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Imam beim Papst : Mit „Schutzbriefe des Propheten“ gegen islamische Terroristen

  • -Aktualisiert am

Bad in der Menge: Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan Bild: Reuters

Der Koran wird zur Zeit grausam verfälscht, sagt der Imam der Al-Wahid-Moschee in Mailand. Die Terroristen von heute könnten nicht auf Mohammed berufen, so der einflussreiche muslimische Intellektuelle. Deshalb übergab er dem Papst Übersetzungen der sogenannten Schutzbriefe des Propheten.

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          Der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Italien Yahya Pallavicini will zur Versöhnung zwischen Christen, Juden und Muslimen beitragen. In dieser Zeit „grausamster Verfälschung“ des Korans und der Christenverfolgungen in seinem Namen müsse der Islam seine wirklichen Wurzeln offenlegen, sagte Pallavicini, der auch Imam der al-Wahid-Moschee in Mailand ist, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Von großer Bedeutung in diesem Zusammenhang seien die Schutzbriefe des Propheten für die Christen, die aber bisher leider nur der Wissenschaft bekannt seien. Um das zu ändern, habe er kürzlich Papst Franziskus ein Buch des kanadischen Islamwissenschaftlers John Andrew Morrow mit den Texten übergeben: „The Covenants of the Prophet Muhammad with the Christians of the World.“ Der Papst habe die Schrift mit tiefem Ernst entgegengenommen und ihn dann mit einer Geste brüderlicher Nähe umarmt, berichtet der Imam.

          Im Koran findet sich keine Aussage, die eine juristische Maßnahme gegen diejenigen vorsieht, die den Islam verlassen, um einen anderen Glauben oder gar keinen Glauben anzunehmen.

          Morrow übersetzte in seinem Buch sechs Briefe des Propheten an Mönche des Sinai-Klosters sowie an Christen in Persien, Assyrien und in Nadschran nahe Mekka im Süden des heutigen Saudi-Arabien, wo offenbar schon zu Lebzeiten Mohammeds mit Gewalt gegen Altgläubige vorgegangen wurde. In dem Brief, der im Jahr 628 die Mönche des Sinai-Klosters erreichte, richtete sich Mohammed an alle, „die sich zur Religion des Christentums bekennen im Osten und Westen der Erde, nah und weit, Araber und Nichtaraber, bekannt und unbekannt“. Sie dürften nicht verfolgt werden, noch die Richter ihre Arbeit und die Mönche ihr Kloster verlieren. „Niemand darf ein Haus ihrer Religion zerstören oder daraus irgendetwas entwenden, um es Muslimen zu geben.“

          „Wir haben als westliche Muslime eine besondere Aufgabe“

          Der im Topkapi-Museum in Istanbul aufbewahrte Text ist mit dem Abdruck der Hand des Propheten besiegelt und von einem seiner Begleiter unterzeichnet. Imam Pallavicini gesteht ein, dass diese Schutzbriefe wohl nicht geschrieben worden wären, hätten nicht schon Mohammeds Zeitgenossen Juden und Christen verfolgt. Aber es sei eben wichtig festzustellen, dass sich die Terroristen von heute nicht auf den Propheten berufen können, stellt er entgegen.

          Pallavicini gehört zu den jüngeren muslimischen Intellektuellen, die bei interreligiösen Tagungen im Vatikan genauso präsent sind wie bei den Konferenzen in den muslimischen Religionszentren Kairo oder Amman. „Wir haben als westliche Muslime eine besondere Aufgabe“, sagt der Sohn einer japanischen Mutter und eines italienischen Vaters, der in Mailand geboren wurde. „Wir sind in dem christlich-jüdisch-muslimischen Kontext groß geworden und gehören zu ihm.“

          Oft werde gesagt, das Christentum sei geschwächt und darum suchten viele enttäuschte junge Menschen im Westen im Islam ihre neue Religion. Sie könnten den Islam wählen, der im Abendland integriert ist. Stattdessen aber fielen sie in manchen Fällen einem „apologetischen bigotten verfälschten Islam anheim“.

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