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Familienpolitik : In Frankreich machen Mütter Karriere

  • -Aktualisiert am

Französische Kinder sind selten allein zu Haus Bild: dpa

Der Staat sorgt dafür, dass seine jüngsten Bürger ganztägig untergebracht sind.

          2 Min.

          Florence Parly ist ein gutes Beispiel. Die 37-Jährige wurde Anfang 2000 zur Staatssekretärin im französischen Finanzministerium befördert. Neun Monate später kam ihr Sohn Cyril zur Welt. Florence legte eine sechswöchige Babypause ein. Dann setzte sie sich wieder an den Schreibtisch. So, als sei nichts passiert.

          Nichts ist passiert. Für französische Verhältnisse jedenfalls. Karriere und Kind schließen sich nicht aus. Das Land ermöglicht jungen Müttern bewusst, berufstätig zu bleiben, indem es für eine ganztägige Betreuung sorgt. Wie Florence Parly arbeiten rund zwei Drittel der Französinnen mit einem oder zwei Kindern. Erst vom dritten Kind an ist nur noch jede zweite französische Mutter berufstätig. Vater Staat selber versorgt ein Viertel der 2,2 Millionen Franzosen unter drei Jahren in seinen Kinder-Krippen, die häufig ganztägig geöffnet sind. Um ein weiteres Viertel kümmern sich subventionierte Einrichtungen außerhalb der eigenen vier Wände. Der deutsche Staat schafft es dagegen gerade mal sieben Prozent seiner Kleinsten in öffentlichen Betreuungseinrichtungen unterzubringen; eine Zahl, die noch geringer wäre; wenn in Ostdeutschland nicht noch relativ viele Krippen-Plätze vorhanden wären.

          Das deutsche Dilemma

          Für die drei- bis sechsjährigen Franzosen ist die kostenlose und freiwillige Vorschule vorgesehen: die école maternelle, eine im Gegensatz zum deutschen Kindergarten ganztägige, in Klassen eingeteilte Einrichtung. Welchen Vorteil die Ganztagsbetreuung für Französinnen wie Florence Parly hat, resümiert Andrea Becker in ihrer Doktorarbeit: „In Frankreich entsteht bei der Entscheidung für das erste Kind nicht mit der gleichen Zwangsläufigkeit wie in Deutschland ein Dilemma zwischen den Alternativen 'Mutter-und-Hausfrau' oder 'kinderlos-aber-erwerbstätig.“ Allgemeiner formuliert: Die Gründung einer Familie bedeutet nicht automatisch, dass ein Elternteil seine Berufstätigkeit unterbricht.

          Aktive Bevölkerungspolitik

          Doch die Kinder-Betreuung ist nicht das eigentlich Besondere französischer Familienpolitik - Staaten wie Dänemark, Schweden und Belgien etwa betreiben einen noch größeren Aufwand bei der Betreuung ihrer jüngsten Bürger. Der Unterschied liegt darin, dass der französische Staat zugleich das Kinderkriegen aktiv fördert. So erhalten Eltern ein einkommenunabhängiges Erziehungsgeld - im Gegensatz zu Deutschland - erst vom zweiten Kind an. Nach offizieller Lesart ist dies einer von vielen Gründen, warum Frankreichs Geburtenrate im europäischen Vergleich relativ hoch liegt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Geburten sogar im Vergleich zum Vorjahr so stark wie sonst nirgendwo in Europa, nämlich um plus fünf Prozent.

          Auch das Zahlenverhältnis von Neugeborenen zu allen Frauen, liegt im europäischen Vergleich hoch und wurde in der Vergangenheit nur in Irland übertroffen. Für ein natürliches Bevölkerungswachstum reicht das gleichwohl nicht aus. Auch in Frankreich kehrt sich die Bevölkerungspyramide langsam um. So dramatisch wie in Deutschland ist die Lage allerdings nicht. Was die französische Politik lehrt, bringt Sandra Ehmann in ihrer Doktorarbeit auf den Punkt: „Hohe Frauenerwerbsquoten und hohe Geburtenraten schließen sich nicht aus".

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