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Im Porträt: Peter Hintze : Mit Merkel

  • -Aktualisiert am

Hintze hätte Rückendeckung von der Kanzlerin Bild: AP

Peter Hintze und Angela Merkel haben in politischen Grundfragen immer wieder in dieselbe Richtung gedacht: Ob Forschung an embryonalen Stammzellen oder die Skepsis gegenüber einer Aufnahme der Türkei in die EU - ein Kommissar Hintze in Brüssel hätte die Rückendeckung der Kanzlerin.

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          Ihre Wege kreuzten sich so oft, dass sie einander spinnefeind oder miteinander ziemlich vertraut sein müssen. Letzteres trifft zu: Peter Hintze und Angela Merkel haben in politischen Grundfragen immer wieder in dieselbe Richtung gedacht. Die Nachricht, dass die Kanzlerin dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsminister Glos die Entsendung als deutscher Kommissar nach Brüssel zugesagt habe, steht daher auf festem Grund.

          Hintze, Jahrgang 1950, hat in Bonn evangelische Theologie studiert, war drei Jahre lang Pfarrer in Königswinter. Frau Merkel stammt aus einem evangelischen Pfarrhaus. Als Hintze 1991 Parlamentarischer Staatssekretär bei der vier Jahre jüngeren Bundesjugendministerin Merkel wurde, konnte er der Jungpolitikerin im Ministeramt seine bereits mehr als zwei Jahrzehnte lange Erfahrung als CDU-Mitglied, stellvertretender RCDS-Vorsitzender, Kommunalpolitiker, Bundesbeauftragter für den Zivildienst, Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises und als stellvertretender Landesvorsitzender der CDU in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stellen.

          „Rote Socken“-Kampagne

          Angela Merkel war die einzige stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende, als der Parteivorsitzende, Bundeskanzler Kohl, im Mai 1992 Hintze zum Generalsekretär der Partei berief. Zwar gelang ihm mit der „Rote Socken“-Kampagne im Wahlkampfjahr 1994 ein vielfacher Erfolg, als er aber danach an diese Masche wiederanknüpfen wollte, gab es eine freundschaftliche Warnung von Frau Merkel, die inzwischen CDU-Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern geworden war und sich sorgte, dass nicht nur wahrscheinliche PDS-, sondern alle ostdeutschen Wähler vom Eifer des Konrad-Adenauer-Hauses verprellt würden.

          Als Wolfgang Schäuble 1996/97 seinen Vorstoß zur Ablösung Kohls unternahm, fühlte sich Hintze mit angegriffen, Frau Merkel aber verhielt sich zumindest so neutral, dass sie sich nicht den Weg verbaute, von Schäuble zur Generalsekretärin berufen zu werden, als dieser nach Kohls Wahlniederlage und Rücktritt den CDU-Vorsitz übernahm.

          Gedankliche Nähe

          Nachdem Frau Merkel selbst Parteivorsitzende geworden war, bugsierte sie den inzwischen zum Europapolitiker gewordenen Hintze in den stellvertretenden Vorsitz der Christlich-Demokratischen Internationale (CDI), der Internationalen Demokratischen Union (IDU) und der Europäischen Volkspartei (EVP), lauter entscheidende Positionen für die europäische Parteipolitik. Und es war die Kanzlerin, die Hintze zum Luftfahrtbeauftragten machte und ihm die Zuständigkeit für ein handfestes Feld europäischer Industriepolitik gab.

          Die gedankliche Nähe der Bundeskanzlerin und Hintzes offenbart sich auch auf zwei sehr verschiedenen Feldern: in dem Streben nach weiterer Öffnung für die Forschung an embryonalen Stammzellen und in der Skepsis gegenüber einer Aufnahme der Türkei in die Europäische Union. Ein Kommissar Hintze hätte die Rückendeckung der Kanzlerin.

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