https://www.faz.net/-gpf-7ycbg

Imam von Bordeaux : „Muslime sollen Abscheu kundtun“

  • Aktualisiert am

Tareq Oubrou, der Rektor der Großen Moschee von Bordeaux, hat dem Papst am Mittwoch bei einer schon lang geplanten interreligiösen Begegnung in Rom ein Buch übergeben. Bild: AP

Einer der führenden islamischen Gelehrten Frankreichs hat die Muslime aufgerufen, ihre Abscheu über den Terroranschlag in Paris mit Massendemonstrationen deutlich zu machen. Der „gesellschaftliche Friede“ sei bedroht.

          1 Min.

          Ein führender islamischer Gelehrter Frankreichs hat die Muslime seines Landes zu  Massendemonstrationen aufgerufen. Wie die katholische Zeitung „La Vie“  in ihrer Online-Ausgabe berichtet, sagte der Rektor der Großen Moschee von Bordeaux, Tareq Oubrou, nach einer Begegnung mit Papst Franziskus in Rom: „Der gesellschaftliche Friede ist bedroht. Die Muslime Frankreichs müssen massenhaft auf die Straße gehen, um ihre Abscheu angesichts dieses Verbrechens kundzutun“. Oubrou ist einer von vier französischen Islamgelehrten, die am Mittwoch zu einer seit langem geplanten interreligiösen Begegnung mit dem Papst nach Rom gekommen waren.

          Der in Marokko geborene Imam betonte, das Massaker von Paris habe seine eigene Wahrnehmung grundlegend verändert. Bislang habe er einen Rechtfertigungsdruck auf die Muslime angesichts islamistischer Gewalttaten abgelehnt, nun aber befinde man sich an einem „Einfallstor zum Krieg“. Mohammed Moussaoui, Vorsitzender der Vereinigungen der Moscheen Frankreichs, betonte laut „La Vie“ in Rom, die Ereignisse von Paris verstärkten die Notwendigkeit des Dialogs zwischen den Religionen. Den Terroristen warf er vor, sie instrumentalisierten den Islam für ihre Zwecke.

          Bischof Michel Dubost, in der französischen Bischofskonferenz zuständig für den interreligiösen Dialog, erklärte bei gleicher Gelegenheit, das Attentat von Paris werde den französischen Laizismus grundlegend verändern. Die öffentlichen Schulen in Frankreich dürften den Unterricht über Religionen und Weltanschauungen nicht länger außer Acht lassen. Der bisherige Laizismus beruhe auf einer „krassen Ignoranz“, die letztlich die Extreme fördere.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fall Maddie McCann : An der Tür hängt kein Schild mehr

          Steckt der Deutsche Christian B. hinter dem Verschwinden von Madeleine McCann? Und hat er gar noch weitere Opfer? Eine Spurensuche an der Algarve, in England und in Deutschland.
          Bessere Sicht durch Abstand: Begegnung in einem Museum in Mailand

          Lob der Distanz : Bleiben Sie bitte auf Abstand

          Viele leiden darunter, gerade auf die Nähe zu ihren Mitmenschen verzichten zu müssen. Es kann aber auch neue Perspektiven öffnen. Über die Vorteile der Distanz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.