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Impfkampagne : Mit kühlem Kopf aus der Pandemie

Der Impfpass Bild: dpa

Damit das Coronavirus weiter in größtmöglicher Freiheit eingedämmt werden kann, muss noch mehr gezielt dort gehandelt werden, wo es brennt.

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          Freiheit ist erst einmal ein persönliches Recht und Gut. Und auch das Impfen ist eine persönliche Angelegenheit. Niemand wird dazu gezwungen. Und doch gibt es einen faktischen Druck; die Pandemiebekämpfung lebt von Maßnahmen, die viele treffen. Aber wenn eine Maßnahme ihren Zweck nicht (mehr) erfüllt, die Verbreitung des Virus zu verhindern, dann muss sie unterbleiben.

          Schon längst hätten Beschränkungen für Genesene, auch zeitweise für zuverlässig Getestete, aufgehoben werden können und müssen, um Freiheitsrechte wieder aufleben zu lassen. Nun, mit der endlich gut in Gang gekommenen Impfkampagne, gilt das erst recht. Jetzt kommt es darauf an, Lockerungen ebenso wie weiter nötige Beschränkungen wirksam zu kontrollieren. Wenn Nachweise die Schlüssel für die Rückkehr in das alte Leben sind, so müssen sie hinreichend sicher und verfügbar sein. Auch hier zeigt sich wieder einmal der digitale Steinzeitstatus des modernen Deutschlands.

          So richtig es ist, auf den Druck nach Freiheit und Ferien zu reagieren, so sehr sollte man zugleich kühlen Kopf bewahren. Eine Beschleunigung und Ausweitung der Impfkampagne ist zu begrüßen, muss aber mit Augenmaß und Aufklärung erfolgen. Das gilt für die plötzlich und mit Blick auf den Sommerurlaub verkündete Verkürzung des Abstands zwischen zwei Impfungen – mit welchen Folgen? – durch den Bundesgesundheitsminister wie für die Impfung von Kindern.

          Natürlich ist es besser, gerade mit Blick auf neue Mutanten, wenn statt der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen üblichen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung 80 Prozent geimpft werden. Jüngere Kinder würden jedenfalls, sobald der Impfstoff für sie zugelassen ist, vor allem aus epidemiologischen Gründen geimpft, weniger zu ihrem eigenen Schutz. Das ist noch einmal eine andere Art der Abwägung. Damit die Pandemie weiter in größtmöglicher Freiheit eingedämmt werden kann, muss neben der Durchsetzung der allgemeinen Regeln noch mehr gezielt dort gehandelt werden, wo es brennt – etwa in bestimmten Grenzregionen und sozialen Milieus.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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