https://www.faz.net/-gpf-8eoz4

Kommentar : Wie gewonnen, so verloren

Die Grünen sind in Baden-Württemberg dank Spitzenkandidat Winfried Kretschmann erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland geworden. Bild: Müller, Verena

Sie können auch ohne Fukushima. Dank Spitzenkandidat Kretschmann haben die Grünen in Baden-Württemberg ein Rekordergebnis erzielt. Bei den Wahlen in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt hat die Partei aber viele Stimmen verloren.

          1 Min.

          Für die Grünen und ihre Sympathisanten ist der Ausgang der Landtagwahlen mit noch widersprüchlicheren Gefühlen verbunden als jener Sonntag im September 2005, an dem das zweite Kabinett Schröder/Fischer abgewählt wurde. Damals traten die Grünen den Gang in die Opposition erhobenen Hauptes an, war die rot-grüne Koalition doch nicht an ihnen, sondern an den Sozialdemokraten gescheitert. Jetzt müssen sich die Grünen die Ungewissheit über den Fortbestand zweier Regierungsbündnisse mit der SPD selbst zuschreiben – in Stuttgart sind sie noch stärker geworden als zuvor, in Mainz fast so schwach wie zuvor. Wie das?

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Im späten Winter 2011 hatte „Fukushima“ den Grünen in beiden Ländern gewissermaßen über Nacht zu nie gekannter Stärke verholfen. Seither haben die baden-württembergischen Grünen alle Zweifler widerlegt, die ihnen eine rasche Rückkehr zu „gewöhnlichen“ Wahlergebnissen prophezeit hatten. Gewöhnlich ist in Baden-Württemberg allenfalls ihre noch immer reichlich ideologielastige Programmatik.

          Mit sich selbst im Reinen

          Schon in der Politik nahmen sie eher Maß an dem Machbaren als dem Wünschenswerten. Und wenn sich die Wirklichkeit partout nicht dem Willen fügen wollte, war – wenn auch, wie in der Bildungspolitik, oft spät oder, wie in der Asylpolitik, taktierend – Winfried Kretschmann zur Stelle: ein Ministerpräsident, im politischen Deutschland so mit sich selbst im Reinen wie vielleicht nur noch Angela Merkel und über alle Lager hinweg so angesehen wie nur noch Joachim Gauck. Die Partei hat ihn mehr ertragen als er die Partei – nun kann in Stuttgart weiterhin nicht gegen die Partei regiert werden, die das Lebensgefühl jener neuen politischen Mitte repräsentiert, die sich Ökologie leisten kann, weil sie Ökonomie nicht verachtet.

          Wie es den Grünen dagegen ergehen kann, wenn sie gerade nicht auf Persönlichkeiten setzen, stattdessen Parteiräson (gerade in der Migrationsfrage) über alles stellen und in Programmfragen (etwa bei der Energiewende) auf Maximalpositionen beharren, zeigt das desaströse Abschneiden in Rheinland-Pfalz. Dort haben die Grünen am Sonntag in Stimmenanteilen gemessen so ziemlich alles verloren, was sie vor fünf Jahren gewonnen haben. Ob es der einen Partei guttun wird, in den Ländern stärker denn je als zwei zu erscheinen, sollte sich vor dem September 2017 entscheiden.

          Weitere Themen

          Eigennutz vor Gemeinnutz?

          FAZ Plus Artikel: Bundestag XXL : Eigennutz vor Gemeinnutz?

          Der Deutsche Bundestag platzt schon jetzt aus allen Nähten. Dennoch droht er weiterzuwachsen. Doch die Aufblähung des Bundestages kann noch verhindert werden. Die Parteien müssen nur wollen.

          Topmeldungen

          Der Mann wird im Klinikum Schwabing in München auf der Isolierstation versorgt.

          Deutscher Coronavirus-Fall : Behörden prüfen 40 Kontaktpersonen

          Dem Erkrankten aus Starnberg geht es laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit „recht gut“. Er hat sich wohl bei einer Kollegin aus China angesteckt. Nun wird überprüft, ob sich weitere Personen infiziert haben könnten.
          Ein Kuss sagt mehr als 1000 Worte: Die britische Prinzessin Eugenie bei ihrer Hochzeit im Oktober 2018 mit Ehemann Jack Brooksbank.

          Ein wahres Feuerwerk : Was im Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

          Wenn sich Lippen berühren, bricht im Gehirn ein Feuerwerk aus. Nervenzellen und Synapsen befinden sich im Ausnahmezustand. Mit Hilfe moderner Technik können Wissenschaftler die Leidenschaft nun abbilden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.