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Streit um Stiftung : Eine neue Vertreibung?

Direktor Manfred Kittel mit Angela Merkel beim Baubeginn des Dokumentationszentrums 2013: heute politisch nicht mehr tragbar. Bild: dpa

Dem Direktor kann man nichts vorwerfen, dennoch muss er wohl gehen: Im Streit über die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung geht es um eine Weichenstellung.

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          Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung stand noch nie unter einem guten Stern. Das muss wohl am Thema liegen. Schon bevor der Rat der Stiftung Ende Oktober 2010 zusammentrat, hielt Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) das Projekt für beschädigt. Durch die Auseinandersetzung mit dem Bund der Vertriebenen und dessen damaliger Präsidentin Erika Steinbach sei schon Schaden entstanden.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Thierse, der selbst dem Stiftungsrat angehört, mahnte, das Vorhaben müsse „von jedem Verdacht frei sein, dass da irgendetwas mit Revanchismus zu tun habe, dass da die Deutschen von ihrer Schuld am Zweiten Weltkrieg, an Naziverbrechen, an Vertreibungen befreit würden“. Doch offenbar lässt sich dieser Dauerverdacht nicht ausräumen, wie der aktuelle Streit um Ausstellungen wie um Stiftungsdirektor Manfred Kittel zeigt.

          Schon an dem Auftrag der Stiftung hat sich mancher von Anfang an gestört: Er lautet, die „Erinnerung an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert im historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik und ihren Folgen wachzuhalten“. In einem Beschluss der Bundesregierung vom März 2008 heißt es: „Flucht und Vertreibung der Deutschen bilden einen Hauptakzent.“ Was das heißen soll, darüber streiten auch Wissenschaftler, die zum Beraterkreis der Stiftung zählen.

          Waren es wirklich 2 Millionen Tote?

          So wurden auf Empfehlung des Beraterkreises Bilder aus der aktuellen Ausstellung „Twice a stranger“, die von einer griechischen Produktionsfirma eingekauft wurde, herausgenommen. Das deutsch-polnische Kapitel ist dann aus dem griechischen Ausstellungsteil gestrichen worden.

          Gezeigt werden sollte die Vertreibung der Deutschen, doch waren gestellte Aufnahmen darunter – zudem stieß man sich an der Zahl deutscher Opfer: Von zwei Millionen Toten ist in einer englischen Aufnahme die Rede, aber früher ging auch das Statistische Bundesamt von dieser Zahl aus. Auch wird das in der Originalaufnahme selbst relativiert: Das sei eine umstrittene Zahl.

          Tatsächlich wurden auch die Vermissten eingerechnet. Doch gibt es auch Historiker, die an einer Opferzahl von bis zu zwei Millionen festhalten. Außerdem wurde im Beraterkreis moniert, der NS-Kontext habe gefehlt. Allerdings hatte die Ausstellung „Twice a stranger“, die im Übrigen aus dem Beraterkreis der Stiftung selbst mehrfach empfohlen worden war, einen eigenen internationalen Beraterstab. In Wechselausstellungen war der Wissenschaftliche Beraterkreis im Übrigen bisher nicht eingebunden; das war auch von ihm nie kritisiert worden.

          „Wir haben mehrheitlich das Vertrauen in den Direktor verloren.“

          Zudem hat sich offenbar recht plötzlich Kritik an den sogenannten Schlaglichtern, an der Werkschau zur künftigen Dauerausstellung der Stiftung, entzündet. Etwa die Hälfte der 22 Tafeln thematisiert die Vertreibung der Deutschen im weiteren Sinne. Das ist seit eineinhalb Jahren bekannt. Doch jetzt wird der Vorwurf erhoben, das sei tendenziös und unausgegoren.

          Dabei soll die Vertreibung der Deutschen laut Konzept „den Schwerpunkt der Dauerausstellung“ bilden. Sie soll freilich nur „ein Schwerpunkt“ der Stiftungsarbeit insgesamt sein. Daran sieht man: Es geht offenbar um mehr. Jedenfalls keinesfalls nur um Direktor Kittel, dem nun etwa der Titel eines seiner Bücher vorgehalten wird: „Vertreibung der Vertriebenen?“, fragte er mit Blick vor allem auf die öffentliche Wahrnehmung der Vertriebenen in den siebziger Jahren

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