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Impfen gegen das Virus : Ein starker Schachzug der Menschheit

Eine Pflegekraft wird im Impfzentrum des Klinikums Stuttgart von einer Ärztin mit einer Dosis eines Covid-19 Impfstoffes geimpft. Bild: dpa

Ist der Corona-Impfstoff geeignet, das Virus schachmatt zu setzen? Die Hoffnung ist groß. Doch bis zum Ende der Pandemie ist noch viel Disziplin notwendig.

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          Beim Schach geht es darum, den Gegner matt zu setzen; dessen König so zu bedrängen und anzugreifen, dass er keinen Ausweg mehr findet. In der Partie gegen das Sars-CoV-2-Virus hat die Menschheit gerade einen starken Zug gespielt. Aber ist der auch geeignet, das Virus matt zu setzen? Der Beginn der Impfaktion am Wochenende fast überall in Europa weckt jedenfalls Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Partie.

          Dass der Kampf gegen das Coronavirus bisweilen Züge eines Spiels annimmt, hat auch Lothar Wieler erkannt, der Präsident des Robert-Koch-Instituts. Er bezog sich dabei nicht auf Schach, das Spiel der Könige. Wieler sagte nur: „Der Impfstoff ist der entscheidende Gamechanger.“ Das klang ein wenig so, als hätten die Menschen in ihrer Partie gegen das Virus gerade eine zweite Dame aufs Brett gebracht.

          Drei Phasen des Spiels

          Der Begriff des Spiels kann schnell in die Irre führen. Er suggeriert eine Leichtigkeit, die es in dieser Krise nicht gibt. In der Pandemie geht es oft um Leben und Tod. Im Kampf gegen das Virus herrscht tödlicher Ernst: In Deutschland starben seit dem Frühjahr bereits rund 30.000 Menschen an oder mit dem Virus. Doch viel spricht dafür, dass das Impfen die Regeln dieses Kampfes in der Tat zugunsten der Betroffenen verändert. Sollte sich bestätigen, was die bisherigen Studienergebnisse nahelegen, dann könnte die Impfung viele schwere Covid-19-Krankheitsverläufe verhindern. Sie könnte das tödliche Spiel beenden.

          Eine Schachpartie besteht aus drei Phasen. Mit der Eröffnung versuchen beide Seiten, eine möglichst starke Stellung aufzubauen. Diese soll ihnen im Mittelspiel, wenn viele Figuren vom Brett verschwinden, einen Vorteil verschaffen. Wer mit solcher Überlegenheit ins Endspiel geht, hat gute Chancen, die Partie zu gewinnen.

          Gegen Corona sind die Menschen von der Eröffnung des Virus kalt erwischt worden. Sie gingen mit einem Nachteil ins Mittelspiel. Doch mit der Zeit haben sie ihren Gegner immer besser durchschaut, seine Strategie unter dem Mikroskop freigelegt. Zug um Zug verbesserten sie so ihre Position. Der breite Einsatz des Impfstoffs, der jetzt in Deutschland und generell in Europa seinen Anfang nahm – im Vereinigten Königreich wurde Anfang des Monats mit dem Impfen begonnen –, markiert den Übergang ins Endspiel, unter umgekehrten Vorzeichen wie zu Beginn. Jetzt sind die Menschen im Vorteil.

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          Doch sie sollten sich hüten, diesen Vorteil als Garantie für einen Sieg zu nehmen. Das ist er keineswegs. Zum einen ist offen, wie lange die Pandemie währt und wie viele Opfer sie noch fordern wird. Das Virus gibt nicht kampflos auf. Akribisch beobachten Wissenschaftler die vielen Mutationen des Erregers, vor allem im Hinblick darauf, ob es ihm gelingt, die Wirksamkeit des Impfstoffs zu schwächen.

          Und wie man auch keine Schachpartie ohne Disziplin gewinnt, so wird auch Corona nur zu besiegen sein, wenn sich viele Menschen impfen lassen. Umfragen lassen daran zweifeln, dass die von Fachleuten geforderten sechzig Prozent hierzulande erreicht werden. Zum anderen ist nicht ausgemacht, dass es bei einer Partie bleibt. Selbst wenn die Impfung zunächst wirkt und Corona geschlagen scheint, kann sich das Virus mit den Jahren so verändern, dass es einen neuen Impfstoff braucht. Wie schnell dieser entwickelt werden kann, wie wirksam er sein wird und was das für unseren Alltag bedeutet, das steht auf einem anderen Brett.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

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