Bedürfnis nach Freundschaft

          Entgegen der Hoffnung Gandhis kam es doch zu Blutvergießen. Rund eine Million Hindus, Moslems und Sikhs wurden bei Aufständen getötet. Es gibt viel Hass bei den Menschen, die Opfer der Gewalt wurden oder Familienmitglieder verloren haben, wie die indische Autorin Urvashi Butalia berichtet. „Was häufig nicht zur Kenntnis genommen wird, ist aber das tiefe Bedürfnis nach Freundschaft“, sagt Butalia. „Wir haben die gleiche Kultur - trotz allem. Die Bindung ist eng, deswegen ist auch der Schmerz so groß.“

          „Die Inder sehen die Teilung als großen Verlust, während man hier in Pakistan stolz darauf ist“, sagt Mubarak Ali, ein führender pakistanischer Historiker. Man habe nicht nur die Unabhängigkeit von den Briten erlangt, sondern auch gegen den Widerstand der Hindus eine eigene Heimat geschaffen.

          Drei Kriege und immer wieder Kaschmir

          Der erste Krieg zwischen Indien und Pakistan brach nur ein Jahr nach der Teilung aus - Auslöser: Kaschmir. Der hinduistische Prinz von Kaschmir bat Indien um militärische Hilfe, nachdem pakistanische Soldaten in die Himalaya-Region eingedrungen waren. Eine UN-Resolution beendete den Krieg. Indien erklärte sich bereit, das kaschmirische Volk, das von Moslems dominiert wurde, über die Staatszugehörigkeit der Region entscheiden zu lassen. Das ist bis heute nicht geschehen.

          „Symbolische Konfrontation“

          Während Indien seit der Unabhängigkeit - von einer zweijährigen Unterbrechung abgesehen - immer demokratisch war, wurde Pakistan immer wieder von islamischen Fanatikern erschüttert und pendelt zwischen Wahlen und Militärherrschaft.

          Der indische Historiker Bipan Chandra sieht im Kaschmir-Konflikt eine symbolische Konfrontation des religiösen Pakistans und des weltlichen Indiens. „Solange Pakistan keine andere Basis als die Religion für den Status seiner Nation findet, werden die Spannungen nie aufhören.“

          Ostpakistan wurde zu Bangladesch

          Im Jahr 1965 kämpften Indien und Pakistan zum zweiten Mal um Kaschmir. Der dritte Krieg führte schließlich zum Auseinanderbrechen von Pakistan. 1971 brach ein Bürgerkrieg zwischen Ost- und Westpakistan aus. Indien griff beide Teile Pakistans an. Schließlich erklärte sich Ostpakistan unabhängig und wurde zum heutigen Bangladesch.

          Teilung Kaschmirs

          1972 legten sich die Spannungen, weil beide Seiten sich bereit erklärten, eine Demarkationslinie zu respektieren, die Kaschmir teilte und zwei Drittel der Region Indien zusprach. 1990 eskalierte die Lage abermals, wieder ging es um Kaschmir, ein Krieg konnte allerdings in letzter Minute abgewendet werden.

          Grund für die jüngste Eskalation ist der Anschlag auf das indische Parlament in Neu-Delhi am 13. Dezember. Indien macht Pakistan dafür verantwortlich. Der anschließende Truppenaufmarsch an der Grenze war der größte seit 1971.

          Trotz gegenseitiger Drohungen gibt es aber auch Hoffnung auf Entspannung. Der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee betont, dass sein Land keinen Krieg wolle. Pakistan ließ mehrere militante Moslems verhaften, die möglicherweise in den Anschlag verwickelt waren.

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